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Jeschurun · 1886-12-30 · Heft 52 (30.12.1886) · p. 824

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 52 (30.12.1886)
Article
Die Thierschützer und die Juden
Date
1886-12-30
Page
824 (sequence 2)
Language
German
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824 Gerede nicht hinweg über die harten Forderungen des praktischen Lebens. Sehr richtig sagen die oft zitirten schweizer Sachverständigen ״für die Verallgemeinerung wirklich erprobier Fortschritte wird die berufliche Einsicht des MctzgcrstandcS mehr Lhun als das kritiklose Drangen Unberufener." Sie reden von dem engen Horizont der Thierschutzvereine und von ״überflüssiger Thätigkcit" derselben. Wir haben dieser Kritik der Professoren nichts mehr hinzuzufügcn. Für die nächst beiheiligten Kreise jedoch ist dieser ganze Lärm eine dringliche Mahnung, vorsichtig jede Grausamkeit beim Schächten und bei den Vorbereitungen dazu aufs Sorgfältigste zu vermeiden.*) Die Verordnung des Direktoriums anf dem ״Berlincr Schlachtviehhof", daß bei den nach dem jüdischen NitnS vorzunehmcndcn Thiertödtungcn die Fesselung des Thieres nicht früher stattfinden darf, als bis der Schächter zur Stelle ist, hat unseren vollsten Beifall. Die Thierschntzvereine sehen aus dieser und ahnlichcn Maßregeln, daß für den Thierschutz genügend von Männern,.der praktischen Erfahrung gesorgt wird; sie können daher um so eher mit ihrem unerbetenen Nathe zu Hause bleiben. O. Ullrich. Giflsaat. Bon Naphtalr S i m o u. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) ״Werft die Inden ins Feuer und laßt sie an ihrem eigenen Feuer braten!" ״Nur keine Dummheiten gemacht, Leute," mahnte der Lehrer Schmidt. ״Das Gericht wird schon die Sache erforschen nnd die Brandstifter nach Gebühr bestrafen. Ein Verdacht ist noch keine Gewißheit. Die Schulzen wird ihre Wahrnehmung erst eidlich zu bekünden haben. Ich kenne sie auch als eine rechtliche, fromme Frau, die keine Kirche versäumt." ״Herr Lehrer Schmidt sagt auch, daß die Inden den Tempel angcsteckt haben und dafür schwer büßen werden!!" ״DaS habe ich nicht geradezu gesagt," sprach dieser. ״Möglich, ja sogar wahrscheinlich ist cs allerdings. Daß hier eine Brandstiftung vorliegt, ist ganz klar. Christen aber haben selbst vor den Tempeln anderer Religionen eine heilige Achtung. Keinem Christen ist eine solche Schandthat zuzutrauen!" ״ ׳Der Herr Lehrer hat Recht! Judenhände haben das Verbrechen begangen!" ״Die Inden haben ihren Tempel angesteckt!" ״Die Schulzen hat eS gesehen!" *) Geschieht bereits unseres Wissens überall. . Ned. ״Der Lehrer Schmidt hat cs gesagt!" So schwirrten die Reden wirr durch einander. DaS Antangcn der Spritzen lenkte die Ausmerksamkeit der Menge von diesen Erwägungen für einen Augenblick ab. Sie begrüßte die Spritzen mit einem lauten Hurrah. In demselben Augenblicke zog sich Joseph von dem hintern Eingang der brennenden Synagoge zurück und schritt über den von ihm eingerissenen Bretterzann dem Hause zu. Er trug die Axt in der Hand. . Seine Kleidung war in Unordnung, sein Angesicht glühte, das Haar hing ihm wirr über der Stirn. Die kurze, aber anstrengende Arbeit und die Aufregung hatten ihn erschöpft. ״Da schleicht sich ein Mensch von der Brand-""' stattel" rief der Lehrer Schncidt. ״Seht ihn euch genau an, Leute, das könnte der Brandstifter sein." ״Das ist der junge Friedlich!" schrie Müller mit mächtiger Stimme. ״Er hat den Brand gelegt!" ״Faßt den Brandstifter!" ״Ins Feuer mit ihm!" ״Friedlich hat die Judenschul angezündet!" ״Auf die Juden!" ״Sic müssen alle in ihrem eigenen Feuer schmoren!" ״Ruhig, Leute! Besonnenheit!" sprach der Lehrer Schmidt. ״Daß der Jude Friedlich das Feuer gelegt hat, scheint wohl außer jedem Zweifel. Merke sich Jeder, was er mit eigenen Augen gesehen, damit über die scheußliche That gehörig Zeugniß ausgesagt werden kann und der Verbrecher der wohlverdienten Strafe nicht entgeht." ״Jawohl, jawohl! Wir wollen alle Zeugniß ablegen!" schrie eine Stimme. ״Wir -haben Alle gesehen, wie der Jude den Tempel angcsteckt hat!" ״Friedlich ist'snicht allein gewesen, alle Juden haben darum gewußt!" rief eine Andere. ״Das ist ganz gewiß," hieß cs im Kreise. ״Einer allein kann cS nicht gethan haben." ״Mutter Schulzen hat den alten Möses mit der Petrolenmkanne laufen sehen." ״Die ganze Judengescllschast ist eine Mordbrcnncrbande!" ״Die Juden haben die ganze Stadt in Brand setzen wollen!" ״Sie gehören Alle an den Galgen!" ״Sic müssen Alle ins Zuchthaus!" ״Schlagt sie Alle todt!"- Die Löschmannschaft drängte die gaffende Menge zurück und richtete die Schläuche auf die Brandstätte. Sie gewann aber bald die Ueberzeugnng, daß eö nicht möglich sei, die Synagoge zu retten. Es galt darum, eine Uebcrtragitng des Brandes auf die Nachbar- Häuser zu verhindern. Die Leute arbeiteten stundenlang mit angestrengtem Eifer. Man schlug den Dachstuhl ein nnd zertrümmerte die Mauern, um das Feuer unter dem Schutte zu ersticken. Die Synagoge war . zu einem rauchenden Trümmerhaufen geworden.

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