Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1884)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1884-12-11
- Page
- 788 (sequence 2)
- Language
- German
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788 Würdigkeit, Verdienstlichkeit ober der bcfonöcrcu Hülssbcbürfli^fcit ber zu ihr Ausblickendcn beruht, bann sinb diese Huld und diese Wahrheit die mädjtiijftcl'cibgaTbc des Fürsten, roenn gerade ber Mächtigste 1111b Höchstgestellte sich des Rechts der macht- und schutzlosen untersten Schicht seines Volkes annimmt, und derAermste sich geschützt und stark in seinem König fühlt, bann ist sein Thron so fest in den Gemüthern seines Volkes gegründet, baß keine Zcitwandlung ihn zu erschüttern vermag. -Forrsesmig folgt. Ms Ijal!c11 mir non der!’uontefiore-feier gelernt’? ISinc Betrachtung von Rabbiner Dr. Pleßner. s Schluß.» Aber ist cs nicht erstaunenswcrth. baß Juden und Christen den Namen: Sir ״Moses" ohne Taufnamen mit Ehrerbietung, mit wahrer Ehrfurcht nennen, mährend nuscre Antisemiten den deutschen Judcnjnngen, den Karls, den Johanns, den Augusts zurnfcn: ״Schmeißt ihn 'raus, den Inden Jtzig!? Wahrlich, alle die rerschiedenartigcn antisemitischen Vorgänge sinb nur Variationen dieses einen Liedes: ״Schmeißt ihn 'raus, den Juden Jtzigl Schmeißt ihn 'raus aus der Richter-׳ Earrivrc, schmeißt ihn 'raus aus der medizinischen und philosophischen Fakultät, schmeißt ihn 'ranS aus dem Ghmnasiallchrverbandc u. s. w. 11. s. w., denn wir leben in einem christlichen Staate. Das Liebäugeln mit dem Bölkerthum, auf Kosten des Bekenntnisses zum Judenthum und zur Jubcnheit, hat sich also als nutzlos, als unpraktisch erwiesen. Wenn wir hier den Namen, den ungeänderten Namen: ״MoscS" den modernisirten Benennnngen gcgcnübcrstcllcn, so wird nnS der geneigte Leser hoffentlich nicht für so beschränkt halten, daß wir der Ansicht seien, man könne als Oskar und Wilhelm, wenn die Erziehung eine mit moderner Bildung gepaarte echt jüdische ist, nicht vollkommener Jude sein. 'Wir sprechen von dem vollständigen Entfernen des jüdischen Geistes, das im Allgemeinen mit all' diesen fremden Namen sinnverwandt ist, ihre Kntscgncn; zu sein pflegt, und führen uns dabei den wackeren Mann vor, der als ein MoseS, mit den Waffen des unverfälschten Judcnthnms, wie sein Vorbild, Moses, der Gottcsmann, Israels Feinde zu Boden streckte. Die, die sich dcS jüdischen Namens schämen, den nichtjüdischen Mitbürgern alle Konzessionen machen, mit ihnen speisen, den Sabbat!) entweihen, den Bersöhnungs׳ tag verleugnen, die Tcfillin ein für allcma! an die Wand hängen, an ihren Kindern nicht mehr das abrahamitischc Bnndeszcichcu vollziehen lassen, mit einem Worte, sich ganz amalgamircn möchten mit der Ehristciiheit durch Mischehen, sie werden christlicherscits als zudringliche Heuchler zurückgestoßcn; doch der britische Moses erringt sich in den Prunkgemächern gewaltiger Herrscher die Sicgespalme, eben weil er Jude, Juden- 11)111״ und Thora in altchrwürdiger Weise repräseutirt, das lernen wir aus der Frage: ״Wessen Geburtstag feierten wir?" ״Und wann feierten wir denselben?" Wann? Montcsiore ward am 24. Oktober 1784 geboren nnd wird wohl unstreitig den 24. Oktober 1884 als seinen vollendeten hundertsten Geburtstag angesehen haben. Dem ist aber nicht so. Moutefiore feierte seinen von aller Welt gesegneten Geburtstag am 8. Marchcschwan, als am 27. Oktober des laufenden Jahres. Müssen nicht so viele, viele Juden und Jüdinnen erröthen, die ihr Wiegenfest, — zu welchem die Kaiserin von Deutschland und die Königin von England nicht ihre Glückwünsche durch den elektrischen Draht zu senden pflegen, — nm keinen Preis in der Welt dem jüdischen Datum akkomodiren möchten! Ja, Montefiore hat in den Statuten der von ihm zum Andenken an seine heldenmüthigc Judith n'H gegründeten ישיבת אחל ניטה ויהודית d i c Tage, an welche er בחצרות מל ביב ושרים für seine Brüder erfolgreich Fürbitte gcthan, zu Festtagen erhoben. Und welches sind diese denkwürdigen Tage? Am!1. Marchcschwan stand er vor dem Sultan wegen der Blutbeschttldigung in Damaskus, am 12. Nissan gewann er die Gunst des furchtbaren Nikolaus, am 24. Schcwat war er rnhmgckröutcr Fürsprecher in Marokko, nnd so sind alle die für uns Juden historisch glanzvollen Tage, die eine via trinm1)üa1i8 in dem ganzen Leben und Streben dcS Grcisenheldcn bilden, mit spezifisch jüdischem Datum verzeichnet. Doch hier fällt mir ja unwillkürlich wieder unser Bar Mizwah ein. ״Wann bist du denn Bar Mizwah?" will der vorbereitende Rabbiner wissen. ״Am 3. Juli werde ich dreizehn Jahre alt sein, da ist mein Geburtstag", lautet die harmlose Antivort. Am 3. Juli, mein Sohn, sausten die Kugeln bei. Sadowa, das war ein für Preußens Größe und Deutschlands freie Eutwickelung recht ereignißreicher Tag, aber mit der היבוך מצות hat er, kulturhistorisch, absolut nichts zu thun. Aber dieser ticstraurige Zustand hängt ja eben, sowie das vorhin Erwähnte, mit dem ganzen unjndischen Wesen zusammen: und schon vor 43 Jahren schrieb der Verfasscr des Werkes תקופת השנת (eine meisterhafte hebräische poetische Ucbcrsetzung der ״Jahreszeiten von James Thomson" ans dem Englischen), in seiner Einlcitnng über die Vernachlässigung des Hebräischen bitter klagend: ובי תבוא עת דודים לבוא הנער בברית"