Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1884)
- Article
- Nachtgestirne
- Date
- 1884-11-27
- Page
- 760 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ihrer 1i׳Kf[id1tclokn Beseitigung hörte, wurde sein Interesse ' mächtig angeregt, er zog im Dorfe genaue!Erkundigungen ein,?velche seinen Verdacht bestätigten, das; er es hier wieder mir einer Frevelthat des Pfarrers zu thuu habe. . Er versuchte cs. bei seinem Vater zu ׳Gunsten der Vcr- ׳ urthciltcn einzuwirken, wurde aber entschieden, ja sogar schroff znrückgcwicsen. Was Wunder also, dag er eine Gelegenheit mit Freuden begrüßte. die ihn aus solchen unerträglichen Verhältnisse!? befreite. — Das Antlitz Engen's heiterte sich ein wenig auf, sein Auge blitzte! kühlt er, als sein Blick die prächtige Reilcrichaar überflog.; Er prüfte Alles, den Zustand der Waffen, die Ans- : rüstung von Mann und Pferd mit der Genauigkeit 1 des Pflichterfüllung heischenden Soldaten und war mit! Allen? zufrieden. > ״Die PalshS und EsterhasiS werden scheele Augen; niachen, wenn sic Dein glänzendes (befolge sehen," sagte der alte Graf :chnmnzelnd, ״und ich hoffe", fügte , er dann hinzu, den wahrhaft schönen und männlichen; Jüngling mit einem wohlgefälligen Blick messend, ״Dein! Ans treten auf dem Landtag wird nicht danach angclhan : sein, ihre scheelen Angen freundlicher blicken zu machen. Du hast ein verdammt schneidiges Maul, זוז ein Junge, wenigstens hast Du mir immer die Hölle heis; zu??lachen gewusst.?venu Du ans einer •׳Deiner Menschenfreundlichen Schrullen gegen mich loszogst. Mach'S nur auf dein Randlage auch so,!???d Du nmßt bald die Amerksamkeit des Kvnigs auf Dich gelenkt haben." ״Eben die Erfolglosigkeit, welche meinen Bemühlingen bei Dir zn Theil wurde," cntgeguete Eligen unittlithig, ״lassen mich von!?!einer Thätigkeil am Vaudtage wenig Ersprießliches voranssehen. Wie schwach muß die Kraft???einer Worte sein, wenn sie selbst über meinen Vater nichts nnmocht haben." ״Nimm einmal Vernunft a 11, Engen," snhr der Gras heftig auf. ..wie oft soll ich es Dir noch sagen, daß Du noch ein Grünschnabel bist, und so lange ich lebe. Du Dich um meine Angelegenheiten nicht zn kümmern hast. Wenn ich einmal in'S Gras gebissen habe, dann kannst Du das Regiment nach Deinem krummen und verdrehten Schädel cinrichtcn." Der heitere Schiiuiner. ivelchcr aus einige Momente das Gesicht Eugens erhellt hatte, war wieder vcrschlvuudcn, als er mißmnlhig in sein Gemach zurückkehrte. - Der Gedanke kam ihm, sich durch die Jagd, welcher er ungemein zngclhan war, der üblen Laune, die in ihm crivacht war, zu entledigen, und er schritt z??m Schreibtisch, an welchem seine Jagdflinte lehnte. Da siel sein Blick aus einen Briefumschlag, der auf dem Schreibtische lag und dessen Adresse auf seinen Namen lautete. Er wußte sich nicht zu erinnern, den Brief früher gesehen zu haben, und mit lebhafter Neugicrde erbrach cr das Siegel. In denr Couverte lag ein Stück Papier mit folgende?n Inhalt: ״Engen von Ormai! Wenn Dein Ruf nicht trügt, wenn in Deinen Adern wirkliches Edelnianitsblut rollt, wenn Dein Her; wirklich, wie man sagt, edel schlägt und die Leiden der Unglücklichen milempfindel, dann wirst Du heute nach Anbruch der Nacht in'S Thal hinnnterkontinen, wo Deiner bei der Eiche, in derm Nähe das Kreuz steht, eine Unglückliche harren wird, die ihre ganze Hoffnung auf Deinen Edelsinn baut. Komme gewiß, ritterlicher Jüngling, denn das Glück und Leben vieler Menschen hängt von Deinen? Kommen ab!" Eugen war über die Maßen erstaunt. Wie konnte dieser Brief unbemerkt in sein Schreibzimmer gelangen'? Wer ist die Lchreiberin? — Wenn es wirklich, wie das Schreiben besagt, eine Unglückliche und ihre Absicht eine ehrliche ist, warum braucht sic sich zu schänien oder zu fürchten, ihren Namen zu nennen'? Sollte cS vielleicht eine Vist sein, n?it welcher ihn ein Feind in einen verderblichen Hinterhalt locken will'? --- Er dachte lange nach, konnte aber, trotzdem cr sein Gedächtniß anstrengte, sich keines Feindes erinnern, der ihm nach dem Leben trachten sollte. Mit einer energischen Kopsbewegnng??rächte er allen Spekulationen ein Ende und beschloß, der Ansfordernng Folge zu leisten. Man soll nicht vergeblich an seinen Edelsinn apellirt haben. — Als die Nacht hereingebrochen war, ritt Engen auf seinem feurigsten Rosse, vorsichtig die Hand am Griff seines Schwertes, in's Thal hinab. Die Nacht war sternlos und wurde von einem heftigen Sturme dnrchbranst. Engen vcr-; mochte die Bäume in seiner Uingebnng nicht zu unter- - schcioeu, doch sein kluges Roß sah Heller als er und! wich klug einem jeden der mächtigen Eichenstämme ans.! Engen nahm die Richtung des ihm bezeichnetcn Baumes J und überließ im Uebrigen seinem Pferde selbst die! Wahl des Weges. Plötzlich wurde das Roß unruhig,! es schnaubte und bäumte sich in die Höhe. Engen strengte; seine Augen an, um die dichte Finsterniß zn durch- > dringen, und er geivahrte in der Entfernung einiger! Schritte ein Kren; und einen Baum, neben den! Baumj stamme aber stand eine Gruppe von drei Menschen: j zwei Frauen und ein Mann. Engen gab seinem?vider-! strebenden Pferde die Sporen und zwang cS, dicht! an den Baum heranzutreten. ״Wer von Euch," fragte! cr, sich im Sattel vorbeugend, ״ist die Schrciberin dcö ''S an mich,?vcr ist die Unglückliche, die meiner bedürftig ist'?" 1. Fortsetzung folgt?)