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Jeschurun · 1886-12-16 · Heft 50 (16.12.1886) · p. 799

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 50 (16.12.1886)
Article
Rußland : Warschau [Nachricht]
Date
1886-12-16
Page
799 (sequence 2)
Language
German
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799 die Armen ihre Heimath, den Ort, wo ihre Wiege stand, ihr Vesitzthum, an das sich so manche thenre Erinnerung knüpft, ihre liebenden Väter, Mütter, Geschwister, Freunde, um unstät und flüchtig umher UN irren, über ferne Meere zu fernen Ländern, eine Zuflucht zu suchen in Gegenden, die ihnen bis jetzt fremd gewesen? Nur eine einzige Antwort hat der Unglückliche auf diese Frage, die ihn das Herz brechen will. Ein schriller Pfiff der Lokomotive ertönt, der Zug setzt sich in Bewegung, die Zurückblcibcnden schauen den aus den Waggon fenstern schauenden Lieben nach, bis der Zug ihren Blicken entschwunden. — Die Emigranten kommen in fremdes Land, zu fremden Leuten, unter fremde LcbenSocrhältnisfe — wer kann da ihr LooS im Voraus bestimmen? Warschau, 7. Dezember. Die hiesigen und in hiesiger Umgegend wohnenden Karäcr sind augenblicklich eifrigst bemüht, die Erlaubnis; zur Er- Werbung eines eigenen Friedhofes in Warschau zu erlangen. Bis jetzt waren sie genöthigt ihre Leichen nach Wilna, woselbst ein karaitischer Bcgrnbnißplatz cristirt, zu überführen. — Die Zahl der ordentlichen Hörer an hiesiger Universität beträgt 1119, darunter befinden sich 156 Israeliten. Kiew, Anfang Dezember. Ich habe Ihnen bereit" von einer Verfügung gemeldet, wonach die jüdischen Kanfleute hiesiger Stadt sich nur einen einzigen Gchülfen halten dürfen. Große, Panik herrscht darob in allen jüdischen Kreisen. Man befürchtet vor einer MasscnauSweisung der Inden zu stchcn, und diese Furcht scheint leider um so begründeter, als man von einer Verfügung Kunde erhalten hat, wornach den jüdischen Kauslcnteii das Wohnen in der oberen Stadt untersagt werden soll. Die angesehenen jüdischen Kauf- (cutc, welche durch letztere Maßregel besonders hart getroffen würden, haben sich dahin vereinigt, aus ihrer Mitte eine Deputation an die Behörde zu entsenden, um zu erwirken, daß der Erlaß deö früheren Gouverneurs vom Jahre 1891, wonach den Juden, welche bereits vor dem Jahre 1681 in den Städten dcS Inneren Rußlands gewohnt haben, auch der weitere Aufenthalt gestattet sein solle, zu Recht bestehe. Ob das Gesuch von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt abzuwartcn. Alles blickt voll banger Erwartung der Jahreswende entgegeit, da sich am 1. Januar dcS neuen Jahres die Sache wohl definitiv entscheiden wird. Daß unter solchen Umständen in jüdischen Kreisen Handel und Wandel kläglich darnicdcrliegt, ist selbstverständlich/ Kiew, 1. Dezember. Eine Angabe von HanSbesitzern des Stadtviertels PloSkoi ist vorstellig geworden, doch mit den Ausweisungen der Inden zu warten bis von der ״Kommission" die Judcnfrage entgültig entschieden sei. Die Zeitung ״Saria" weist nun darauf hin, daß sich dieser Petition auch die Hausbesitzer dcS StadttheilS Podol anschlicßcn sollen. Dieselben haben nämlich fast nur Inden zu Miethern und würden demgemäß, wenn die Ausweisungen vollzogen werden, in eine große Kalamität kommen. Es ist indcß sehr zweifelhaft, ob dem Gesuche entsprochen werden wird. Rumänien. . -n- Jassy, im November. Bei der jüngst stattgehabten Ausstellung für Industrie und Landwirthschast bctheiligtcn sich auch eine sehr große Zahl unserer Glaubensgenossen. Biete derselben wurden von der Jury prämiirt. Daß sämmtliche der Prämiirtcn die Auszeichnung verdient haben, braucht in einem Lande, wie Rumänien, wo man uns gerade nicht sehr hold gesinnt ist, nicht versichert zu werden. Möchten aber doch unsere gesetzgebenden Körperschaften von solchcn Ereignissen einsehcn lernen, ein wie wichtiger Faktor für die cinheilnische Industrie und damit für die Wohlfahrt und das Aufblühen dcS Landes das jüdische Element ist! Aber לא ידעו ולא יבינו. Inserate werden die :Ispallige Pctitzcile oder deren SRaiuii mit 25 Pfg. berechnet. '®-sy JnscrtionL- und Abonncmcntö-Annahmc für Frankfurt a. M. auch bei Herrn I. Für den Inhalt derselben übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung. Kaufsmann daselbst, ohne Preiserhöhung. Ciir Nerven- 111111 öemiitlislci^nlce zu Saijn (fialju|kti01t) bei Coblenx a. lllj. Seit 1869 beste Heud. Aufs Komfortabelste eingerichtet. Aufnahme zu jeder Zeit bei mäßiger Pension. — Für geistig zuriickgebliebene Kinder besondere Abthcitung. Prospekte und nähere Auskunft durch die Unterzeichneten. M. Jacoby. Dr. Behrendt. Dr. NosenLhnl. < Q*ci Adolf (Lohn, Berlin IV., Lützow- 1 O strasie 74, erschien | Rebekka Wolf, geb. Hcmemaniij Kochbuch für ist׳. Froueu. j achte sehr vermehrte u. vcrbeffertc Ans!׳! Preis eleg. gcb. M. .'!,80.! Praktisch,ökonomisch n.sehrempsehleuSwerth.

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