Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1886)
- Article
- Rußland : Petersburg [Nachricht]
- Date
- 1886-12-23
- Page
- 813 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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813 aufrecht ya erhalten. Man hat den beschränkten Leuten eingeredet, die Juden hätten die Absicht, sie zu unterdrücken und deshalb müßte» sie zum Selbstschutz diescben austreiben! Warschau, 17. Dezember. Bei der gegenwärtigcn NekrnienauShebuug hat es sich hcranSgestcllt, daß von den jüdischen Gestellungspflichtigen nur ein sehr geringer Bruchthcil hier und dort entblicben ist, während der Ausfall der Militärpflichtigen im Allgemeinen an den MusternngSplätzen nicht unerheblich ist. Der geringe Bruchthcil der fthlcnden jüdischen Nckrntcn läßt sich übrigens sehr oft auf die Mangel- Haft ausgestellten Listen zurücklcitcn, in welchen die SLcrbcfällc häufig gar nicht eingetragen sind. Fehlt unter den Inden ein solcher in den Listen als lebendig figurirender längst Verstorbener, so muß die ganze Gemeinde dafür aufkommcn, und cS wird ein anderer Jude dafür eingestellt. — Der hier erscheinenden hebräischen Zcitschrist ״Hazefirah" wird von einem sehr bezeichnenden Vorfall ans km Kownoer Gouvernement berichtet. In dem betreffenden AuShebnngstcrminc fehlte an den! jüdischen Kontingente kein einziger, dagegen aber im Allgemeinen recht viele Pflichtige. Der die Aushebung leitende hohe Beamte richtete nach Erledigung dcö Termins ungefähr folgende Ansprache an die Leute: Man sagt zwar immer, die Juden entzögen sich der StcllnngSpflicht durch Auswanderung, aber cs fehlt hier kein einziger Jude, wahrend von euch Christen fast die Hälfte flüchtig ist. Nun schaut, wenn auch wirklich hier oder dort ein jüdischer Pflichtiger nach Amerika flüchtet, so thut er das, wie ihr Alle wisset, ans Noth, weil cs ihnen hier sehr schlecht geht. Ihr aber, euch fehlt hier gar nichts, eure Kameraden haben sich aus Uebermuth dem Dienst des Kaisers entzogen! -Rach der ״Gaz. Warst" sollen für die Folge jüdische Uebernehmcr von Armectiefernngen ansgeschlossen bleiben. ...z׳. Warschau, 19. Dezember. Die Zeitungen melden, daß der Nothstand 6nS allen Thcilcn des Reichs die Juden zu unaushaltsamer Auswanderung zwingt. Agenten amerikanischer Dampfcrlinien sind sehr thütig und haben den Preis der Uebcrsahrt von Hamburg auf den Preis von 20 Rubeln für jüdische Auswanderer nach Amerika ermäßigt. Die Nachricht von den Schwierigkeiten der Landung in Amerika macht kann: einen Eindruck. Wer nur etwa 70 Rubel zusammenbringen kann, entschließt sich zur Auswanderung. ׳££ Kiew, Dezember. Wie Thatsachcn entstellt werden, um gegen Juden Beschuldigungen zu erheben, davon kiir kleines Beispiel. In der Nähe von Mohitc-w hat ein Stenerbcamtcr einem jüdischen Krugwirthe, welchem er die Lizenz abfordcrn wollte, zur kurzen Hand ein Messer in den Leib gerannt, daß an dessen Auskommen gczweifclt wird. Der antisemitische ״Kjublianin" fabriziert hieraus nun folgende abentcnerliche Fabel. Dieser Stcucrbcamte sei zuerst im Hause des jüdischen KrügcrS gewesen und dort furchtbar mißhandelt worden. Er habe hiervon aber keine Anzeige gemacht, sondern sich nur Hülfe jur Vornähme der Lizmznntcrsuchung daraus mitgenommen. Als er aber des Juden ansichtig geworden, der ihn vorhin so furchtbar mißhandelt, habe der Zorn ihn übcrmannt und ihm das Messer in die Hand gedrängt. ü Kaluga. Die .,Now. Wrcnye" läßt sich telegraphisch melden, daß ain 7. Dezember der Polizei- Meister sammtlichcn Juden in Kalnga die Weisung hat zukommen lassen, binnen 24 Stunden die Stadt zu räumen. Rumänien. ... y. Bukarest, 10. Dezember. Die Ausweisung und ElMnirnng der Inden nehmen ihren ungestörten Fortgang. Ans Votoschaui wird gemeldet, daß ein dortiger geachteter Mann, Herr A. I. MoSkowit, welcher ein Bankgeschäft betreibt, die AuSweisnngSordre erhalten hat, obgleich er ein ciugeborcucr Rumäne ist. ES gelang seinen persönlichen Vorstellungen bei dem Minister die Rücknahme der Ordre zu erwirken. Zwei seiner Leidensgefährten jedoch, die Herren Speier und Labin-, ebenfalls Eingeborene, waren nicht so glücklich und mußten unverzüglich das Land verlassen. — Die Purisizirnug der Dörfer von den jüdischen Elementen wird mit schonungsloser Strenge durchgcführt. Ohne Rücksicht ans das namenlose Elend der Männer, Frauen und Kinder treibt man Familien von der Stätte, die ihre Wiege trug, der Verzweiflung in die Arme. Unter Kanibalen kann man nicht ärger gegen Menschen versahren! Amerika. It. Newyork. Herr Wise in Cincinnati hat eö mir gewaltig übetgenounnen, daß ich anöseiner Sympathie mit dem ehrenfesten Herrn Sonnenschein in St. LoniS.und der Hoffnung, welche er an dessen Bildung einer die alte Nesoringemeinde noch übertrumpfenden neuen Nesoringemeinde für das Judenthttm hegte, die Möglichkeit folgerte, daß auch Herr Wise vielleicht einmal die Welt mit einer neuen Metamorphose überraschen und eines schönen TageS als Pastor irgend einer Kirche erscheinen könnte. Er hat freilich feinen Aergcr an Ihnen, geehrter Herr Redakteur, ausgelassen, und zwar in einer Weise, die nur ihm möglich ist. (Dergleichen Verunglimpfungen treten wir nicht entgegen. Wir erachten solches unter unserer Würde. Wir unterdrücken deshalb auch einen Thcil dieser Korrespondenz. Die Red.) — Nun, Herr Wise