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Jeschurun · 1884-12-11 · Heft 50 (11.12.1884) · p. 794

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 50 (11.12.1884)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1884-12-11
Page
794 (sequence 2)
Language
German
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794 Herren Kongreßler. — Doch Herr Schweiger femit feine Hecrdc und iljrc Urtheilsfühigkeit besser, und wußte gewiß, daß er nichts riskirtc. Weil kräftiger ausgclragen zeigt sich der hohe Gerechtigkcilssinn in Punk! %1) ״daß es wohl gestattet sei, das; sich im Schoße einer Knltnsgemeinde der Rothwendigkeit gemäß Bethansvcreine bilden können." Diese erhabene Großmut!) zwingt uns die tiefste Verehrung ab — und waö nicht hoch genug anznschlagen ist, Pnntt 2 will auch unsere in Punkt \ anScinandergesetzlcn Besorgnisse zerstreuen, die Gewissensfreiheit, diese ideale Errungenschaft der 9ien;eit, soll heilig gewahrt werden. Die Herren Kongreßler verstehen es vortresslich, mir den Faktoren zu rechnen. Eine neologe Fraktion kann gemüthkich ohne alle Gewissensskrupel in die orthodoxe Synagoge eimreteu, aus der Schüssel eines Orthodoxen genießen und wird sich nicht gedrungen fühlen, zur Befriedigung ihrer ״Vaimc" tdiesen sehr bezeichnenden Ausdruck ent׳ lehnen wir dem aus vorliegenden Rundschreiben, wahrschein!ich hat ihn Autopsie in die Feder des Herrn Schweiger diktirt) ein eigenes Bethaus zu kreiren. Was soll aber die orthodoxe Minorität beginnen, wenn die neologe Majorität ihre Synagoge reformirt, ein Seminar-. Srudentchen zum Rabbiner bestellt rr. re.? - Run, der edel- und rechtlich gesinnte Präses der Landeskanzlei weiß guten Rath. . . . diese ans ihrer Synagoge gewaltsam verdrängte, in ihrem religiösen Gewissen tief beunruhigte Minorität soll an den Getneindelasten partizipiren, als ginge alles nach deut Schnürchen, dafür aber sei eS ihr unbenommen, ans eigene -tosten einen BethauSvereiu zu gründen und zu erhalten! — So steht's im Schulchan Arnch der loyalen, liberalen und toleranten Kongreßler! — In unserem viel verschrienen und arg geschmähten שולה[ ערוך heißt eS natürlich ganz anders, um nur ein Beispiel an zuführen, verweisen wir ans רנז״א או" ה סיטן .הרנ״דז -סעיף ט׳. Saget doch liebe Kongreßler, habet ihr noch nie etwas vernommen von dem köstlichen Worte: דעלך סני לחברך לא העביד? Ist Euch diese edle Inter׳- pretation des ואהבה לרעך במיך fremd? — Scheut Ihr etwa die praktische Bethätigung derselben, weil eS im Talmud steht mid so ganz jüdisch klingt? Wohlan, so höret cS in einem nichts weniger als jüdischen Idiome: Aliis non fecoris, quod tibi fieri non vis! Was den in Punkt 3) ausgesprochenen Wunsch anbclangt, daß ״unserer Konfession die ״gesetzliche Autonomie" zngesichcrt werde" — gebietet uns die Vorsicht, ans diese hohe Ehre Lieber zu verzichten: — denn diese ״Autonomie" bedingte die Einsetzung rcligiöser Oberhäupter so wie Superintendenten :c. und wir haben satt die famosen Kriterien und Maximen, welche den ״obersten Vertretern der ungarischen Inden" als leitendes Prinzip gelten. Korrcspondcilzeil und Nachrichtcil. Deutschland. -$־ Hannover, 9. Dezember. Der hiesige Talmud- Thora-Verein versendet seinen Rechenschaftsbericht über die Periode!8821884. Seiner Bestimmung, für religiöse Erziehung armer Kinder und Förderung jndischer Kenntnisse nach Maßgabe seiner geringen Mittel zu sorgen, sucht er möglichst gerecht zu werden. ES werden jetzt von ihm vier arme Knaben gänzlich milerhatten, d. h. für die gesammten Schuljahre in eine geeignete Pension untergebracht und mit allent Erforderliehen versehen, und für die Unterhaltung zwei anderer Knaben thcilweise in ähnlicher Weise gesorgt. — An zwei Abenden der Woche werden Mischnahvorträge gehalten, an einem Abende הובות חלבבוה. ES sind für diesen Winter außerdem einige öffentliche Vorträge für Herren und Damen in Aussicht genommen. Ferner wird beabsichtigt, einen FortbildnngSnnterricht für erwachsene Schüler der höheren Lehranstalten und jüngere Kans'lentc einznrichten. Wir schließen nnS dem Wunsche deS VcreinSvorstandeS aus vollem Herzen an, daß eS dem Vereine gelingen möge, ״in alle Kreise unserer Gemeinde tieferes Verstäudniß für unsere heilige Lehre hineinzutragen, in dem jungen Geschlechte Liebe und Begeisterung für das große Erbe der Vorzeit zu ent׳ zünden, das jüdische religiöse Leben in unserer Gemeinde zu festigen und auch für die Zukunft sicher zu stellen", wie wir auch unsererseits hierdurch alle Gemeinde- Mitglieder recht dringend gemahnt haben möchten, diesem Vereine mit einem Minimalbeitrage von jährlich drei Mark beizntretcn. -u- Berlin, 7. Dezember. Gerecht ntuß man sein. Der ״Krenzzeitting" gebührt die Anerkennung, daß sie unentwegt das Ziel der Bekämpfung der Juden verfolgt. Sie hat eS verstanden, sich überall tapfere Mitstreiter zu erküren, weiche in diesem heiligen Streben unermüdlich ihr zur Seite stehen. So begeht auf der weiten Welt kein Semit eine unehrenhafte Handlnitg, ohne daß ein freudiges Heureka an der Spree erschallt. Der unter dem Signum ״B" kämpfende KreuzzeitnngSritter in London hat kürzlich von einen solchen glänzenden Sieg zu berichten gehabt. ״Bruch eines jüdischen Eheversprechens״ an der Themse meldete er frohlockend. Bald darauf brach ein anderer englischer Jüngling LaL HeirathSgelöbniß. Der gewissenhaste Korrespondent mußte Anstands halber auch hiervon Notiz nehmen und er schrieb deshalb: ״Da ich

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