Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1886)
- Article
- Amerika : New York [Nachricht]
- Date
- 1886-12-23
- Page
- 814 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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r _814 soll mir nicht gar zu böse sein. ES könnte ja immerhin möglich sein. Inzwischen aber erwirbt sich der Nabbiner Isaak Wise, Direktor des Nabbinerseminars in Cincinnati, neue Verdienste um die amerikanische Juden heit. Er ist auf den grandiosen Einfall gekommen, in seinem ״American Israelite" allwöchentlich Rezepte für den MittagStisch dem israelitischen Amerika zum Besten zu geben und zwar in sehr umständlicher, eingehender Weise, damit man auch genau die angepriesene« Gerichte Herrichten kann. Das ist doch wahrlich sehr lobenSwerth und verdient Nachahmung. Er Lischt dem israelitischen Publikum akr ganz besondere Delikatessc!^ auf, der wackere, nicht nur um die Seele, sondern auch um den Leib besorgte Nabbi-Redakreur. Da kann man noch etwas lernen! Am 19. November empfiehlt und beschreibt er unter Andern, wie man am besten die Auster für die Tafel verwenden kann als Stewed Oyster, Fried Oystcr, Escaloped Oyster, Oystcr PancakeS. Am 26. Novcmbcr bringt er unter Andern Rezepte von Puter in Butter gebraten und mit Austern garnirt u. dergl. m. Ich will mich deshalb gern berichtigen und sagen, daß Herr Wise nicht nur zu einem Pastor in der Kirche, sondern auch als Koch von nach bem jüdischen NcligionSgelctze vcrpönten Speisen sich metamorphosircn kann. Geht cö i nicht mehr in dem schwarzen Ornate,. dann vielleicht; in der weißen Schürze! Australien. * Dem ״Jewish Herald" entnehmen wir ans einer Verhandlung der israelitischen Gemeindeversammlung zu Brisbane, daß in derselben betont wurde, wer das Amt eines Vorstehers in der Gemeinde bekleidc, müsse den Sabbath durch Schließung des Geschäfts heilig halten. Es scheint zu sein, daß in Brisbane nicht allzn viele Geschäfte am Sabbath geschlossen sind. Jedenfalls ist die hier ausgesprochene Ansicht ein erfreuliches Zeichen wieder auflebcnden iüdischen Bewußtseins bei unfern Brüdern in diesem entfernten Lande. — Es war auch früher in der VriSbaner Gemeinde der Beschluß gefaßt worden, daß der Geistliche nicht bei Eingehung von Mischehen ajsistiren dürfe. Außerdem beginnt man daselbst die Bedeutung der religiösen Jngcndunterweisung einzusehen und will ernstlich für die Hebung derselben sorgen- — In Sidneh hat man beschlossen, für die 'Folge eine größere Gemeinde-Sucka zu erbauen, da die bisherige sich zu klein erwies. Andererseits scheint dort die Feier des zweiten Festtages sehr vernachlässigt zu werden. ES wird geklagt, daß der Synagogcnbesuch an demselben nur ein sehr geringer war. Die WrsWcr mib die Inden. (Aus der Allgemeinen Flnscherzeitnng Nr. 51.)*) Die Thicrschntzvereinc rücken in mächtigen Kolonnen heran, um mit Hülfe des Reichstags die jüdischen Schlachthäuser zu stürmen und den armen Schächtern ihr scharfes Schächtcrmcsscr zu entreißen. ״Der Mensch will mm einmal ein klein wenig Abwechselung haben," das ist die Parole auch der Thierschutzvcreiuc, die gern etwas Lärm schlagen, von sich reden machen möchten, um über ihre beinahe völlige Zwecklosigkeit das Publinm hinweg zu täuschen. Dic Thicrschützler lieben cs zuweilen, Preiscmfgabcn zu stellen, etwa in dem Sinne, wie man wohl eine Henne schlachten könne, ohne das sic blutet. Wir würden Liesen Vereinen rathen, eine für sic hochwichtige und wirklich nicht leicht zu lösende Preisfrage zu stellen, welche dahin geht, wozu diese Vereine überhaupt gut sind. Wir Deutschen lieben bekanntlich die VercinSspiclerci; cs gicbt nicht viele Deutsche, welche nicht irgend in einer Verbindung Präsidenten oder Schriftführer sind und darauf vor Muttern weidlich stolz thun. So lange die Thierschutzvcrcinc solchen harmlosen Spielercicn dienen und allenfalls einem armen Polizisten noch einige Mark extra zuweuven ״wegen seiner besonderen Verdienste um den Thier schütz", so lange kann man sich den Spaß gefallen lassen; aber wenn diese Herren anö Mangel an besserer Beschäftigung ihre Mitbürger zu quälen beginnen, dann ist cö Zeit, ihnen ernstlich ein Hall zuzurufcu. Die Petition der Thurschützler verlangt, daß dem ״Schächten" des ThiercS eine Betäubung desselben vorangchcn soll. Stellen sich nur die Herren bloS so dumm oder sind sie cs wirklich? Es ist in Deutschland sehr leicht, durch eine Nachfrage bei einem beliebigen jüdischen Kultusbeamten zu erfahren, daß eine solche Bestimmung gegen das jüdische NeligionSgcsctz verstößt. Wir geben'zu, daß Zchntauscnde von Inden in unserem Vaterlande leben, die sich um dieses NcligionSgesetz nicht kümmern und sich in dieser Beziehung ganz den christlichcn Landcsgcnosscn angcschlosscn haben. Aber gewiß gicbt cs ebenso Hunderttcmscnde von Juden, die an diesen alten Ucücrliefcruugen unverbrüchlich fcsthaltcn. Auch in ganz kleinen jüdischen Gemeinden, die vielleicht nur aus zehn bis zwölf Familien bestehen, wird trotz der großen Kosten ein Schächter eugagirt. _ Wir sehen sonach, eS ist diesen Leuten mit dem Schächten vollkommen ernst, und selbst die aufgeklärten *) Wir bringen bicfcn Aufsatz als eilt bcachteuSwerthkS Volum über die ״Sch«chlstage" von gewiß urtheilsfähiger christ׳ licher Seite.