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Jeschurun · 1886-12-30 · Heft 52 (30.12.1886) · p. 827

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 52 (30.12.1886)
Article
Der Hauran
Date
1886-12-30
Page
827 (sequence 2)
Language
German
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827 Hausung in den Händen der Reiter zurückläßt. Diese armen Flüchtlinge werden dann noch von den Nomaden auSgcplündert und Erpressungen unterworfen und müssen denselben außerdem alljährlich eine Steuer, das sogen. Khorijch oder VruderschaftSgcld bezahlen, wenn sic nicht wollen, daß ihre Felder verwüstet, ihre Ernten geplündert, ihre Hccrden hinwcggctricben und ihre Karawanen ausgeraubt werden. Man begreift darnach, daß diese Völkerschaften nichts Dauerndes gründen, daß sie in gewissem Sinne ein halb nomadisches Leben führen, sich provisorisch in den Trümmern früherer Städte und Dörfer nicdcrlassen, aber nichts bauen oder pflanzen, was sic zurückhallen oder an den Boden fesseln könnte, den sic heute bebauen und morgen verlassen werden, um vor einem Unterdrücker oder einem händelsüchtigen Nachbar zu fliehen oder gar erst vor einer örtlichen Behörde, welche sic erbarmungslos auSplündcrt. Die Bevölkerung deS Haurün mag sich dermalen aunähernd auf eine Million belaufen, nämlich Muselmänner etwa 400,000, Drusen 20,000, im Hauräu niedergelassene Nomaden 200,000, nmhcrzichcnde Nomaden '350,000, katholische Christen 6000, schiSmatische Christen 40,000, neuerdings dort niedergelassene Tschcrkessen 15,000, MctanliS 700. Korrcspolldenzcu mid Nlichrichtcil. Derttschland. Hannover, 28. Dezember. Der vor Kurzem hier iuS Leben gerufene Verein zur Förderung des Gartenbau׳- und HandfcrtigkcitSnntcrricht in der jüdischen Volksschule tritt mit dem folgenden Aufrufe an die weitere Oeffeutlichkeit. Die von demselben angestrcbten Ziele verdienen die allgemeinste Förderung um so mehr, als der Verein grundsätzlich daran festhält, den Sinn für Handwerk und Laudbau Hand in Hand mit sorgsanier Pflege jüdisch-religiösen Bewußtseins zur Entsaltnng zu bringen. Der Ausruf lautet.״ ׳Im Mai 1885 konstiluirte sich ein Verein zur Förderung des Gartenbau- und HaudfcrtigkcitSuutcrrichtS in der jüdischen Volksschule lind wandte sich zunächst hier am Platze an wohlwollende Förderer der sozialen Ausbesserung der ärmeren jüdischen Bevölkerung und ihrer geistigen und sittlichen Bildung mit der dringenden Bitte, durch Zuwendung von Geldmitteln ein Unternehmen zu fördern, welches eine auf sittlicher und religiöser Grundlage beruhende Erziehung der Kinder ärmerer Klassen zu unterstützen sucht. Innerhalb des inzwischen verflossenen Jahres ist eine erfreuliche Förderung dieserhochbedcutnngSvollen Unternehmung cingetreten. ES sind einmalige Beitrage von über 50000 Mark und an jährlichen Beiträgen ca. 1000 Mark gezeichnet worden, ein Zeichen der hier im Orte vorhandenen lebhaften Sympathien für diese Sache. Der Vorstand benutzt diese Gelegenheit, um den edlen Spendern und Förderern zu danken. ES sind ferner Versuche angcstcllt worden, , in wie weit unter dcn vorhandenen Verhältnissen das Unternehmen auSgcführt werden kann, soweit eS die Einführung dcS Unterrichts in Gartenbau und Handfertigkeit anbctrifft. Die Versuche zeigten große Luft bei den Schülern, und die gefertigten Arbeiten waren sauber und nett. Die Ausführung war aber mit so vielen räumlichen Schwierigfeiten verbunden, daß dadurch weder den Arbeiten die genügende Zeit zngewendct werden konnte, noch der nöthige Erfolg erzielt wurde. ES sind deshalb vor allem bessere Räume unentbehrlich, und nur durch diese ist das Unternehmen zu sichern und sein Erfolg zu vermehren. Dazu sind aber bei weitem größere Mittel erforderlich, als bis jetzt dem Verein zu Gebote stehen. Diese Mittel müssen geschasst werden, denn daö Unternehmen selbst ist hochbedentnngSvotl und muß auf. alle wahren und aufrichtigen Freunde des JudcnthumS, auf alle Helfer der Armen rechnen können. Es ist bekannt, daß unsere heilige Religion das Handwerk und den Laudbau in der hervorragendsten Weise betont und wcrthschätzt. Es ist bekannt, daß die Ankläger der Juden und des JudcnthumS beiden den Vorwurf machen, daß ihnen der rechte Sinn für Handwerk und Landbau abgehe; cS ist ferner bekannt, welch bildenden Einfluß auf Hand und Herz, Geist und Gcmüth, Handwerk und Laudbau haben. ES ist aber auch bekannt, daß die ärmere jüdische Bevölkerung vielfach zum Hausierhandel greift, woraus ihr freilich nie ein Vorwurf gemacht werden darf, woraus sie aber zu erlösen alle Edeldeulcndcn verpflichtet sind. Wohl haben wir in Deutschland und außerhalb Deutschlands unter unseren Glaubensgenossen seit dem Beginn der neuen Aera Vereine zur Förderung des Handwerks, der Kunst und Wissenschaft: aber sie können nur wenigen und auch nur denen nützen, die die Schulen verlassen haben und, durch dcn Zufall geleitet, für daö eine oder andere Neigung in sich tragen. Den Sinn für Handwerk oder Laudbau schon in die Schuljugend cinzupslanzcu, ist die Aufgabe des Vereins. Gelingt cS, Schüler am hiesigen Seminar für diese Knlturthäligkcit zu begeistern, so werden sie als Lehrer den Sinn dafür in all die Schulen innerhalb und außerhalb Deutschlands tragen, an denen sie thätig sind. Gelingt es, die Schüler der UebuugSschnte für diese Arbeiten zu interessieren, gelingt cS gar, einer größeren Zahl ärmerer in ihrer Erziehung vernachlässigter Knaben ein veredelndes Heim zu schassen, daun werden dadurch nicht nur hohe und heilige religiöse Pflichten

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