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Jeschurun · 1886-12-02 · Heft 48 (2.12.1886) · p. 764

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 48 (2.12.1886)
Article
Holland : Rotterdam [Nachricht]
Date
1886-12-02
Page
764 (sequence 2)
Language
German
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764 den Umfang des Handels und der Bearbeitung von Diamanten kennt. In diesem Augenblicke sind 60 bis 70 Dampf-Diamantschleifereien in Thätigkeit mit 6 bis 7000 Schleifern, welche ihre Mühlen für zwölf auf einander folgende Uhren täglich miethen. Diese Schleifer haben wiederum ihre Gehülfen, die ihnen bei der Arbeit an die Hand gehen. Hierzu rechne man die ״Klover" und ״Snyder", die Hunderte Mädchen, die mit Rosettenschleifen ihren Unterhalt verdienen, und man kann sich einen Begriff von der Ausdehnung dieser Industrie machen. Als weiterer Beweis für die Bedeutung dieses Industriezweiges können die Genossenschäften und Vereine gelten, welche von den Diamantarbeitern zu gegenseitiger Unterstützung ins Leben gerufen worden sind. So verfügte der im Jahre 1845 gegründete Diamantschleifcr-FondS am 15. April d. I. über ein Neservekapital von 220000 Gulden, während im letzten Jahre 34 Mitglieder und 53 Wittwen mit einem Betrage von 20071 Fl. 58 unterstützt wurden. Da diesem Fonds nur diejenigen Diamantschleifer beitreten können, welche in den Fabriken der Dampfschleiferei-Maatschappy thätig sind, so wurde im Jahre 1848 eine Diamantschleifer-Wittwen- und Waisenlasse mit einem jährlichen Beitrage von zehn Gulden errichtet, welche jetzt über ein Reservekapital von 30 000 Fl. verfügt und im Jahre 1685 an 44 Wittwen und 13 Waisen 4261 Fl. 33 Cts. auszahlte. Außerdem bestehen noch Zwei derartige Vereinigungen, die sich ebenfalls eines blühenden Zustandes erfreuen. — Obwohl nun in den letzten Jahren auch Christen, besonders durch die hohen Löhne von 1871—73 angelockt, das Diamantarbcitcr fach auSzuüben begonnen haben, jo hat man hier doch in erster Reihe mit den Israeliten zu rechnen, welche sieben Achtel der gesammten Arbeiterzahl ausmachen. Hierzu kommt, daß auch der Handel in Diamanten hauptsächlich in Händen von Israeliten ruht, und diese besuchen SonntagS natürlich ihre Börse oder Sozietät. Erwägt mau, daß alle Diese, Arbeiter wie Händler, durch die verschärften Bestimmungen eines neuen Sonntagsgesetzes in ihren Interessen sehr getroffen werden würden — außer dem Sabbath würden sie daun auch am Sonntag zur Unthätigkeit gezwungen sein —, dann bedarf es wohl keines Erweises, daß sie bez. des neuen Gesetzentwurfes in einer gewissen Spannung verkehren. Wir wollen jedoch hoffen, daß der gesunde Menschen--- verstand Derer, die darüber zu entscheiden haben, die Amsterdamer Diamant-Industrie vor einem Schlage bewahren wird, dessen nachtheilige Folgen sich in einem viel weiteren Kreise, als man oberflächlich annimmt, fühlbar machen würden." W Cteftes&a&t, 16. November. Der Etat unserer (der hochdeutschen) Gemeinde pro 1687 balcmzirt im Voranschläge in Einnahmen uttf> Ausgaben mit 183 755 Fl. 80 Cts. In den Einnahmen figuriren: Synagogenplätze mit 11 000 Fl., Fleisch Hallen 50400 Fl., Kultusbeiträge 70 950 Fl. u. s. w., in den Ausgaben: Gehälter mit 48900 Fl., Unterricht 31300 Fl., Armenwesen 28 000 Fl. u. s. w. England. §§*) * * § Zondstt, 26. November. Der amerikanische Generalkonsul in Petersburg, Herr Doung, hat seiner Negierung über die Lage der russischen Inden berichtet. Die ״Jewish World" thcilt aus diesem Berichte mit, daß Herr Ionng die Zahl der im rufstscheu Reiche wohnenden Juden auf Dreiundeinhalb Millionen schätzt. Er weist unter Anderem auf die neulich erfolgte Ausweisung von etwa 1600 jüdischen Familien aus den zum Dänischen Militärbezirk geschlagenen Städte hin. Von den etwa 2000 jüdischen Familieuhäuptern, welche durch die Maßregelung der Ausweisung betroffen waren, hat man etwa 400 die Erlanbniß zum Verbleiben erthcilt, und zwar denjenigen, welche sich durch Wohlhabenheit auszeichnen. Er bemerkt im Allgemeinen, daß die Gesetzgebung in Betreff der Juden derartig ist, daß sie der Willkür der Behörden preisgegeben sind. Sie bietet vollauf Gelegenheit, zu jeder Zeit nach dem Belieben der Negiernngsorgane die Juden in ihrem Aufenthalt und ihrem Erwerb zu beschränken?) — Der Bischof von Manchester hat ein Schreiben an Herrn W. Arousberg gerichtet, welches Letzterer zur Veröffentlichung bringt. Es lautet: ״Ich hege die aufrichtigste Theilnahme für Ihre unglücklichen Glaubensgenossen in Polen und bin gern bereit, Ihren Aufruf der Beachtung wohlthätiger Menschen zu empschleu." Ein anderer Geistlicher, Herr Matthew Kerr, PreSbyterischer Pastor in Cork (Irland) erläßt cinen^Aufruf zur Anlegung eines jüdischen Friedhofs in sturer Stadt. Die kleine jüdische Gemeinde in Cork ist zu arm, um aus eigenen Mitteln einen solchen zu erwerben. Die jüdischen Leichen müssen deshalb bis jetzt nach Dublin geschafft werden, was mit großer Schwierigkeit und erheblichen Kosten verbunden ist. Diese beiden *) Herr Yourig bestätigt somit, was wir schon oft berichtet haben. In diesem Augenblicke möchten mir aber namentlich darauf Hinweisen, daß er auch das ganz bestätigt, was in voriger Woche von uns nachdrücklichst betont worden ist, nämlich daß der Jude sich nur sehr schwer zum Verlaßen der Heimcckh ent׳ schließt und nur der äußersten Noth folgt, wenn er zum Wanderstab greift. Die Emigranten sind somit die Aermstcn und Erschöpftesten, denen die Hermath gar nichts mehr bietet; bie. gegen diese empfohlene Maxime der Zurückverweisung in die Heimath kommt demnach einer Ueberantwortirng zur Vernichtung gleich und muß die hülfesuchenden unglücklichen Brüder zur l Verzweiflung führen.

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