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Jeschurun · 1884-12-04 · Heft 49 (4.12.1884) · p. 782

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 49 (4.12.1884)
Article
Rußland : Aus Kurland [Nachricht]
Date
1884-12-04
Page
782 (sequence 2)
Language
German
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782 UrtfjcÜcn wir entweder gar feilt Schriftstück ausgtt'ctzt, j oder dieses war verloren; Unterschriften der Richter j fehlten 11111־ zn oft, und;um Unglück waren manche; der Herren schon todt. Tag und ׳)!acht' arbeiteten die; Beamten, 11m ihre Archive in leidlichen Zustand zu , bringen. Wer in cif?, wie cs geendigt hätte, wäre Manassents ganze Aufmerksamkeit nicht einzig den ״Baronen" zngcwandl gewesen. Er mag wohl eine Ahnung der Sachlage gehabt haben, wie folgendes Bonmot beweist. Als ihm in T. in Kurland bei seiner Anwesenheit alle Beamten vorgcstellt wurden, unterhielt er sich lebhaft mit Herrn O.. der ihm als Ehcs der städtischen Verwaltung und Justiz genannt. Auf alle sachlichen fragen erwiderte der brave Mann die räthsclhajtcstcn Dinge, grosse Angstschweißtropfen perlten auf seiner Stirn Der Donator sah ein, das; die Gesotzsammliinq dem Herrn ein Buch mit sieben Siegeln. ..Verzeihen Die, ich wußte nicht, daß Die städtischer Jurist", schloß er das Kolloquium." — Man sicht, daß an diesen Verhältnissen die bilden nicht schuld find. Vielleicht wäre es besser, wenn die -,Herren Ebräer". tvic der Bericht spöttisch sagt, in unbeschränkter Anzahl und für alle Aentter wählbar wären. * Ans Sndriisrland. Unter allein Vorbehalte geben wir die folgende Mittheilnng. welche der ״'?i. <Vt\ Pr." aus Petersburg zngekommcn ist: Seit längerer Zeit gelangen ans dem Süden Rußlands Nachrichten über eine religiöse Bewegung unter den dortigen Inden hierher, und fast hat es den Anschein, als ob den Anlaß zu der Bewegung die furchtbaren Indcnhetzcn gaben. Den vorliegenden Meldungen zufolge nimmt die Bewegung derartige Dimensionen an, daß die ältere Dckie der Odessaer Neu-Israeliten cS für gut befand, ihre Selbstständigkeit aufzngcben und sich der spitzführenden ״Biblischen Bruderschaft" unterzuordncn. Die Entstehung der neuen Sekte erfolgte ein Jahr nach den Judenhetzen in Ielisawetgrad auf Initiative eines gewissen Gordin, dessen Lehren Hauptsächlich darauf abzielen, veraltete Zeremonien zu bejcitigcn und seine Anhänger zur produktiven Arbeit anzuhaltcu. Um ein gutes Beispiel zu geben, zog er selbst mit seiner Familie auf das Land, pachtete ein kleines Stück Grund und bearbeitet eS im Dchweiße seines Angesichts. Unter seinen Anhängern sollen sich auch Leute mit Universitäts-Bildung befinden, Andere haben Mittelschulen absolvirt. Nach russischen Berichten schlt nur eine energische leitende Persönlichkeit, um die Bewegung vollends in Fluß zu bringen. Die Stellung der neuen Sekte gegenüber der Administration präzisirtc Gordin in einem Memoire. daS er im Namen der Bruderschaft dem Gouverneur von Cherson überreichte, folgendermaßen: Die Biblische Bruderschast verlangt keine besonderen Rechte und Privilegien, sondern bittet nur um die Erlaubniß: 1) eventuell Land auzukaufeu und Ackerbau-Kolonien zu errichten; 2) ihren Glauben offen zu bekennen und sich zu gottcsdienstlichen Handlungen zu versammeln; 3) bei den Polizei-Verwaltungen besondere Zivil Register zur Einlragnng der Geburten, Sterbesällc und Heirathcn zu haben. ' Dieses Bestreben findet bei den aufgeklärten Russen großen Anklang; wer aber die Verhältnisse kennt, befürchtet mit Recht, daß auch die ackerbautreibenden Inden oder auch die Handwerker unter ihnen, sobald sic zu Vermögen komuicu. angcscindet werden dürsten. Jeder bram'.twcmtrinlende Faullenzer hält cS doch für bequemer, den Juden ansznraubcn, statt selbst zu arbeiten. P a l ä st i n a. * In Betreff der in Nr. 31 mitgctheilten Schilderung eines Berichterstatters der ״Kölnischen Zeitung" von dem Judcnviertcl der Stadt Jerusalem, haben wir uns um genauere Information bemüht. Bon Herrn Frumkin, Herausgeber des ״Hachabazelcth", wird uns die folgende Erwiderung: Bedarf cs noch eines längeren Nachweises für die Unrichtigkeit dieser Darstellung, deren Täuschung anS den eigenen Worten bereits ersichtlich ist? Der Judenhaß leuchtet zu deut-!ich zwischen den Zeilen hervor. Selbst dasjenige des Berichts, welchem ein wenig Wahrhcie iuuewohnt, ist werthlos, wegen der ungeheuerlichsten Ucbcrtreibnugen, welche damit vermischt sind. — Was hinsichtlich der Kartofscln gesagt ist. (daß nämlich jüdische Frauen um den etwa genießbaren?heil einer kranken Kartoffel wie um werthvollc Speise feilschen) ist mehr als halb erlogen; was aber wegen des Wassers berichtet wird, (daß die Inden dasselbe erst zum Abkochen, dann zum Waschen und dann zum Trinken gebrauchen) ist von Grund anS falsch. DaS einzige Wahre daran mag sein, daß die Allerärmsteu vielleicht das Wasser, mit welchem sie vor der Mahlzeit ihre Hände übergosscn haben und das somit noch nicht schmutzig geworden ist, znm Waschen ihrer Kleider ansbcwahren. Auch in Betreff der jüdischen Kranken ist Falsches mitgethcilt worden. Das Fieber grassirt allerdings unter den Juden, aber nicht stärker als unter der übrigen Bevölkcrnng. Altersschwache Arme kommen bei den Mnhameda.'.c.׳^ und Ehristcn ebenso herunter wie bei den Juden; bei diesen ist aber die Sterblichkeit im Vergleiche geringer. — WaS über den Geschäftsbetrieb berichtet worden (daß nämlich im Bazar die Inden mit nngtanbtichcm GeschästSsondS sitzen, dcS Einen Waarentagcr bestehe ans dem Viertel eines Kürbisses n. s. w.) ist furchtbar übertrieben. Man sieht, daß es dem Berichter mir um Spott zu thun war; er ist cs wahrlich nicht wcrth, daß man auf jede Einzelheit erwidert.

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