Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 47 (25.11.1886)
- Article
- Rußland : Warschau [Nachricht]
- Date
- 1886-11-25
- Page
- 749 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Kraft treten solle. Auf dies Plaidoher hin wurde die Klage zurückgezogen. Aus dem Gouvernement Podokien wird gemeldet, daß in den dortigen Städten sich eine große Anzahl Juden zur Auswanderung nach Amerika rüsten. Trotz mannigfacher Warnung lassen sie sich nicht zurückhalten. מ Lublm, 18. Marcheschwan. Die hiesige jüdische Gcnieinde hat ein großes herrliches Kranken- Haus, wofür ein dringendes Bcdürsniß vorlag, errichtet und zwar zum großen Thcil aus freiwilligen Samnllungen, die im Laufe der Zeit an funszigtauscnd Rubel ergaben. Die Einweihung fand am vergangenen Sonntag statt und zwar unter allgenieiner freudigster Betheiligung nicht nur der jüdischen Gemeinde, sondern auch der höchsten Würdenträger. Der Gouverneur und der Vizeaouverueur, der Regierungspräsident und der Polizeidirektor und viele andere hohen Herren mit ihren Gemahlinnen erhöhten die Feier durch ihre Gegenwart, so daß dieselbe zu einem wahren Jubelfeste sich für uns gestaltete. א Jekateriuoslarv, 18. November. Bon der Verordnung, nach welcher nur zehn Prozent von den vereidigten Advokaten Juden sein dürften, ist bereits praktisch Gebrauch gemacht, indem kürzlich ein Jude, der sich als Advokat Hierselbst nicderlassen wollte, nachdem er alle Vorbedingungen erfüllt, nicht zugelassen wurde. Seine Zurückweisung wurde mit obiger Verordnung motivirt. *IP Wilna. Einen Augenblick schwebte die hiesige große jüdische Gemeinde in großer Gefahr. Ein höherer Beamte vermißte sein zweijähriges Kind. Nasch verbreitete sich das Gerücht, die Juden hätten dasselbe geraubt und geschlachtet, um das Blut für die nächste Mazzothbereitung (!) zu kouserviren. Zum - Glücke fand sich das Kind zufällig in dem Bette der eigenen Mutter. Es dauerte jedoch längere Zeit bis die Wuth des erregten Volkes sich legte. Solches trug sich am vergangenen Simchath-Thora zu. ש Grodno. Vor Kurzem ward durch die Presse die sensationelle Nachricht verbreitet und von den Indenfeinden eifrig überall hin kolportirt, daß in einer Stadt des hiesigen Gouvernements eine aus lauter Inden bestehende' Falschmünzerbande aufgehoben sei. Nach sorgfältiger ErmiLLelnug wird nunmehr berichtigt, daß an dieser Geschichte auch kein Tütelchen Wahrheit, vielmehr dieselbe von Anfang bis zu Ende erlogen sei. Da möglicher Weise diese lügenhafte Nachricht auch nach Deutschland, berichtet worden ist, so ersuche ich Sie, geehrter Herr Redakteur, um Aufnahme dieser Mitteilung. * Katisch, 17. November. Dem hiesigen Magistrat ist, wie der ״Kaliszanin" meldet, die Weisung crthcilt worden, die ausländischen jüdischen Kaufteute und Handlungsgehülfcn, die kein HeimathSrccht zur Niederlassung in Rußland besitzen, auszuwcisen. Der größere Thcil der jüdischen Ausländer (faß ausschließlich deutsche Unterthanen) ist seit einer langen Reihe von Jahren hier ansässig. (Pos. Atg.) Numelien. * lieber die Israeliten in Ost-Nnmelien wird der ״Alt. isr. Univ." geschrieben: Die Niederlassung der ersten israelitischen Familie in BurgaS fällt erst in daS Jahr 1879. Heute zählt man in dieser Stadt über dreißig israelitische Familien, die aus Karnabat und Jamboli gekommen sind. Die Gemeinde besitzt heute noch keinen Tempel, aber sie hat ein sehr schönes Gebände erworben, in welchem die Talmud-Thora untergebracht werden soll, sie wird sich glücklich schätzen, wenn sie das neue Schulgebäude mit der Eröffnung einer wirklichen Schule einweihen könnte. Karnabat. Aus halbem Wege zwischen BurgaS und Damboli befindet sich Karnabat, eine kleine Stadt im Niedergang, welcher der jährlich dort abgehaltene Markt ein wenig Leben und Bewegung verleiht. Man zählt daselbst gegen hundert israelitische Familien. Die Gemeinde ist zu arm, um ein SchulhauS zu kaufen. Zur Zeit der Reise des Fürsten Alexander in Numelien hat die Gemeinde denselben, um die Beisteuer der Negierung zum Ankauf eines Schulgebäudes gebeten. Die Revolutionen, die gegenwärtig Bulgarien beunruhigen, werden die Erfüllung dieses Wunsches wohl noch lange hinauSschicben. Aithos. Eine kleine Stadt, die in ihrer Umgebung zahlreiche warme Quellen besitzt, die bis jetzt noch auf keine Weise auSgcbentet sind. Kaum zwanzig jüdische Familien wohnen daselbst. Angesichts der Nähe von BurgaS ist cs nicht wahrscheinlich, daß ihre Zahl zunehmen wird. Stauimaka. 20 Kilometer von Philippopel, eine der reichsten Städte in Ost-Nnmelien, infolge der großen Ausdehnung ihrer Weinberge,׳ deren jährlicher Ertrag sehr beträchtlich ist; die jüdische Gemeinde dieser Stadt ist weder zahlreich noch wohlhabend; sie lebte nur von der Wcinauöfuhr. Die hauptsächlichste Ein- 11 ahmcq nelle besteht in dem Anlegen des Gemeindesiegels ans die Weinfässer, die dazu bestimmt sind, den Israclilen verkauft zu werden und auch als koschere Weine verkauft werden. Rumänien. * Der neueste Monatsbericht (Oktober) der,,All. isr. Univ." bringt eine Rede des Ministers Bratianu über die größere Anzahl von Geburten im Verhättniß zu den Todesfällen bei den Juden Rumäniens. Wir