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Jeschurun · 1884-12-11 · Heft 50 (11.12.1884) · p. 795

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 50 (11.12.1884)
Article
Deutschland : Berlin, 7. Dezember [Nachricht]
Date
1884-12-11
Page
795 (sequence 2)
Language
German
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neulich Veranlassung genommen ()eitle, zweier seltsamer! Fälle von gebrochenen Ehcversprcchcn Erwähnung zu I thun, in denen Inden die Hauptrollen. jpicUcn und! wobei Schadenersatz nicht geleistet wurde, so mag ich! and) heute eines wichligcn Falles erwähnen, welcher! gestern mit Zustimmung des Verklagten durch Zahlung : van 10 01 \{) öftv. beendigt worden ist." Inn ersten : Falle war cs der Bruch eines ,,jüdischen" Ehe-! versprechend, warum? weil der Treulose ein Jude: im; zweiten Falle hätte Herr 1>. konsequenter Weise von dem j Bruch eines ״christlichen" Ehcversprcchens berichten j müssen, denn der Treulose ist ein Chris!. In dem j einen Falle macht man die Gesammthcit für das Ber-! gehen verantwortlich, im anderen Falle nur das Iudi- ׳, vidnnm — das nennt man Gerechtigkeit. tlebrigcns! ist diese Kampfcsweisc wirklich zu veraltet, und die j ״Kreuzzeitnug" sollte doch genial genug sein, sich noch! immer dieser plumpen Manier zu bedienen.! 0. Berlin, 5. Dezember. In der ״Bossischen z Zeitung" Nr. 557. Morgenausgabe vom 11. November, ' ist folgendes Inserat zu lesen: ״Eine junge Dame, mosaisch, ans achtbarer Familie, mit Seminarkenntuisscn und Vesten Cnrpschlnngen sucht nach außerhalb möglichst sofort Stellung als Erzieherin in evangelischer oder mosaischer Fanrilie. da sie auch in christlicher Religion unterrichtet. Gütige Anerbietungen unter L. 8. an die Expedition der Bossischcn Zeitung." Man sollte fast versucht sein, dieses Inserat als das Machwerk eines Antisemiten auzuschen, um die Juden herabzuwürdigen. -Hat denn diese junge Dame mosaischer Konfession gar keine Empfindung für die Schande, in welcher sie sich dem Publikum, wenn auch anonym, präsemirt? Das will eine ״Erzieherin" sein! Sie verdiente einen Platz hu Irrcnhausc. * Frankfurt, im Dezember, lieber die Er- Haltung des von Nothschild'schcu Stammhauses in der Indengassc wird nun Genaueres bekannt. Die Familie hat das Hans, welches wie viele andere durch Expropriation der Stadt zngcfallen war, nebst dem anstoßenden Hause, das unter-gleichem Dache steht, angetanst; sie will diese Häuser um einen Meter zvrückjetzen lassen, baiuit sie in die neue Straßeuflnchtlinie fallen, und wenn sic so wieder hcrgestcllt sind, die Rothschildstiftung hineinverlcgcn. Was sich noch von alten Möbeln im Fanülienbcsitz befindet, soll dann hin׳ gleichfalls vereinigt werden. Auch das interessante Eckhaus am Eingang der Gasse, in welchem sich eine Wirthschast be׳ fand, wird wahrscheinlich erhalten werden. W. Frankfurt a. M., 7. Dezember!884. Gestatten Sie mir in Anschluß an meinen früheren Bericht noch einmal die Frauen-Ehewra-Fragc zu berühren. Daß es leider noch keine crsrculichc Wendung hicrnlit gcnomnlcn hat, beweist die Notiz Ihres 8.^Korrespondent. Was dessen Vorschlag hinsichtlich bezahlter Wächlerinneii als Ersatz der Vereinsmitglicder bei Nachtwachen anbetrisft, so bin ich derselben Ansicht wie Sic, geehrter -Herr Redakteur, da dadurch die eigentliche persönliche Vcrcinsthätigleit als verfehlt erscheint, lkebrigens hat diese, wein! ich cs nun so nennen darf, Unsitte, leider, trotz allen Mahncns und aller Vorstellungen seitens einiger Mitglieder schon ciugerisscn, namentlich bei solchen stentcu, die der Sache gänzlich fremd stehen und glauben, cs müsse so sein; so kam es vor Kurzem vor, daß die Angehörige einer Sterbenden einer anwesenden Dame, die durchaus darauf bestand, daß die Wächterin (dieselbe pflegt in der stiege! bei Tobten zu wachen) hinzugcrnfen würde, da sic sonst nicht dablcibcn würde, erklärte, sic habe ja eine Wächlerin und wolle keine Ehcwra-Fran. Was geschah'? Die Wächlerin wurde doch hinzngernfen, da andernfalls die Dame nicht dorten geblieben wäre. Freilich ist es auch einer Dame zn viel zugemnthet, Nachts über ihres Anttes zu warten Solche Fälle der Nachtwachen kommen jedoch äußerst selten vor. Die Mitglieder haben schon dafür gesorgt, daß sic der Nachtruhe nicht beraubt werden, welche Rücksicht in früheren Jahren, so viel ich mich erinnere, nicht genommen wurde. Da kam cs sehr häufig vor, daß die Mitglieder ganze Nächte unverdrossen ihrer Pflicht genügten und solches selbstverständlich sanden. Nun kommt es allerdings vor, daß hiervon ein gewisser Mißbrauch gemacht wird, in so fern, als oft in rücksichtsloser Weise die Anwesenheit der Damen verlangt wird. Vor einigen Wochen wurde eines der pflichteifrigsten Mitdlicder, das sich aber gerade nicht wohl befand, zn einer Sterbenden gerufen. Es bedauerte, ans angegebenem Grunde nicht mitgchen zu können und gab die Adressen der anderen Mitglieder an. Da war man jedoch schon gewesen und hatte, wie gewöhnlich, zn dieser Dame, die stets bereit ist, geschickt. Was ist da zu thun'? fragte der Herr. Eine Sterbende verlangt nach der Ehewra und Niemand kommt! Angesichts dieser Sachlage ging nun die Dame trotz Unwohlseins mit und veranlagte denn auch noch andere dazu. Wie fiubcn Sie solche Zustände'? Daß endlich eine Aenderung derselben hcrbcigeführt werden möge, ist der Zweck heutiger Zeilen. Eine Verstärkung der Mitgliederzahl thut's nicht allein. Deivn in den letzten Jahren, während dessen eine solche siattgcsnndcn, ist wahrhaftig kciuc Besserung der Uebelstände herbeigeführt worden, eher das Gegenthcil. Viel Köpfe, viel Sinne — bewährt sich hier mehr als anderwärts. Wenn von lst Mitglieder 1 oder st durch dauerndes Un- Wohlsein an der Ausübung ihres Amtes verhindert sind, so ist dies zu entschuldigen; wenn jedoch der größte Thcil nur in Ausnahmssällen, durch Rücksichten

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