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Jeschurun · 1886-12-02 · Heft 48 (2.12.1886) · p. 755

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 48 (2.12.1886)
Article
Nomadenthum und Judenherrschaft
Date
1886-12-02
Page
755 (sequence 2)
Language
German
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755 Grund einer Schrulle des Professor Lagarde zu einem Aegypter. die Leviten überhaupt auf Grund derselben Autorität zu Acgyptcrn. Die Lade, welche die Tafeln deö Zeugnisses in sich barg, zu einem ״Idol" des Nomadengottes. Die SlistShütte hat nie existirt, der Prophet Nathan protestirt Namens des ״alten WüstengoltcS" gegen seine Unterbringung in ein festes HauS, kurz, eS schwirrt von lauter Tollheiten und Ungereimt- Heiken, daß man in der That meinen könnte, eine Gesellschaft verrückt gewordener ״Schanimeister RosengrünnS" hätten sich hier versammelt und paukten der arnren ,,arischen ackerbautreibenden" Jugend ihren Blödsinn ein. Doch liegt Methode in diesem Wahn- Witz. Der ganze Wust blaSphemischen Trödels soll nichts Geringeres als das Piedestal bilden für die verblüfsende Neugestaltung des jüdischen GotteSbegrifsS anS Wahrmnuds Künstlerhand. Die Welt hat die Juden bislang für Monotheisten gehalten — beklagenS- Werth er, erstaunlicher, Jahrtausend alter Jrrthnm! — Die Juden bekennen sich nicht zu dem Einen Einzigen, das Jndenthnm ist höchstens ein hmotischcS Maudensbekenntniß. sein wirklicher Gott ist aber ״ein Kriegsgott geblieben bis auf den heutigen Tag!" Es ist durchaus nothwendig. unumgänglich nothwendig, daß es gerade ein KriegSgort sein muß von wegen der kriegerischen Räubcrnatnr der heutigen Inden, die ja lauter Beduinenhorden, unter Anführung eines Scheich, Rabbiner genannt, bilden,- und von wegen der — Jndenherrschafi! Na, ihr schwerfälligen Arier und Ackcrßlente, begreift ihr jetzt endlich meine Lehre: statt Araber und Turkmenen müßt ihr Inden sagen, statt Sch.sagt ihr Seth-Typhon, statt I.sagt ihr KriegSgott! (Gott verzeihe nnö, daß wir der Wahrmnnd'schen VlaSpheinie für einen Moment Ranin in unserm Denken gewähren!) Gegen solche Ansgebürten des Aberwitzes, die durch jedes Wort der jüdischen Bibel, des heiligen Kleinods der Menschheit, als bodenlose, freche Unwahrheiten gekennzeichnet werden, ein Wort verlieren zu wollen, dürste überflüssig sein, trotzdem Wahrmund in wichtigthucndem, anscheinend gelehrtem Dünkel Genossen wie Lagarde, Wcllhausen, Dnhn, Rojenzweig bis ans Rohling und Drumont, — C'senmenger, Dühring und das ganze Heer kongenialer Geister einbegriffen — znr Hülfe hcrbcirnft. Da aber trotz- und alledem Wahrmnnd gegen Inden und Jndenthnm das Christenthnm als die glänzende Sonne ausspielt, welche Licht und Wärme, Erhebung und Erleuchtung der Menschheit und damit deren Glück auf Erden bewirkt, und sich selbst als gläubigen und für das Christenthnm begeisterten Arier, ja, als der Kämpe des Christenthums gerirt, so wären wir denn doch zu erfahren begierig, ob das Christenthnm bestehen kann ohne Pentateuch, Propheten und Psalmen. Ist der Gott des ״alten Testaments" der Götze, zu welchem ihm Wahrmnnd stempelt, hat sich nicht in Wahrheit Gott dem Abraham und MoseS geoffenbaret und am Sinai zu den Israeliten gesprochen, kurz, ist das Alte Testament eine Lüge und nicht daS Wort deö lebendigen ewigen Gottes — wo wäre dann ein Christeuthnm? Sind die ״Zehnworte", welche die von Wahrmund verhöhnte heilige Lade in sich barg, nicht die Grundlagen der christlichen und islamitischen Menschen-Gesellschaft? Ist das Bewußtsein von dem gerechten Weltenkönig, dem gütigen Vater der Menschheit, dem allschauendcn Gott nicht von dem Judenthnm in die weiten Kreise der Völker getragen worden? Ist nicht der Ton von des jüdischen gottbegeisterten Sängers Harfe, welche den Jubel und den Schmerz, die Hoffnung und den Trost in der niedrigsten arischen Hütte, in dem stolzesten arischen Palast weckt und begleitet und der Seele deö Menschen die Kraft der Er- Hebung zu seinem Gotte verleiht? Werfet das, was der Jude der Menschheit gebracht, zu dem Plunder nntergegangcncr barbarischer Zeiten, leugnet die Neinheit und Wahrheit des jüdischen GotteSgedankenS, leugnet die Göttlichkeit der heiligen Urkunden, welche der jüdische Stamm durch der Jahrtausende Flucht treu bewahrt, und ihr verwerft das Christenthnm, und ihr raubt der Menschheit Sitte und Tugend, Recht uub Liebe, und ihr versinket in die düsterste Nacht trostlosester Barbarei. (Fortsetzung folgt.) Ans item GtlMllchiv der Deform. Diskrete Mülheilungeu, vervsfcmlicht von Zofnalh Paneach IV. (Unvollständiges Manuskript.) — — Der Riß zwischen Glauben und Leben geht durch die ganze Gegenwart. ES gilt zunächst, den crftercu zu retten. Mit diesem Glauben hat es aber seine besondere Bewandtniß. So lange das Bewußtsein von einer Offenbarung, welche außer der schriftlich überkommenen Lehre existiren soll, im Volke lebendig ist, wird diese neben der Schrift hergehende Tradition in gleicher Werthschätznng wie jene und in Verbindung mit derselben die Glaubenslehre bilden und als unantastbar zu gelten haben. Sobald sich aber Theile dieser Tradition im Laufe der Zeit verflüchtigen und in dem Volköbewußtsein eine reale Stütze nicht mehr besitzen, so wird die wissenschastliche Kritik ihres Amtes zu walten haben und in Besonnenheit dem Staube überantworten, was ohnehin kein Leben, also auch kein weiteres Anrecht als auf ein pietätvolles Gedenken besitzt. Der historische Glaube

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