Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest, 2. Dezember [Nachricht]
- Date
- 1884-12-11
- Page
- 797 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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797 Dezember ׳ Heft reprodnzirt die Sr. Majestät persönlich! überreichte Eingabe der orthodoxen Nabbincu gegen die! bekannten Erlässe unseres Herrn Kultusministers in der! Jeschiba - Angelegenheit. Die Eingabe ist von den! vier Deputations-Mitgliedern unterzeichnet. — An j anderer Stelle des vorliegenden Hcstes ist ein ״Jeschiba-! und Talmud׳Thora", überschriebencs Artikclchen, in! welchem jenen vier DcpntationS-׳))!itgliedcrn ein bissiger! Borwurf darüber gemacht wird, daß sie sich als! ״O b er" - Rabbiner unterschrieben. Wo und seit! wann cxislirt diese vornehme Institution? meint der i Artitelschreibcr. — Nun, eS ist wahr, fast jeder Dorf-! ^"ט in Ungarn annektirt heute schon diesen stolzen! ^itet בל הרוצה ליטול את השט יבא די*ב1דל, nnd seit-; de'.u dieser Titel Gemeingut Aller geworden, unterlassen : cS auch in Wirklichkeit manche besonnene Rabbiner bei! Angabe ihres sozialen KaraltcrS das ״Ober" beizusügen. j --- Doch ,,M. Zs. Szemlc" ertheilt ihre Lektion nur - den orthodoxe n Rabbinern, diesen gönnt sie kein; ,,Obcr"-Nabbinat, doch ihren Parteinnd GcsinnnngSi genossen gegenüber ist sie in dieser Beziehung sehr frei-! gebig. Am Schlüsse desselben Heftes bringt sic eine Liste ihrer Mitarbeiter und da rcgnet'S ordentlich von Titel- Verleihungen, — jedes Rabbincrchcn, das der ,,Szemlc" im Laufe des IahreS irgend einen Wisch zugeschickt, wird zum ,,Ober"-Rabbincr erhoben, nnd so erfahren wir ans der interessanten Mitarbeiter-Liste (schade, das; es and) Mitarbeiter gicbt, die nicht genannt sein wollen!!), daß sogar in Simünd, Versetz, H. M. Vnsnrhcly, Szigctvür:c. ״Obcr"-Rnbbiner rcsidircn. . Nun, wir halten uns überzeugt, daß wenn Herr Rabbiner Schreiber anSPreßbnrg diese,,Liste ungarischer ״Ober"-Nabbincr" zu Gesichte bekommt, er in Zukunft gerne ans die Ehre verzichten wird, ein ungarischer ,,Ober"-Nabbincr zu sein. —- Bezugnehmend ans Ihren jüngsten Korrespondcnz-Bericht: ,,Aus Ungarn" will ich bemerken, so viel ich ans den ,,Kollektiv-Berichten" hcranSgelesen, hat der Verfasser derselben nicht absolut, sondern nur bedingungsweise die Enthebung des Präses unserer Durchführungskommission empfohlen. — Die Wirren in Ujhelh knkiuinireu fort. Herr Rabbiner Lazar Löw ist nicht von aller Schuld srcizusprcchen. Schade, daß darunter auch die dortige ישיבה leidet. — Dafür ist die ישיבה in G r. W ardcin in steter Zunahme begriffen 1111b gedeiht vortrefflich unter der bewährten Leitung des gelehrten Herrn Rabbiners M. Fuchs. \V. Prag, 5. Dezember. Es dauerte eine geraume Weile, bis man sich an berufener Stelle entschließen konnte, der unter der böhmischen Judcnschast herrschenden Indolenz durch thatkrüftiges Eingreifen nnd durch die Wiederentfachimg deS ehemaligen Eifers für Förderung und Pflege wahrhaft jüdischer Wissenschaft in Prag Einhalt zu thnn. Mögen Vereine über Vereine sich häufen, Verbände im Ucbcrmaße entstehen, der JndifserentiSmus, der hier aller Herzen sich bemächtigt, kann nur durch die Wiederbeleknlng des ThorastudinmS, dessen völligem Niedergänge er seine Herrschaft verdankt, beseitigt werden. Die Sanirnng eines Nebels wird mir durch die Entfernung deS Grundes, wodurch dasselbe entstanden, herbeigeführt. Daß dem so ist, hat man hier wohl trotz der Begriffslangsamkeit, die hier nicht ein unbekannter Faktor ist, cingcsehen. Allein, was hilft's, wenn man es nur bei dem Einsehen bewenden läßt. Das Erkannte muß praktisch angewendct werden, nnd zwar rasch, ohne jede Saumseligkeit, so cs wirklich von Nutzen sein soll. Das Gesuch, welches der (5z- Hadaath-Verein bezüglich einer jährlichen Subvention ans den Einkünften des sogenannten JndcnstenerfondS der löblichen 'Repräsentanz der böhmischen Landesjndenschast unterbreitet hat, wurde, wiewohl cs mit der Unterschrift des Prager ObcrrabbinatS versehen war, abschlägig beschicden. Der Grund dieser Versagung ist aber nicht, wie die löbliche Repräsentanz glauben machen will, in der ungeklärten Rechtslage des Reservefonds zu suchen, sondern in der Lauheit, mit der man allen echt jüdischen Institutionen zu begegnen gewohnt ist. Hat doch schon im Jahre 18f;8 u?ic damalige Nepräsentanz unter der Leitung ihres Obmanns. deS Herrn Gabriel Tanßig, die kaiserliche Genehmigung erhalten, die Interessen der Indenstencr zu den Zwecken eines in Prag zu errichtenden NabbincrscminarS zu verwenden. Natürlich ist die vom Vereine Ez-Hadaath ins Auge gefaßte Unterrichtsanstalt mit einem Nabbincrseminar in großem Style nicht identisch, aber man wird ׳dennoch nicht in Abrede stellen wollen, daß eine Schule, wenn auch in kleinerem Maßstabe, unter Leitung tüchtiger und bewährter Männer die Hebung nnd Ausbesserung der religiösen nnd wissenschaftlichen Zustände herbeiführen könnte. Entgeht cs denn ganz und gar der löblichen Repräsentanz, welche Folgen ihre beharrliche Zurückhaltung hatte? Man wolle nur gesälligst eine kleine Umschau halten nnd sich dann fragen, ob eS noch gerathen sei, auch fernerhin dem blinden Ungefähr zu vertrauen. Wir wissen nicht mit Bestimmtheit, welche von den beiden Repräsentanzen älter ist, ob die Prager oder die der Landcsjndenschast, das aber können wir versichern, daß crsterc bezüglich des Erörteren mehr Erfahrung besitzt als letztere. Die Prager israelitische .Kultnsgemcindereprüsentan; will gerne aus die Vcrmchrnng jenes FondcS Verzicht leisten, um mit dessen Mitteln den tief gesunkenen religiösen Sinn der Gemeindc und des Landes zu heben. Sic richtet daher eine Aufforderung an ihre verehrte Kollegin mit dem Ansuchen, eine gemeinsame Kommission zur Bcrathung der betreffenden Petition des Ez-Hadaath anzuordncn. Diese Aufforderung wird aber in einer Sprache zurück-