Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 47 (25.11.1886)
- Article
- Rumänien [Nachricht]
- Date
- 1886-11-25
- Page
- 750 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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750 heben im Folgenden bte markantesten Stellen heraus: Meine Herren! Wenn ein Uebel sich einstcllt, wenn eine böse Krankheit um sich greift, dauert eS lange, bis der Sache abgeholfcn wird. Nehmen wir an, daß ein Hagel unsere Weinstöcke zerstört, oder eine ansteckende Krankheit eine ganze Generation Kinder hinwegrafft, so können die Folgen des Unheils nur mit der Zeit und durch große Sorgfalt verschwinden. Ebenso ist es mit den sozialen Nebeln, man heilt sie nur schwer. Herr Gherghel hat soeben unsere Aufmerksamkeit auf eins dieser Uebel gerichtet und scheint er zu glauben, daß wir dafür verantwortlich sind. Mit Recht hat Herr Gherghel gesagt, daß in der Moldau die Bojaren verschwunden sind, und die Bürgerschaft zerstört ist, zu Gunsten der alleinigen Juden. Die Bojaren wollten sich bcbcutcnbcrc Einkünfte verschaffen. Was entstaub daraus? Die Bojaren verschwanden, und ihre Nachkommenschaft wurde durch das jüdische Element vernichtet, und mit ihnen kam auch eine große Anzahl anderer Rumänen um. Herr Ghcrgcl sagte mir, warum die Juden sämtliche Spekulation dieses Landes an sich gezogen? Weil sie sich bei allen LiescrungSgeschichten als Zwischenhändler erboten hoben. So geschieht eS in Polen, in Ungarn und auch bei nnS^ Dieses Uebel haben wir von der Vergangenheit ererbt und besonders von den Bojaren, welche die jüdischen Städte auf ihren Besitzungen gründeten. — Der ehrenwerthe Herr Gherghel hatte Recht, indem er behauptete, daß eine der Ursachen des von ihm bezeichncten UebclS, das Erlassen des Militärdienstes für die Juden sei. Meine Herren! Infolge des Zwanges, welchen uns der Berliner Vertrag auferlegte, srugen sich unsere verschiedencn Kriegsminister und unsere Staatsmänner, ob man die nicht naturalifirteu Israeliten dem Militärdienst unterwerfen solle oder nicht. Die Ansichten waren gecheckt; ich selbst war dafür. Der General Berendei, welcher zugegen ist und zur Zeit Direktor im Kriegs- Ministerium war, wird Ihnen sagen, daß ich besohlen hatte, die Israeliten zu rekrutirm, und daß ich die Ansicht ausgesprochen, daß der Militärdienst eine Pflicht sei, welche keine Politischen Rechte bedinge, daß es den GesctzeSkörpcrn immer frei steht, diese Rechte denjenigen zuzuertheilen, die ihnen geeignet scheinen. Und meiner Ansicht nach, werden die gesetzgebenden Körper niemals die Naturalisation allen den Israeliten gewähren, die ihrer Militärpflicht genügt haben. Auch von den Pächtern des Staates, die Juden wären, hat Herr Gherghel gesprochen. So kommen Sie doch auf das Ministerium, untersuchen Sie die Dokumente und dann sagen Sic mir, ob wir die israelitischen Pächter unterstützen oder vielmehr cutfcrncn! Herr Gherghel hat gleichfalls von dem VerkausSrecht für Spirituosen gesprochen, das wir den Juden gewähren. Gicbt cs denn nicht sehr strenge Gesetze, die cö den Israeliten untersagen, in den Landesgcmeindcn Gastwirthschaften zu sühren? Meine Herren! Noch einen sehr bedeutenden Vortheil besaßen die Juden; sic hatten Kredit, und wir nicht. Wir zahlten achtzehn und zwanzig Prozent, wo die Juden nur fünf Prozent zahlten. Nun, diesem Uebel habe ich abgcholfen, indem ich öffentliche Kreditanstalten gründete, um den Prozentsatz des Geldes hcruntcrzusctzeu. Wir schaffen noch andere Einrichtungen, um den Fremden cntgegenzntreten; wir gründen Handels- und Industrie-Schulen. Aber in einem Tage wird eS uns nicht gelingen, die Rumänen in den Stand zu setzen, den Fremden Konkurrenz zu bieten; es ist nöthig, daß wir uns Me daran geben, um die gegenwärtige Lage zu verbessern. — Bei Gelegenheit der vom Senator Gherghel in seiner Interpellation gemachten Aeußerung, daß jeder Jude, welcher in der oberen Moldau mit einem Christen einen Prozeß führte, vor dem Richter immer Recht behielte, erließ der Justizminister Herr E. Statesco folgendes Zirkular an die Gerichte: ״Da ich wünsche, genaue Mittheilungen zu erhalten,- bezüglich der Behanptung, die Herr Gherghel in der Kammer gemacht, habe ich die Ehre, Ihnen anbei einen Fragesteller zu übermitteln und bitte Sie, ihn baldmöglich zu bcantworten, jedenfalls vor Ablauf des GerichtjahrcS: 1) Wie viele Gerichtsprozesse sind von sänmitlichen Kammern in jedem Jahre zwischen Israeliten und Rumänen verhandelt worden; 2) wie viele von diesen waren Zivil-Kommerziell oder Strafprozesse; 3) wie viele von diesen Prozessen fielen zu Gunsten der Juden aus, sei eSals fordernde oder vertheidigende Partei; 4) wie viele Prozesse wurden verhandelt von den Gerichten als Appcttationsgericht, auf Ersuchen des Friedensrichtcrs und wie viele in erster Instanz. . . z. Bukarest, 19. November. Wir haben seinerzeit über den Bukarester Antiscmitenkongreß, bei welchem, wie dies ja in der Natur der Sache liegt, der hiesige Antisemitenverein, quasi als Wirth, die Hauptrolle spielte, berichtet. Dieser hochlöbliche Antisemitenverein hat nun, durch sein bisheriges Auftreten ermuthigt, bei den letzten Kommunalwahlen zwei Kandidaten aus seiner Mitte ausgestellt. Man glaubte eines Sieges um so sicherer zu sein, als man die Regierungspartei aus Antisemitenseite wähnte und auf deren Unterstützung rechnete. Doch war diese Hosfunng eine trügerische, so daß sich die Antisemitenpartei sogar vor den Wahlen, um wenigstens sich nicht noch mehr zu blamiren, ihre Kandidaten znrückzuziehm genöthigt sah. Mit diesem Ereigniß bringt man auch die Schwenkung des ״Beterann!", des Organs der Antisemiten, nach der Seite der Opposition in Zusammenhang. ...2. Bukarest, 19. November. Das Elend nimmt immer mehr überhand und das Leben wird