Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 47 (25.11.1886)
- Article
- Frankreich : Paris [Nachricht]
- Date
- 1886-11-25
- Page
- 748 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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748 Erfind urig von Herrn Maurice Levy, einem Mtgliede des Zentral konsistoriums in der Akademie der Wissenschäften, besonders empfohlen. Bei derartigen Dersuchen ist das Gelingen resp. die Ausbeutung der Sache zuvörderst noch sehr fraglich und ohne ein wahrhaft patriotisches und gemeinnütziges Streben würde ein WclthauS seine Fonds sicherlich für derartige Probleme nicht auf das. Spiel setzen. Holland. ש Amsterdam, 16. November. Vorgestern fand in Leeuwarden die feierliche Installation des bisherigen Konrektors an unserem Rabbiner- und Lehrerseminar, des Herrn L. Wagenaar, zum Oberrabbiner von Fricsland statt. Die Herren Oberrabbiner Dr. ®ft 1111 er von hier und Tal von Arnheim wohnten der Feier bei. Von nichtjüdischen Notabeln waren der ״Kommissariü des Koning'S" (entspricht dem preußischen Oberpräsidenten), der Bürgermeister, der Vorsitzende der Ersten Kammer anwesend. Die Feier war eine recht gelungene und erhebende. Wir wünschen dem Ressorte Glück zu dieser Akquisition; der neue Titularis vereinigt in sich bei streng orthodoxer Gesinnung in schönster Harmonie und ausgedehntem Maße תורת עס דרך ארץ. — Mit besonderer dankbarer Verehrung gedachten wir anläßlich dieser Feier des verstorbenen OberrabbincrS Dusuns זצ״ל, der als Wunsch hiuterlassen hatte, binnen einem Jahre ihm einen Nachfolger zu wählen. Einer der Gründe für den zunehmenden Niedergang des jüdischen Lebens hier zu Lande liegt unstreitig in dem Umstande, daß erledigte Nabbiuate so lange unbesetzt bleiben und nur ad interim von den Oberrabbincrn anderer Bezirke mitverwaltet werden. Wer da weiß, welche anhaltende, unausgesetzte Thätigkeit erforderlich ist, ein Ressort in gehöriger Weise zu beaussichrigen, — ganz abgesehen von den Schulen, sind z. B. die meisten Metzger auf dem Lande zugleich auch שוחטים, — kann sich einen Begriff davon machen, wie cS in den interimistisch mitverwaUetcn ansschen muß. Die Oberrabbiuer, welche sich dazu hergeben, sind deshalb für diese Zustände auch mit verantwort-!ich. Und wenn wir somit verchrungsvoll deö רועה נאק gedenken, der das Seinigc dazu beigetragcn, sein Ressort vor einem gleichen Schicksale zu bewahren, dürsen wir aber auch unsere Anerkennung den Männern nicht versagen, die dem Wunsche ihres Heimgegangenen Führers in so pietätvoller Weise entsprochen und das זכר צדיק לננרכת praktisch bethärigt haben. England. 0. Manchester,׳, November. Als Gegensatz zu den Reden eines gewissen hochstehenden Geistlichen in Deutschland, kann di< Ausführung gelten, welche der hiesige Bischof dieser Tage vor einem großen Auditorium in der Preston Gnild Hall über die Juden machte. Was ich Ihnen hier berichte, wird von Ohrenzeugen bestätigt. Man zeigte mir überdies den Bericht in den öfsentlichcn Blättern. Der ehrwürdige Geistliche sprach ungefähr das Folgende: Ich verehre und liebe den jüdischen Stamm. Hätte ich mir meinen Stammbäum wählen können, so wünschte ich der Ehre theilhastig zu sein, in meinen Adern das Blut Abrahams, Isaaks, Jakobs, Petrus', Paulus' und Eines, der größer als sic Alle, zu wissen. Auch Walter Scott hat wohl ähnliche Gefühle für das jüdische Volk gehegt. Er hatte sonst schwerlich der Jüdin Rebekka die herrlichen Worte in den Mund gelegt, mit welchen sie dem Templer erzählt, daß lange ehe von seinen nordischcn Ahnen eine Spur bemerkbar gewesen, die ihrigen der Offenbarung Gottes bereits gewürdigt waren. — Man habe die Juden übel behandelt, die Geschichte ihres Martyriums sei eine sehr traurige. Gemordet und anSgeplündert, den Qualen jeglicher Folter ansgesetzt, hin und her geworfen, fanden sie nirgend ein wirklich wohnliches Heim. Wir Engländer haben nicht weniger gegen sie gesündigt, als das Kontinent. Aber, Gott sei Dank, die Zeiten haben sich geändert, und England betrachtet die Juden jetzt als seine thenren und würdigen Söhne. — Kein anderer Menschenstamm hätte die Zähigkeit der Lebenskraft besessen, um eine solche Vergangenheit zu überstehen, wie den Juden bereitet worden. Er!nüsse cs dahingestellt sein lassen, ob Christen, falls sie eine solche lange blutige Geschichte in ihren Annalen zu verzeichnen hätten, wohl auch so wie die Juden Haß mit Liebe vergelten? — Die Rede wird in allen Kreisen viel besprochen, und zur Ehre der Engländer sei es gesagt, man sympatisirt im Allgemeinen mit deren! Inhalt. Rußland. ...7. Warschau, 15. November. Keine Woche vergeht, ohne neue Beweise von der Unduldsamkeit zu bringen, mit welcher wir vor dem Gesetze behandelt werden. So wurde kürzlich ein jüdischer Kaufmann zur Verantwortung gezogen, weil er für sein Kind eine christliche Amme hielt. Es wurde nämlich gegen ihn geltend gemacht, einmal § 91 des Strafgesetzbuches, wonach es den Inden nicht gestattet ist, christliche Dienstboten in ihrer Haushaltung anzustellen, ferner eine Verordnung vom 24. Mai 1857, wonach ausdrücktich dcn Inden das Halten von christlichen Ammen verboten ist. Der Anwalt des Beklagten machte indessen hiegcgcn geltend, daß der angeführte Gesctzeöparagraph nur für Rußland, nicht aber für Polen Gültigkeit hätte. Die obige Verordnung sei übrigens ausdrücklich und feierlichst durch einen Erlaß vom 24. Mai 1862,^aufgehoben, und seit jener Zeit sei kein Befehl wieder ergangen, nach welchem jene. Verordnung, von Neuem in