Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1884)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn
- Date
- 1884-12-18
- Page
- 810 (sequence 2)
- Language
- German
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810 und wir müssen der Wahrheit die Ehre geben, I ■v>c1t Ignatz Reich halte einen Löwenantheil an den j harten Mampfen bei und nach dem׳ Kongresse, und der spätere günstige Erfolg") dieser Bemühungen ift;um großen Theilc seiner an Aufopferung grcn-;enben Eingebung in der Vertheidignng des schivcr bedrohten ^Rechts der Orthodoxie zu verdanken. Herr Reich ward bald der populärste Mann im ungarischen Israel. Unterstützt von seiner impouiren-den Gestalt, erwarb er sich durch sein gegen Jedermann bekundetes freundliches unb devotes Benehmen, seine tiefe Ergclulng und hcrablassendstc Bescheidenheit die wärmsten Sympathien, und die dankbare Orthodoxie brachte ihm die höchste Auszeichnung, ihr vollstes Bertrauen entgegen und übertrug ihm die oberste Leitung ihrer Landesvcrtretnng. —-Allein nicht lange währte der Jubel der enthusiaSmirtcn ungarischen Orthodoxie. — Es begann eine durchgreifende Metamorphose. Aus dem -!".״"^'-Verein ward eine Durchführungskommission, ans dem deutsch-ungarischen ״Magyar Zsidb" ein deutsches ״traditionelles Judenti)111u" und aus dem fast unterwürfigen Ignatz Reich ward wie über Nacht ein halsstarriger Despot, voll Pedanterie, Willkür und Intoleranz, und שבשתא 1סי!ץ דעי1 עי. Diese traurige Verirrung nahm immer weitere Dimensionen an bis sie den KulminaüonSpunkl der starrsten Unduldsamkeit erreichte, und er ein — hartgesottener Schleppträger der Ehassidim wurde, jener Ehassidint, welche lieber ihr heißestes Herzblut verspritzen, ehe sie auch nur ein עקץ שר ירד von dein;די rr2 פסק Preis geben, jenes פסגי׳ד, dessen erstes und oberstes Per und Gebot lautetאסור לדרוש .׳ רשר« סלשון אור« ע וסן אי" דאנץ; •דד ירד גא- אודז״ע, ע־׳ס צריך סל נר ישראל אשר ידי ר£,\ז,״י* ר ד־״ י־ ו״ ה רלשי: uj jn שרס או ארר דורש נלש חוצה, והדורש צריך לדרוש -י. ein polnisch-) ישראל הסשרים אנשי הצדעה רזא- -.!deutsches Kauderwelsch). (Lchtuß folg l' Kvtrcspiiildcilzcil nitd Alichnchtci!. Deutschland. # Hannover, U>. Dezember. In vergangener Woche ist Amtsrichter Dr. Simon mit seiner Familie zur rcformirten Kirche übergetretcn. Derselbe gehört einer der der ältesten und angesehensten unserer hiesigen jüdischen Familien au und war bis zu diesem Augenblicke *! Dieser (7!׳folg fallt in die Zeit, da Herr Reich schon einige Jahre cm der Lpiye der Geschäfte stand, d. h. Präses dcL Laude-vereins war. auch Mitglied des Nepräsentantenkollegiums. Die Aufregnng über diesen Vorfall ist deshalb um so erklärlichcr. Zn gleicher Zeit ist im Verlag^von Walther & Apolant in Berlin eine kleine anonyme Lchrift erschienen, welche den Titel ״Gedanken eines Juden" führt, als deren Autor jedoch Herr Dr. Simon sich zn bekennen keinen Ansland nimmt. Dieselbe trägt daS Motto: ״Es mag Zeiten geben, wo Schweigen Gold und Sprechen Silber ist, aber es giebt auch Zeiten, wo Schweigen Tod und Sprechen Leben ist"; und eS giebt sich in der That diese Brochüre als eine RechtsertignngSschrift für den Entschluß, welche den Bersasscr aus der Synagoge zum Taufbecken geführt hat. Hätte derselbe eS nicht für gut befunden, sich also öffentlich auszusprechen, so würde für uns keine Beraulassung Vorgelegen haben, den Motiven nachzugchen, welche einen Manu von der sozialen Stellung, die Herr Dr. Simon einnimmt, zum Bruche mit seiner Vergangenheit veranlaßt haben könnten. Wir bekennen cs rückhaltlos, der Inhalt dieser NechtferligungSschrift hat uns sehr wchmüthig gestimmt. Ein Jude, welcher von dem Iudenthum (Seite 13) also schreibt: ״Eine ehrwürdige Säule, deren Grundstein im fernsten Alterthum liegt, ragt daS Iudenthum, vom Sturme der Zeiten nicht gebrochen, in die Gegenwart hinein. In Noth und Kampf, unter Druck und Verfolgung, haben die Juden Jahrtausende hindurch ihr kostbares Heiligthnm gehütet. Die Größe der Opfer erweckt die Hoffnung auf eine der Opfer werthe Zukunft. Die Propheten verkünden, daß die ״Lehre von Zivn ansgehen", daß einst alle Völker sic annehmen, alle den Namen Gottes anrufen, ihm ans gleiche Weise dienen werden, daß Gott einst König sein werde über die ganze Erde. Die Inden sind die Träger jener Lehre, sie sind unter den Völkern der Erde zerstreut, auf daß dereinst dem Prophetenworte gemäß die von Zion ausgehende Lehre die Welt gewinnen möge. Es liegt etwas großartig Schwärmerisches in dieser idealen Auffassung vom Berufe der israelitischen Religion. Dem Iudenthum erscheinen die leuchtenden Thateu seiner Vergangenheit als Sterne, in denen eö seine Zukunft lesen zu können glaubt. Zu diesen Sternen blickt Mancher empor, wenn er uni seines Glaubens willen Kränkung erdulden muß. Sie halten mit magischer Gewalt auch den fest, welchen der Widerstreit der Ansichten fortzicht ans dem Kreise, in welchem er geboren ist", — kommt dennoch zn der Entschließung daS Band zu lösen, welches ihn mit'dem Iudenthum ver-. knüpft. Warum? Die Antwort auf diese Frage ist eine tief traurige. Zn dem Geiste dieses Mannes, der vor der imponircndcn historischen Erscheinung des IndenthnmS sich beugt, hat dieses Iudenthum niemals gesprochen; ihm ist die jüdische Lehre ein mit sieben