Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1886-12-30 · Heft 52 (30.12.1886) · p. 828

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 52 (30.12.1886)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1886-12-30
Page
828 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2932754-2933154-2933205--23867-2968338
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

828 erfüllt, sondern die segensreichsten Förderungen in die weitesten Kreise getragen. Die Ankläger werden angesichtö dieser Thatcn und Erfolge wicderlegt werden können, die Religion wird neue Diener gewinnen, der Staat wackere Bürger, mit Sinn für die Bearbeitnng des heimathlichen Bodens und Kraft und Geschick hierzu, und die herangebildetcn Jünglinge werden eine ehrenvollere und glücklichere, wohl auch eine religiös und sittlich gcläutertcre Lebensstellung sich bereiten können. Es ist also das Hanptbcstrcbcn des Vereins, nicht nur das Handwerk und den Gartenbau selbst zn fördern, sondern schon in der Volksschule den Sinn für diese menschliche Kulturarbeit zu wecken und zu Pflegen, die Geschicklichkeit und Befähigung hierzu ordnungsmäßig pädagogisch vorzubereiten und zu entwickeln. Der Verein hat hierbei sein Augenmerk darauf gerichtet, die ganze sittlich religiöse Natur der Kinder zu bilden, denen der Segen einer weisen häuslichen Erziehung im Eltern- Hanse nicht ausreichend zn TheiL wird. Diese Idee ist bis jetzt in dieser Gestalt noch gar nicht, oder doch nur sehr wenig als praktische Aufgabe der jüdischen Volksschule beachtet und gepflegt worden. Sie ist nicht von lokaler oder provinzialer, sondern von allgemeiner Bedeutung im weitesten Sinne. Gelingt cs, sie auch nur an einem Orte mit Erfolg durchzuführen, so wird damit das ganze jüdische Volksleben einen segensreichen Aufschwung erhalten und mit ihm auch die Bildung und Gesittung des Volks. Es ist also einer überaus bedeutungsvollcu Sache Bahn zu brechen. Darum wendet sich der Vorstand von Neuem an alle Freunde des Judenthuins, an alle Verehrer unserer Religion, an alle patriotisch gesinnten Herzen mit der Bitte, au diesem Kulturwerke der höchsten Bedeutung initzuarbeitcu und durch jährliche oder einmalige Beiträge die erfolgreiche Ausführung unseres Unternehmens zu fördern׳" # Hannover, 28. Dezember. Heute fand die feierliche Eröffnung der israelitischen Krcmkenstation und Alterversorgungsanstalt statt. DaS Bcdürfniß nach einem jüdischen Hospital und einem Asyl für altersschwache oder gebrechliche Israeliten ist schon seit laugen Jahren lebhaft empfunden worden. Es hat sich deshalb vor zwölf Jahren ans Anregung des unvergeßlichen Herrn Hirsch Oppenheimer נ״ע ein Verein gebildet, welcher zunächst einen Fonds für die Errichtung dieser Anstalten ausammcln sollte. Durch diese regelmäßigen Beiträge und einige umfangreichere Schenkungen ist mau nun in den Stand gesetzt worden, ein größeres Grundstück mit Baulichkeiten zu erwerben. Vor der Hand hat man nur das kleine HauS, für etwa 8 Betten eingerichtet, der Benutzung übergeben. In einer sehr gehaltvollen und entsprechenden längeren Rede legte bei der heutigen würdigen Erössuungsfeicr Herr Landrabbiuer vr. Gronemann die Geschichte und den Zweck der Anstalt dar, welche er dem ferneren allgemeinsten Wohlwollen empfahl. Und wahrlich, sie verdient das unausgesetzte liebevollste und thatkräftigstc Interesse im hohen Grade. Möge cS ihr nie daran fehlen und sic eine ausgedehnte scgensvolle Wirksamkeit zu entfalten befähigt werden. Warmen Dank und vollste Anerkennung gebührt den wackern Männern und Frauen, welche ihre Thätigkeit diesem edlen Werke bisher gewidmet haben und auch fernerhin widmen werden. 0. Berlin. Als Kuriosum nehmen Sie wohl rtitcf; von der folgenden Notiz des ״Bert. Tgbl." Kenntniß: Wie der ״Moniteur de Rome" meldet, hat die Riten- Kongregation in ihrer letzten Sitzung beschlossen, dm Stifter der Kongregationen ״Vom heiligen Geiste" und ״Vom heiligen Herzen", den jüdischen Konvertiten Liebermann. unter die Zahl der Seligen zu versetzen. W. München, 26. Dezember. Die ultramontanc Presse in Bayern ist, wie sic cS unablässig ihren geschätzten Lesern ins Gedüchtniß ruft, nicht allein für die weltliche Wohlfahrt des bayrischen Volkes, sondern auch für dessen hinrmlische Glückseligkeit zu sorgen bcstrebt. In ihrem heiligen Eifer für die gute Sache achtet sie — selbstverständlich unter den außerhalb ihrer Fahne Stehenden — kein Ansehen der Person, sie kennt keinen Standesuntcrschied und kanzelt, wenn cs uöthig ist, sowohl Herrn v. Krailshcim als auch den stillwirkenden Seelsorger irgend einer Landgemeinde gehörig ,ab. So hat sich in ihren Augen jüngst der katholische Pfarrer Krapp in Leimersheim gegen das Evangelium der Menschenliebe und Menscheneintracht eines schreienden Unrechtes schuldig gemacht, weit cr au der Bahre des im selben Orte verstorbenen israelitischen Lehrers Wolf eine den Heimgegangenen ehrende Grabrede hielt. ״Auch nicht übel," karaktcrisirt sie das Gebahrcn des Herrn Krapp. Ein katholischer Geistlicher die Leistungen und Verdienste, die Tugenden und Vorzüge eines Juden zu rühmen und dieselben zur Nachahmung auzuempschlcn, wahrhaftig — entschuldigen Sie, geehrter Herr Redakteur, diesen Volksausdruck — es ist zum Tollwerdcu. Wir würden dieses Umstandes keine Erwähnung thun. denn, um mit Richter zu sprechen, cs ist die Pflicht der Kritik, sich nicht mit Dingen zu beschäftigen, die unter ihrer Würde stehen, aber wir sind denn doch begierig zu wissen, welche Stellung diese Presse gegenüber dem Nürnberger Verein, der unter der Aegide des dortigen Bürgermeisters sich gebildet, mit der Aufgabe, jeden Pomp und Luxus bei Begräbnissen abzuschasfen und eine Vereinfachung der Lcichcnbestattnng hcrbeizuführcn, beobachten wird? Bekanntlich ist doch diese Einrichtung eine echt jüdische, die der Jndensürst Gamliel eingesührt und zum Gesetz erhoben, damit die ärmere Klasse, der die Mittet, einen Aufwand zu machen, nicht gestatten, nicht beschämt werde.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.