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Jeschurun · 1886-12-16 · Heft 50 (16.12.1886) · p. 797

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 50 (16.12.1886)
Article
Österreich-Ungarn : aus Galizien [Nachricht]
Date
1886-12-16
Page
797 (sequence 2)
Language
German
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797 in Lemberg tagen wird, um über die Schritte zur Nbwehr dieser drohenden Gefahr Nath zu pflegen. Wenn cs einem Geringen gestattet ist, seine Meinung vor Großen zu äußern — bei der Abgabe eines Votums beginnen ja die jüngeren Beisitzer, und wo es sich um Heiliges und Bedeutendes handelt, darf man die sonst dem Großen schuldige Ehrfurcht bei Seite setzen -- so möchte ich das Folgende rathen: 1) Man beschließe, in den jüdischen Schulen eine gute Unterweisung in den uothwcndigen allgemeinen bürgerlichen Kenntnissen einzuführcn und stelle hierfür die tüchtigsten Lehrkräfte an. 2) Man sorge auch dafür, daß unsere jungen Talmudbeslissenen, welche dereinst au der Spitze der Gemeinden als Rabbiner wirken werden, in den höheren Wissenschaften der allgemeinen Kenntnisse bewandert sind. 3) Man protestire laut gegen jeglichen Versuch, welcher der individuellen Gewissensfreiheit Fesseln anlegen und den Vorständen ein Eingreifen in Privat- Handlungen cinräumcn will. 4) Man prolcstirc laut gegen jeglichen Versuch, durch welchen die Gemeinden Israels ihrer Freiheit beraubt und einer hierarchischen Gewalt tiutcrstcllt werden sollen, welche in Israel nnerhört ist. 5) Man wirke demnach bei den hohen Be- Hörden dahin, daß der Plan der Ncforincr nicht znm Gesetze erhoben werde, erkläre sich aber zugleich bereit, daS oben unter 1) und 2) Besagte redlich selbst zur Ausführung zu bringen. — Gott sei mit dem Nath der Frommen, die Absicht der Abtrünnigen aber vereitle er! 8. P. Zltts Ungarn, Dezember. Es beginnt endlich zu dämmern in . den Reihen der ungarischen Nabbincn.. Es scheint, daß das blinde Vertrauen in die Durchführungs-Kommission ins Wanken gcrathen ist lind die ungarischen Nabbincn endlich zum Sclbstbewußtscin, zilr Erkcimtniß ihrer Kompetenz und ihrer Pflichten erwacht sind. Thatsachcn lassen sich nicht mit Hypothesen wegdcmonstrircn, und deren Konsequenzen werden nicht altcrirt durch die in die Zukunft gesetzte Hoffnung, durch den Verweis auf höhere und höchste Instanzen, mit welchen! an leitender Stelle so gerne hantirt wird. DaS erste Pflanzlein, daS diese Emanzipirung der ungarischen Nabbincn von den eisigen Umarmungen der Durchfnhrungs-Kominifsion gezeitigt, ist die vom 5. Dezember l. I. datirte und von 43 ungarischen Rabbiner! unterschriebene Eingabe au das Kultus- und Unterrichts-Ministerium gegen den Erlaß desselben, laut welchem nur die Nabbiucrsöhne und Nabbinats-Kandidatcn vom Schreiben und Zeichnen an Sonnabenden und Feiertagen in. den Mittelschulen zu dispcnsircn sind. Wir lassen hier nach ״Egyenlöscg" anö den! Wortlaut der Eingabe den Schluß in getreuer Uebersctzung folgen: ״Nachdem die Gebote unserer heiligen Religion keinen Unterschied machen zwischen dem Rabbiner und dem Laien, und Geistliche wie Profane zur Beobachtung der gleichen Geboten und Regel verpflichtet sind, daher was dem Geistlichen verboten, nicht minder jedem Mitglicdc unserer Religion verboten ist, und nachdem. das Schreiben am Sonnabend laut unseren heiligen Gesetzen uns allen — ohne Ausnahme — strenge verboten ist — endlich in Anbetracht, daß laut bcm erwähnten Erlasse Ew. Exellenz ausnahmsweise nur Rabbiners-Söhne und Solche, die. sich zu Rabbinern qnalisizircn wollen, von! Schreiben und Zeichnen an! Sonnabend befreit sind, wenden sich die unterzcichncten 43 vaterländischen Nabbiuen mit der ergebensten Bitte an Ew. Excllenz: Möge E!v. Excllenz geruhen, dieses keinen Unterschied kennende Gebot unseres heiligen Gesetzes in Betracht zu ziehen und die israelitischen Schüler an der Mittelschnle ohne- Ansuahine vom Schreiben und Zeichnen am Sonnabend zu dispcnsircn." Das Schreiben ist voit Herrn Ahron. Büch!er in Iaszbereny als Vcvollmächtigtcir der 43 Rabbiner unterzeichnet. DaS ist freilich nur eilt schüchternes Erstlingswerk, schüchtern, denn cs will uns bedünken, daß sich die Herren znsammcngcthan, um energisch Einspruch zu thnn gegen die Ministerialvcrsngnng, zn einer solchen Energie aber sich nicht aufznraffen vcrnrochlen. Immerhin aber besser als die bekannte Eingabe der Durchführuugs-Kontmissiou, welche gegen den Erlaß den seltsamen Eiuwand erhob, cs sei nicht gestattet, sich von vornherein für die Rabbiner- Laufbahn zu bestimmen. Der magere Inhalt der Eingabe ber Herren Rabbiner muß übrigens sehr befremden, noch dazu gegen einen Erlaß, der dem Minister so auS Herz gewachsen ist. Wie vieles wäre noch zn entkräften und zn begründen gewesen! Außerdem muß die geringe Zahl der Unterschriften ausfallcn. Wir vermissen hier die leitenden Kreise der Orthodoxie und manche Andere. Würden ein halbes Tausend Unterschnstcn nicht mehr imponircn? Wäre nicht zweckentsprechender, wenn, sagen wir, ein halbes Hundert hervorragender Nabbincn beim Minister persönlich vorsprechen würde? Nichtsdestoweniger wünschen wir der Eingabe von ganzem Herzen den allerbesten Erfolg. Ich lasse hier die Namen der unterschriebenen Nabbincn folgen: Adler-Vaja, Baum VöröSvar, Bnchler-Pasztö, Büchlcr-M6or, Vüchlcr-3rsa, Deutsch-S. Torjüil, Fischcr-Devavünya, Fleischmann-Zsrimbök, Fried-Böszörnwny, Friedmann-K. Nyircgyhüza, Friedmann-Galautha, Großmann - Ipolysüg, Grünwald - Mohär-, IungreiSz-Cöcnger, Ir'mgrciSz-Fehörgyarmat, I)r. Klein- Szigctvür, Klcin-Zcntn, Kohn B. Csaba, König-Zsotcza, Kntna-Thercsiopel, Leitncr-Marosvüsarhcly, Liebcrmann- Kaschau, Lichtenstein-N. KrUa, Mütlcr-Szöcsöny, Perlcs- G.-Karoly, Plaut-Surüny, 1)!-. Pisko-Malaezka, Dr. Raus bürg-Naab, 9ccichensetd-3:inoshüza, Ncichhardt- Kolta, Schön-Soroljür, Schuck-Karczag, Schreiber-

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