Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1884-11-27 · Heft 48 (27.11.1884) · p. 763

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 48 (27.11.1884)
Article
Judenpolitik und das Banner des Sch'ma Israel!
Date
1884-11-27
Page
763 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2932754-2933049-2933096-2968365--17281-2968417
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Judcnthum und die Juden zu politischen Faktoren gej stempelt werden sollen, so erwächst für die wirklich; jüdische Presse, d. h. für diejenigen ZeitungSorgane, die! ausgesprochener Maßen für die Interessen des Juden-! thums und der Indenhcit wirken, die Nothwcndigkeit, so oft und so lauge für die Wahrheit cinzutrctcn, wie dieselbe geleugnet und getrübt wird. Die 7.Kreuzzcituug", das angesehenste Organ des Konservatismus, wird nicht müde, trotz aller Gegenrede immer wieder dem Irrwahne ihren Einfluß zu leihen, als ob das Judenthum oder die Juden mit denjenigen politischen Anschauungen und Parteigruppen identisch wären, die von der ״Krcuzzcilung" bekämpft werden. Sic schreibt in ihrer Ausgabe vom l8. November d. I. wiederum in diesem Sinne und schließt eine ihrer Betrachtungen mit den Worten: ״Nicht darauf kommt eS an, ob hier und da nebenbei spezielle Jndenpolitik getrieben wird, bei der sich die Semiten des Fortschritts und der Sozialdemokratie unter dem Banner des sclnna Israel znsammcnfinden. Die Gefahr, die auch uns mit der Verquickung von Judcnthum und Sozialdemotratie verbunden scheint, würde sich erst in dem Augenblicke cinstellen, wo cs den Juden gelänge, die Arbeitermasfen non der Verfolgung ihrer wirthschaftlichen Ziele ab und vollständig in die Bahnen des politischen Radikalismus hineinzudrängcn." Wir fordern die ״Kreuzzcitnug" auf, uns nachznwcisen, wo in Deutsch-!and die Juden als solche Politik treiben, und bis ihr dieser 'Nachweis gelungen, erklären wir es für einen Mißbrauch des Worts, von ״Indenpolitik" zu reden Und ebenso erachten wir cs für einen solchen Mißbrauch, wenn sic von der ״Verquickung von Judcnthum und Sozialdemokratie" zu sprechen wagt, weil Herr Paul Singer zufällig Jude und Sozialdemokrat ist. Dann wäre es auch eine Verquickung von Christenthum und Sozialdemokratie, daß Herr Hasenclever, der andere sozialdemokratische Abgeordnete Berlins, Christ und Sozialdemokrat ist. Wir legen gegen solche ״Berquicknug" von Religion und Partcileidenschaft im Namen der Religion crustlichst Verwahrung ein. Was aber das Banner des ״Sch'ma Israel" anbetrifft* so laden wir nicht nur ״Fortschritt und Sozialdcntokratie", sondern auch die ״Kreuzzeitung" und die gcsammtc Menschheit ein, sich mit Israel unter demselben zu schaaren rind dadurch Gott, dem Alleinigen und Alleinzigen, die Huldigung in Wahrheit darzubringen, nicht nur mit den Lippen, sondern durch die Thal. Wenn dieses Banner zum Banner der Menschheit geworden sein wird, dann haben Lüge, Täuschung. Haß und Borurtheil keine Macht n!ehr ans Crden, dann befeinden sich nicht mehr die Menschenkinder, dann herrscht ewiger Friede in allen Verhältnissen. Korrcspoudcilzcil 1111b Nlichrichtcit. Deutschland. -a- Berlin, 18. November. Ich thcile Ihnen im Folgenden ein Histörchen mit, welches ich der״Preußischcn Lchrcrzcitnng" entnehme. In Hilchenbach (Westsalen) wurde jüngst unter Vorsitz des königl. preußischen ProvinzialschulratheS Dr. Siege st eine Lehrerprüfung abgchaltcn, wobei u. a. derselbe folgende Frage an einen Examinanden richtete: ״Warum darf ein Lehrer die Schriften Bcrthold Aucrbach's nicht lesen?" — Cxaminand (nach einigem Zögern): ״Cr hat nicht in echt christlichem Sinne geschrieben." — Siegest: ״Nein, weil er ein Jude ist, und Judcnschriftcn darf man nicht lesen." — 0 saucta simplicitas! •r. Berlin, l 9. November. Zn der seiner Zeit im ״Jcschurun" vcrösscntlichten Asfaire eines Offiziers in Zivil, welcher Nachts einen jungen Herrn mit dem Rufe: ״Inden müssen Platz machen" angercmpett, sodann die Flucht ergriffen halte, schließlich aber gestellt wurde und sich als Lieutenant entpuppte, — habe ich zu bemerken, daß der betreffende junge Herr, welcher, wie ja bekannt, sich an das Generalkommando gewandt hat, von einem höheren Offizier die Nachricht erhalten, daß der betreffende Lieutenant eine strenge Strafe erhalten und außerdem an das Offizierskorps eine Warnung vor weiteren derartigen Vorkoiumnisscn ergangen ist. L-r. Berlin, l‘.). November. Unter den Berliner Straßenrcinigcrn soll sich, wie die ״Nat.-Ztg." erfährt, ein stuck, ehern, befinden. Derselbe, ein junger, rnssischer Jude, halte keine weiteren Mittel, um seine Studien fortznsctzen, und auf die Bitte, ihn zu der nächtlichen Slraßenarbcit zuzulasscn, soll ihn die be-! treffende Stadtdcputation ״ans Grund seiner Vorzugj lichen Zeugnisse" in die Reihe der Straßcnrciniger - eingestellt haben. Der junge Mann soll, weil er, wie! er selbst bei Cinrcichnng der Bitte geschrieben hat, zu z stolz fei, sich an feine Glaubensgenossen zu wenden, j zu diesem Mitte! geschritten sein, um die Kosten seines! Studiums bestreiten zu können. Cr ist Hörer der 1 Professoren Hossmann und Pinucr und hat von den-! selben gute Zeugnisse. — Cr hat sich für den Nachtj dienst gemeldet, weil er bei Tage zu sehr durch seine 1 Studien in Anspruch genommen sei. Der Herr Studiosus ׳ bet heiligt sich jetzt allnächtlich an der Straßcnreinignng! von Berlin. — Wenn die Sache wahr ist, so zeugte; sic von seltener Selbstverleugnung und Energie. D-1. Berlin, 22. November. Meine Mit- ( theilungen über den jüdischen stuck, ehern., welcher bei j der städtischen Slraßcnrcinigung Beschäftigung nachge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.