Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1886)
- Article
- Die Thierschützer und die Juden
- Date
- 1886-12-23
- Page
- 815 (sequence 2)
- Language
- German
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815 Juden׳, die sich über diese Schranken .hinweggesetzt haben, würden den Gewissenszwang, der gegen ihre orthodoxen Genossen auögeübt wird, schwer Mitempfinden. Es ist nicht denkbar, daß eine solche Maßregel, welche so viele Menschen aufs tiefste verletzt, ohne die dringendste Veranlassung sollte ergriffen werden. Schon jetzt hat diese Petition, die so viel Staub ausgewirbelt hat, die nicht ohne großes agitatorisches Geschick in Szene gesetzt worden ist, viele Gemüthcr beunruhigt. Mancher harmlose Israelit glaubt, jetzt werde ihm der Fleischkorb so hoch gehängt werden, daß er ihn gar nicht mehr werde erreichen können. Ist nun ein solches Verfahren nicht eine grausame Menschenquälerei und ist eS nicht eine bitterböse Ironie, sich für das Wohl der Ochsen zn begeistern und vielleicht eine halbe Million Menschen zu ängstigen? DaS einzige Gute Lei der Sache ist dies, daß kein ernster Mensch in Deutschland glaubt, diese Petition werde zu einem Akte der Gesetzgebung führen, welcher den Wünschen der Petenten entspricht. Ja, wir gestatten uns sogar einen bescheidenen Zweifel, ob die Herren Bittsteller selbst einen Erfolg ihrer Anträge abwarten oder auch nur wollen. Sicherlich sind einige darunter, denen überhaupt jede Gelegenheit willkommen ist, die Juden ein wenig zu ärgern und die cS, da cS auf anderem Wege nicht gelingt, ans diesem Wege versuchen, die Inden aus dem Lande hinanSzugraulen. Sehr Biele aber wollen einfach nur den Spektakel, um den Thierschutzvcrcincn ein Ansehen vor den Leuten zu geben. Die Bittsteller haben aber nicht nur die Juden gegen sich, sondern ebenso sehr alle Männer der Wissenschast, sowie auch alle praktischen Flcifchermeister. Die Thierschützlcr in der Schweiz behaupten freilich in einer Eingabe an die dortige Regierung, die auf dasselbe Ziel wie die deutsche Thierschutzbewegung zustcucrt, daß unter den Vertretern der Wisscuschaft keine Einigkeit bestehe über die Frage, ob das Schachten qualvoller sei als die anderen Schlachttnechodcu; aber mit gutem Humor ist ihnen von zwei Professoren der Thierarzneischule in Bern entgegengehalten worden, daß diese Uneinigkeit nur eine scheinbare sei; denn die Gutachten gegen das Schächten rühren von Leuten her, die Keiner kennt, die zum Abgeben eines Gutachtens gar nicht berechtigt sind, dagegen haben Männer wie Virchow, Fick, Chauveau, Zangger, also Autoritäten des In- und des Auslandes, die Ansicht vertreten, daß das Schächten nur scheinbar, aber in Wirklichkeit keine Quälerei sei. Sehr sein entwickelt der berühmte Gelehrte, Geheimrath Professor Dubois in Berlin, daß die Zuckungen des verblutenden ThiereS, welche dem Laien wie verzweifelte Aeußcrungcn von Angst und Schmerz crscheinen, vermuthlich gerade das Zeichen des geschwundenen Bewußtseins sind. Sie haben ganz den Charakter der Zuckungen bei Epileptischen, die bekanntlich ganz bewußttoS sind. Durch den Schnitt mit einem haarscharfen Messer, der nach jüdischem NituS nur vou kundiger und geübter Hand auSgeführt werden kann, fließt das Blut in wenigen Sekunden aus dem Gehirn, und dadurch verlicrt das Thier die Fähigkeit den Schmerz zu empfinden. Daß der Anblick eines sterbenden ThiereS peinlich ist, kann Keiner leugnen, darum werden mit Recht, wie eö in jenem Schweizer Gutachten heißt, in einem gut geordneten Gemeindewcscn müßige Zuschauer von Schlachthäusern ferngehaltcn. Aber das Wichtigste bleibt: Ist die Schlachtmethüde geeignet, die Schönheit und Haltbarkeit des Fleisches zu fördern oder zu schädigen, und sodann wird jede unnöthige Grausamkeit vermieden? Diese beiden Fragen müssen zu Gunsten des ״SchächtenS" bean.wortet werden. Denn durch das rasche Verbluten wird das Thier gegen Fäulniß länger geschützt und behält daher auch länger eine schöne und hellere Farbe. (Schluß folgt). Inserate werden die Zspalüge PiritzrUe oder deren Raum mit 25 Pfg. berechnet. Für den Inhalt derselben übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung. Insertion«- und AbonucmcrUS.Anuchme für Frankfurt a. M. auch bei Herrn I. Kaufsmann daselbst, ohne Preiserhöhung. Mjei Adolf Gohn, Berlin W., Lubow-. straße 74 (in Frankfurt a. M. bei I. Kanffmann), erschien Nebckka Wolf, gcb. Hcinctrrarrn, Kochbuch für ist. Rallen. achte sehr vermehrte n. verbesserte Ärrsi. Preis elvst. geb. M. 3,80. Praktisch,ökonomisch u.sehrempsehlenSwLrth. mW zu.Sayn (joahnstation) bei Coblen? a. 'öljjr. Seit 1869 bestehend. Aufs Komfortabelste eingerichtet. Ausnahme zn jeder Zeit bei mäßiger Pension. — Für geistig zurückgebliebene Kinder besondere Abtheilung. Prospekte und nähere Auskunft durch die Unterzeichneten. M. Jaeoby. Dr. Behrendt. Dr. KssenLhal.