Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1886-12-16
- Page
- 796 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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796 Herr Titus Degen, dem Verein ein Geschenk von hundert Gulden überwiesen hat. ש Ans Galizien, im KiSlcw. Was soll ich Ihnen über unsere Zustände berichten? Es giebt wenig Erfreuliches; wer aber möchte gern von Traurigem erzahlen? Und ich schwanke, ob es besser, zu sprechen oder zu schweigen. Beides ist hart, und wenn unsere Weisen, gesegneten Andenkens, nicht gelehrt hätten, daß man das Leid, dessen man allein nicht Herr werden könne, Andern mitthcilcn solle, auf daß durch die thätige Hülfe, oder auch durch Gebet, Nath und Trost die Last erleichtert werde, wahrlich, ich hätte geschwiegen. WaS uns drückt und beängstigt, kann von dem Einzclncn nicht gehoben werden, ja, auch des Einzelnen Einsicht reicht nicht aus, das Ganze zu übersehen und den rechten Rath zu geben. Aber cs sott der Einzelne auch nicht zurückhaltcn mit seiner That und mit seinem Nath. Zwei halbe Schekalim machen einen ganzen, und Niemand ist so dumm, daß er nicht in einer Sache, welche ihm sehr theucr ist, einen guten Gedanken hegen könnte. Wahrlich, man müßte den göttlichcn Ursprung der Seele leugnen, wollte man solches verneinen! — ES ist aller Welt bekannt, daß auch in unser» l Lande viele unserer Brüder in die Irre gegange» sind und sprechen: das Erbthcil unserer Väter hat seinen Werth verloren. Es ist ein Gut, welches dem Besitzer nicht nur keinen Nutzen bringt, sondern ihm Schaden bereitet. Wer darum' weise ist, der werfe von dem Erbe alles Dasjenige zur Seite, dessen Hut ihm zu beschwerlich fällt und ihn hindert, die Bahn zu verfolgen, welche zu Ehre und Wohlstand führt. Die akso sprechen, sind Feinde des Iudenthums, theils aus Unkenntnis desselben, da sic cS niemals recht ge-׳ lernt und begriffen haben, theils aber auch aus Mnthwillen und von der bösen Absicht erfüllt, das Volk zur Sünde zu verfuhren. Sie juib Schüler des Sohnes Nebat, der das Gesetz Gottes fälschte, dem Volke das Hciligthum aus dem Zionsberge verächtlich machte und Schergen bestellte, die eö von dem Betreten des Weges zurückscheuchcn. sollten, der zu der von Gott geheiligten Stätte hiuleitct. Diese שוגכים und מזידים wirken aber gemeinsam, sie.sind mächtig und angesehen; und waS sie planen, bedeutet die Vernichtung des JudenthumS. Darum haben die Gesetzes treuen, die יראים unb שלמים wohl alle Ursache, auf der Warte zu stehen und allen Nathjchlägen und Maßnahmen dieser irregegangenen und in die Irre führenden Brüder' ein berechtigtes Mißtrauen cntgegenzubringen. Denn cs sicht Manches heilsam und gut aus, birgt aber das Gist und das Ucbcl in sich. ES können Zwei das Gleiche thun, des Einen Absicht aber ist das Heil und das Gute, während des Andern Absicht das Unglück und das Böse. So wird das Werk des Einen znm Segen, des Andern That aber zum Fluch. Deshalb haben die gotteSsürchtigen und wahrhaft fronimcn Männer sehr Recht, daß sie auch das cuschcincmd Nützliche nicht von der Hand der Abtrünnigen empfangen, keinesfalls aber sich von diesen leiten lassen wollen. Unser Land ist arm und der größte Thckl unserer Brüder lebt in Dürftigkeit und Noth. Es läßt sich auch nicht in Abrede nehmen, daß ihnen viele Wege zur Hebung ihrer materiellen Verhältnisse verschlossen sind, well sie nicht diejenigen Kenntnisse sich ancignen, welche ihnen neue Bahnen des Erwerbes erschließen. Wie gut wäre eS deshalb, wenn die großen Männer, welche an der Spitze des Volkes stehen, zur Hebung dicscls UebclS die rechten Maßregeln ergriffen! Sie hegen jedoch die Befürchtung, daß durch die Verbreitung der in der Gegenwart rnehr als ehedem geschätzten, gepflegten und für die EMcnzfahigkeit unumgänglich nothwcndigcn Kenntnisse das Volk dem -väterlichen Glauben entfremdet und znm Abfall verleitet werden könnte. Das haben die Andern wohl erkannt, und deshalb haben sie das Werk in die Hand gcnommen. Sie zeigen dem Volke auf der einen Seite Wohlstand und Ansehen, aber ach, auf der andern Seite fehlt die echte Frömmigkeit und der gesetzestreue Wandel, welcher allein das ewige Leben verbürgt! Was sie jetzt planen, ist das Folgende. Sic wollen die hohe Negierung bewegen, daß sie ein Gesetz erlasse des In- Halts: Alle Rabbiner und Lehrer muffen den Nachweis erbringen, daß sie in den profanen Kenntnissen sehr bewandert sind. Jedenfalls können keine Rabbiner neu angestellt werden, welche bicscu Nachweis nicht liefern; den Lehrern aber, welche solches nicht vermögen, soll die Bcfugniß zum Unterrichten schon jetzt entzogen werden. Ebenso sollen die Schulen, welche nicht von approbirtcn Lehrern gehalten werden, aufgehoben werden. Anstalten für das Talmudstudium, בתי מדרש, Synazogen ober Privatminjonim sollen mix mit Erlaubuiß der KulruSvorflaude bestehen bleiben. Es soll ein Konsistorinnr eingesetzt werden, welches mit großer Gewalt bekleidet ist, um alle inneren und äußeren Verhältnisse der Inden zu überwachen und zn ordnen, Gesetze zu erthcitcn, Rabbiner, Lehrer und Vorstände ein- und abzusctzen u. bergt, m. Wer ist so blind, mit nicht zu sehe», daß hiermit die Art an das Indenthum gelegt wird? Wer sicht nicht, daß damit das Judenthum aus unserer Mitte verbannt werden soll? Wer kann sich der Einsicht verschließen, daß die Abtrünnigen dadurch sich der Herrschaft in unbegrenztem Maße bemächtigen und mit Gewaltihre verderblichen Priuzipicn dem Volke cinimpseu wollen?- Darum hat der Vorstand des Vereins מחזיקי תרת sehr weise gchaudclt, daß cr zum 17. Kislcw eine große Versammlung auS allen Genwinden des Landes ctnbcrufcii hat, welche