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Jeschurun · 1886-12-09 · Heft 49 (9.12.1886) · p. 779

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 49 (9.12.1886)
Article
Deutschland : Hamburg [Nachricht]
Date
1886-12-09
Page
779 (sequence 2)
Language
German
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779 narbten Wunden aufreißen. Der mit den hiesigen Verhältnissen Vertraute weiß, um was es sich handelt und Len Entfernteren mag das Faktum genügen, daß der Rabbiner der hiesigen Gemeinde sich veranlaßt sah, ein auswärtiges Gemeinderccht zu erwerben, um bei seinem Hinscheiden — das einer fernen Zukunft angehören möge! — an einer Stätte begraben zu werden, welche in der That dem Körper als ״ewige" Ruhestätte dient. Ich will schweigen von all den vergeblichen Schritten, welche der Oberrabbiuer unternahm, um für die ihm gehorsamen Gemeindemitglieder eine solche Stätte zu schaffen, schweigen von den Intriguen, welche gegen ihn ausgespielt wurden. Ucberall abgewiesen, hat er es jetzt endlich vermocht, in der Gemeinde eines holsteinischen Orts, Langenfelde, Grundeigenthum zur Anlegung eines bleibenden Fried- Hofes zu erlangen. Der Eigenthumsübertraguug steht jetzt kein Hinderniß mehr im Wege. Man fuhrt diesen Erfolg auf die Intervention einer sehr hochstehenden Persönlichkeit zurück, welche von Herrn Stern dafür gewonnen ward. G. Königsberg i. Pr. Das hiesige israelitische Waisenhaus feierte kürzlich sein 25jähriges Stiftungsfest durch Gottesdienst in der Synagoge. Die Anstalt zählt jetzt 15 Knaben und 10 Mädchen. An diesem Tage hatte Herr Geheimer Kommcrzmirath M. Simon, welcher seit dem Bestehen der Anstalt ein hervorragender Wohlthätcr derselben war, der Anstalt zehntausend Mark gespendet. — Vor mehreren Wochen verstarb hier Rabbiner Löwenstein aus Georgenburg (Rußland), der vor zehn Jahren hierorts Rabbiner der russisch-polnischen Genieinde war. 0. Königsberg i. Pr. Am שגת פ׳וירא hielt der hiesige Verein הכנסת אורחיה sein 5jähriges StistuugSfest ab. Zur Feier desselben hielt Rabbiner Dr. Grün selb eine mit Begeisterung von den Mitgliedern aufgcnommcnc Rede, anknüpfend an die Talntudstcllc Baba bathra 16b אכן סובה היתת תלויה. Während dieser Zeit hat der Verein siebentausend Kranke verpflegt, die in den hiesigen Kliniken waren. G. Memel. Vor 8 Tagen jcmd hiersclbst die Einweihung der neu erbauten Synagoge statt. Die Weihrede hielt Dr. Nülf. Auch in OrtelSburg fand vor kurzer Zeit die Weihe einer neuen Synagoge statt. Würzburg, 3. Dezember. Dem uns dieser Woche zugekommeuen ״Nechcuschastsbericht" über die hiesige israelijcheLehrerbildungsanstalt für das zweiundzwauzigste Jahr ihres Bestehens von Nathan Bamberger, Distrikts- Rabbiner und Vorstand derselben, entnehmen wir Folgendes: Die Anstalt war im verflossenen Jahre von 37 Zöglingen freguentirt, wovon zehn Unterricht, Wohnung, Beköstigung, Beheizung und ärztliche Be- Handlung in der Anstalt unentgeltlich erhielten, während fünf die Beköstigung ganz und die Uebrkgm theilweise bezahlten. Von diesen wurden siebzehn Zöglinge aus der Anstalt entlassen, von welchen sechzehn die Austritts- Prüfung mit sehr gutem bezw. gutem Erfolge bestanden und in die Praxis eintraten. Die Gcsammtzahl der in der Anstalt Ausgebildeten und in die Praxis Entlassenen betragt jetzt 180. Auch in diesem Jahre war der Gesundheitszustand ein erfreulicher, so daß eine wesentliche Erkrankung nicht vorkam. Das Lehrpersonal besteht ans drei Seniinarlehrern und sieben Fachlehrern, die alle mit Eifer und Liebe arbeiten. Im Laufe des Jahres wurde die Anstalt Seitens der Königlichen Negierung mit einer Inspektion beehrt; eine hieraus erfolgte h. Negiernngs Entschließung sprach ihre Zufriedenheit und Befriedigung über die Leistungen der Anstalt ans. Unter andern sprach sic auch den Wunsch aus, einen Hülfslehrer anzustellen, der die Zöglinge außer der Unterrichtszeit beaufsichtige, diese Stelle wurde dem Herrn Freudenberger, Lehrer an der Talmud-Thora-Schule zu Schwabach, übertragen. Die Einnahmen betrugen Mark 18805, die Ausgaben Mark 18169. Da die Anstalt größtcntheilS auf freiwillige Beiträge angewiesen, so sind die Verdienste des Vorstandes, der diese Mittel fast allein herbeischafst, um so mehr anzuerkenncn, da er von den übrigen Mitgliedern des Kuratoriums in dieser Hinsicht, soviel uns bekannt, nur wenig unterstützt wird. Mtzgx er ju Arbeit und in dem guten Werke seinen Lohn finden! Mögen aber auch die verehrten Spenderinnen und Spender ihren Wohlthätigkeitssinn auch ferner im reichen Maße der Anstalt zu Thei! werden lassen, denn sie fördern in der That das Gute und Große. Schließen wir auch unfern Bericht mit den Worten des verehrten Berichterstatters: Wer Wohlthätigkeit und Gerechtigkeit an strebt, findet Leben, Milde und Ehre. Oesterreich-Ungarn. * Wie». 29. November. Der Professor Anretins Polzer am Landes-Realgymnasium in Horn wurde durch den Landesausschuß seiner Lehrthätigkcit enthoben. Gegen Professor Polzer war in Folge einer von ihm verfaßten Broschüre das Disziplinär--Verfahren eingcleitet und zum Abschlüsse gebracht worden. Der UnterrichtSminister hat nun von seinem im Gesetze begründeten Rechte Gebrauch gemacht und die Enthebung Polzer's gefordert. Der Landesausschuß hat in Folge dieser Forderung des Ministers die weitere Lehrthätigkeit Polzer's eingestellt und wird über die Angelegenheit dem Landtage Bericht erstatten. Herr Polzer zählt zu den euragirtesten Antisemiten. (״N. fr. Pr.") * Lemberg, 1. Dezember. Ein Privattelegramm der ״N. fr. Pr." meldet: Am 29. September d. 9. verbreitete in sich Cieszanow die Nachricht, daß an die

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