Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1886)
- Article
- Das jüdische Lehrer-Seminar in Rheinland zu Köln
- Date
- 1886-12-16
- Page
- 791 (sequence 2)
- Language
- German
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791 werden, und die fast ausnahmslos erfreulichen Berichte, welche wir über das pflichttreue Verhalten und die scgeuSreiche Wirksamkeit der auö unserer Anstalt hervorgegangenen Lehrer empfangen, bezeugen die nachhaltige heilbringende Wirkung des in derselben waltenden ans dem Vorn unseres heiligen Schriftthnmö geschöpften jüdisch-religiösen Geistes aus die Charakterbildung der ihrer Führung und Unterweisung anvcrtrautcn Jünglinge. . Mit dem Beginne des Wintersemesters sind wiederum 13 junge Leute ciugctretcn, so daß die Anstalt jetzt von 32 Schülern besucht wird. Da unS alljährlich aus verschiedenen Gegenden neue Zöglinge zugcführt werden, deren bisheriger Bildnngsgang selbstverständlich sehr verschieden und bezüglich einzelner Disziplinen oft sehr ungleichmäßig war, so begegnet die Unterweisung derselben besonder« Schwierigleiten, und cs bedarf einer geraumen Zeit, um dieselben zum Zwecke der nunmehrigen genieinsamen gleichmäßigen Fortbildung in unserer Anstalt allmählich zu assimilircn. Das Seminar würde ein ungleich bcsserercö UnterrichlSergebniß erzielen und doch den Zöglingen die Lösung ihrer Ausgabe wesentlich erleichtern können, wenn wir eine Präparandcnanstalt mit zweijährigem Kursus besäßen, in welche dieselben in einem früheren bildungsfähigeren Lebensalter cintretcn könnten, um für das Seminar und im Sinne desselben nach einheitlichem Plane vorgcbildct zu werden. Da unser ncucrrichtetcS Scmmargcbäude die dazu erforderlichen Lehrräume bereits darbictct, jo steht der Lerwirklichung unseres Wunsches, dieselben zu benutzen, um dem Seminar den untcrrichtlichcn Unterbau zu schaffen, nichts entgegen als der Mangel an Geldmittlcln zur Beköstigung der auszunchmcndcn Schüler sowie zur Besoldung der für eine Präparandenanstalt zn gewinnenden besonderen Lehrkräfte. NuS naheliegenden Gründen muß unser Streben mehr auf eine intensive Stärkung der nutcrrichtlichen und erziehlichen Leistungsfähigkeit des Seminars, als ans eine Erweiterung des Wirkungskreises desselben durch Vermehrung der Schülcrzcchl gerichtet sein, und cs bcdarf wohl nur dieses Hinweises, um den so ost und so ausdauernd bcthätigten hochherzigen Eifer unserer Freunde nunmehr auch zur Herbeischassnng der für eine so wünschcnSwcrthe Vervollständigung unserer Lehr- Veranstaltung unentbehrlichen äußeren Mittel energisch anzuregen. Wir wagen diese unsere Bitte im Vertrauen auf die altbewährten Verheißungen unserer GottcSlehre und den nie ermüdenden WohllhätigkeitSsinn ihrer Bekenner und Verehrer. Der Verein hat für den Seminarban 155002 Mark verausgabt.' Auf dem Gebäude ruht eine Hypothekenschuld von 40000 Mark. Außerdem besitzt er zwei Häuser in Ehrcnseld, deren Micthcrträgniß brutto 1400 Mark jährlich beträgt. Die Ausgaben haben im Jahre 1685 27509 Mark betragen, werden aber für das kommende Jahr an 30000 Mark erreichen. Diese Anstalt ist eine der wenigen Stätten, in welcher Iünglinge für den Lehrberuf in acht jüdischem Geiste herangebildet werden. Sie darf in gerechtem Stolze und inniger Bcfricdignng auf die Vergangenheit zurückschauen. Sie hat Großes geleistet und verdient deshalb in höchstem Maße der allseitigsten Förderung. Möge sie ihr in reichstem Maße zu Thcil werden. Grstsaiit. Bon Naphtali S i in 011־ (Nachdruck verboten) (Fortsetzung.) Mächtiger als das Gesetz des Staats und der Ncligion ist das ungeschriebene Gesetz des Wahns, dessen Banne sich der Einzelne nur schwer entzieht. Staat und Ncligion verbieten den Zweikampf; ein barbarischer, widersinniger Begriff von Ehre beherrscht aber manche Gesellschaftskreise, in welchen Derjenige als feige und ehrlos gilt, welcher den Staats- und NeligioiiSgesetzen Gehorsam zollt und eine Herausfordcrung zum Duell zurückiveist. Die stndircnde Jugend zählt zn diesen Kreisen. Es ist deshalb sehr begreiflich, daß die jungen Männer in eifrige Verathung traten, ob Joseph die Fordcrung ablchncn dürfe. ״Es handelt sich um die Ehre der Juden über- Haupt, welche hier zu vcrtheidigcn ist," meinte der Eine. ״Weigerst Du Dich zn schlagen, so haftet auf unS Allen nicht nur, sondern auf dem jüdischen Namen der Makel der Feigheit. Darum haben alle Bedenken z'.lrückznlrclcn. Du mußt Dich schlagen." Diese Ansicht ward von den meisten dcö kleinen Freundeskreises gctheilt. Joseph hörte schweigend zu Er kämpfte einen schweren Kampf. Also nicht allein den Fernstehenden, sondern auch den nächsten Freunden würde seine Weigerung als Feigheit gelten. ״Ich werde mich nicht schlagen," erklärte er endlich; ״selbst auf die Gefahr hin, auch von Euch für feige erklärt zn werden, lehne ich die Fordcrung ab. Das Gebot der wahren Pflicht ist mir heiliger als die Anfordcrung eines falschen Ehrbegriffs. Glaubt mir, Freunde, die Ablehnung wird mir schwer. Ich werde durch sie ein Geächteter in den studentischen Kreisen nicht nur, sondern auch außerhalb derselben. Trotzdem nehme ich kein Duell an." ״Bedenke die Folgen," mahnten die Freunde.