Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1884)
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Mecklenburg
- Date
- 1884-12-18
- Page
- 807 (sequence 2)
- Language
- German
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807 floate.*) Auch die Nobler Juden werden in der Sternberfler Hostien geschichtc besonders hcrvorgchoben. Schwerin, die älteste deutsche Stadt im Lande, jetzt Residenz und Hauptstadt des Landes, sowie der Mittelpunst der jüdischen Gemeinden, war in der Zeit, von der wir reden, wie in politischer und kommerzieller Beziehung überhaupt, so auch in Bezug ans die Juden, von sehr geringer Bedeutung. Wir wissen bloß ans der oben angeführten Wismarer Urkunde von 1341, daß Salomon von Rostock, welcher dann in Wismar ausgenommen wurde, vormals in Schwerin gewohnt. Nachtgestirne. Historische Novelle ans der Feudalzcit Ungarns. Bon Samuel Bert hold Nosner. - ('Jiadtbruct tH’rbolcn 11. lieber־ {c in 1111v:>v < di t 10 ׳ r 1י e l) a L te 11. (Fortsetzung.) Die Bauern bekreuzten sich, zum Tode erschrocken, ihnen war, als wäre der jüngste Tag mit seinen Schrecknissen da. Einige unter ihnen lehnten wie vernichtet in den Ecken der Schenke und murmelten, die Mützen zwischen den gefalteten Händen haltend, andächtige Gebete, andere wollten stracks zur Beichte rennen, wieder andere wollten zum Herrn Pfarrer laufen, damit er zur Besänftigung des hcranfzichenden Unheils alle Glocken möge läuten lassen. Daraufhin schüttelte aber Marko den alten Kops mit den silbernen Haarfädcn und sagte: ״Nur den Pfarrer laßt mir aus dem Spiele, denn wenn der die Glocken läuten läßt, so wird Euch doppeltes Unglück treffen. Wer ist denn sonst an Allem schuld als der Pfarrer? Hab' ich's Euch nicht immer gesagt, daß Ihr noch schöne Sachen erleben werdet? Wartet nur, bei der Hinrichtung da wird cS erst recht losgehen. Ich sage Euch, cs wird Feuer und Schwefel regnen, wie in Sodom und Gomorra." Die Bauern waren der Berzweiflung nahe. ״Also muß es denn fein, das wir und unsere Weiber und Kinder zu Grunde gehen," fragte einer trostlos die Hände ringend, ״was können wir denn für die Vcrbrechen Anderer?" ״Nein, wir werden das nicht dulden," sagte ein anderer trotzig, den die Verzweiflung Muth cinflößte, ״ein Jeder sterbe für sein Vergehen, sagt ja auch die heilige Schrift. Eher tobten wir den Pfarrer, der die unschuldigen Juden inö Unglück gebracht hat, bevor wir zugeben, daß daS Gottesgericht über den ganzen Ort herein breche." ״Recht hat der Peter," riefen mehrere Stimmen durcheinander, ״wir reißen den Pfarrer in Stücke, wenn er nicht die Inden frei giebt und so von uns die Strafe Gottes abwendct!" *־, Raabe, Meäl. Vaterlandskunde, I., S. 403 f. Auf einmal verstummten aber alle die schreienden Stimmen, und alle Bauern erfaßte ein Schauder. Vom Thale herüber drang ein lautes Pochen und Hämmern und mitten in diesem dumpfen Getöse hörte man einige rohe Stimmen zügellose Schclmcnliedcr singen. Es waren die Knechte des Henkers, welche im Thale die Richtpfähle zimmerten und zu ihrer düsteren Arbeit gleichmüthig sangen. ״Ha, ha," lachte Marko, ״mit dem Zerreißen deS Pfarrers wird's also nichts, denn Ihr habt Euch noch zeitlich genug erinnert, daß Ihr dann gewiß verloren ' seid, weil Jhr's alsdann mit dem Grafen zu thnn habt. Glaubt mir, Ihr dürft cs lieber mit Gott, als mit dem Grasen zu thnn haben. Es wird also das Beste sein, daß wir schön Zusehen und die Dinge abwarten, die da kommen werden." Uebrigens verblaßten bald die blutigen Flammen, die nebligen Dünste lösten sich langsam vom glühenden Sonncnball los, und die Natur kehrte in ihre gewöhntcn Geleise zurück. Die Gewitter beruhigten sich ein wenig, aber noch immer blickte man mit bänglicher Beklommenheit der nächsten Zukunft entgegen. Zwei Personen gab'S in S—z. deren Gemüthcr unter den vielen andern am tiefsten erregt waren und welchen ein jeder abrinnende Zeittropfen die Pulse heftiger jagen machte, obwohl ihre Gefühle sich gerade entgegengesetzt waren. Mara's Zustand wurde mit jeder Minute qualvoller, während der Pfarrer immer mehr an Zuversicht gewann. Die Sonne stieg höher und höher, Stunde um Stunde verrann, ohne daß die erhoffte Hülfe anlaugte. Mara sah jetzt wirklich wie eine Wahnsinnige aus, sie wehklagte und jammerte und zerraufte sich das Haar. In einem letzten Aufflackern der Hoffnung beschloß sie sich auf einen hohen Punkt des Gebirges zu begeben, von wo man eine Fernsicht über die ganze Ebene bis an den Rand des Horizontes genoß. Als sie an den Ort kam, wo die Henkersknechte noch immer an den zur Hälfte schon fertigen Gerüsten arbeiteten, wurde eö schwarz vor ihren Augen und sie wurde von einer Ohnmacht bedroht. Aber mit einer übermenschlichen Anstrengung raffte sie sich zusammen und lief, sich die Ohren verstopfend und die Augen zudrückend, an dem grauenerregenden Orte vorüber. Die Knechte lachten und machten Späße über die wunderliche Alte. Als sie ans der Höhe angelangt war, wagte sie kaum in die Höhe zu blicken, sie fürchtete, daß ein Rundblick sie auch deS Strohhalmes berauben werde, an den sie sich bis jetzt noch geklammert hatte. Endlich aber wagte sie es doch ihre Blicke über die Landschast dahinschwcisen zu lassen. — Nichts — Nichts, so weit der Himmel reicht! Doch — was ist dec schwarze Punkt dort am Rande deS Horizontes? Einen Moment schwankte sie zwischen banger Hoffnung, um