Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1886)
- Article
- Rußland : Tomsk [Nachricht]
- Date
- 1886-11-18
- Page
- 735 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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735 * In den öffentlichen Schulen zu Tomsk (Sibirien) befinden sich 1241 Schüler, darunter 189 jüdische Knaben und Mädchen. Türkei. §§ KonsLanLinopel, Ende Oktober. In einigen Wochen findet hier die Wahl eines Chacham Vaschi statt, nachdem lange Zeit hindurch der Sitz desselben nach dem Tode des letzten verwaist, rcsp. nur von einem Verweser besetzt war. Der Grund zu diesem langen Interregnum lag darin, daß nach dem Gesetze auö den verschiedenen Provinzen des Reiches Deputirte persönlich ihre Stimme in Konstantinopel bei der Wahl abzugeben haben. Da nun ein derartiger Wahlmodus bei den theilweise schlechten Verkehrswegen undnrchsnhrbar ist, so hat sich die hiesige Gemeinde bei der Pforte bemüht, eine Aendcrung des Wahiregulativs dahin eiutrcten zu lassen, daß von den Provinzial- Depntirten hiesige Gemeindemitgliedir schriftlich devollmächtigt werden dürfen. Nachdem in diesen: Sinne versügt worden, steht der Vornahme der Wahl nichts mehr im Wege und dieselbe wird, wie schon bemerkt, im Laufe der nächsten Wochen stattfinden. Beiläufig bemerkt, stehen sich, wie dies ja bei Ihnen zu Lande gang und gäbe ist, zwei Parteien bei der Wahl gegenüber, die sogenannten Orthodoxen, welche für die Wahl des bisherigen Verwesers eintreten, und diejenige, welche einen nicht so an den sogenannten alten Formen hängenden auf dem Chachamsitz sehen möchten. — Unsere Regierung denkt jetzt ernstlichst daran, das Netz ihrer Eisenbahnen nach dem Osten weiter auszudehnen. Unter Anderen: soll eine Bahn von Skntari nach Diarbeko, Mossul und Bagdad in einer Ausdehnung von 4200 Kilometern gebaut werden und im Anschluß daran auch nach Damaskus und Jerusalem (etwa 600 Kilometer). Man würde nach Vollendung dieser Projekte von Berlin etwa in vier Tagen Jerusalem erreichen können. Amerika. R. Newyork. Die neue Gemeinde des samosen Sonnenschein in St. Louis, welcher die bisherige Ncsorm noch nicht stark genug war, hat sich mit hnndertundachtzig konstituirt. Sie hat eine pomphaft klingende Glaubens- Manifestation als Grundbasis ihres Bekenntnisses veröffeutlicht. 1) Verehrung eines einzigen einigen Gottes; 2) Anerkennung der Bücher Mosis.und der Propheten als Basis (?) für das alte und neue Judenthum, ohne unkritische Ucberlieferung als verpflichtende Autorität: 3) das Nitualgcsctz der ethischen Lehre unterordnct; 4) Beibehaltung des alten Sabbath und Festtage, daneben aber Sonntagspredigten; 5) der endliche Sieg der Humanität ist das messianische Ziel des Judenthums. — Nun auf diesem selbigen Standpunkte stehen alle Reformgemeindcn Amerikas und, wie ich glaube, auch Europas. Den Namen ״jüdisch" verdienen. sie allesammt nicht. R. Newyork, Oktober. Seit der kurzen Zeit ihres Bestehens hat die ״Schutzgesellschaft für Jüdische Einwanderer" bereits eine recht ersprießliche Wirksamkeit entfaltet, inden:, wie der Präsident derselben in einer Generalversammlung berichtete, cs den Bemühungen des Vereins zu danken ist, daß im Monat August 50 jüdischen Einwanderer, welche von Europa zurück geschickt werden sollten, dcr fernere Aufenthalt in Newyork gestattet ist. * Newyork. Der ״American Hebrew" veröffentlicht ein ihm von einem amerikanischen Glaubensgenossen zugcgangenes Schreiben, in welchem derselbe von den Beanstandungen erzählt, welchen er als Jude in Petersburg ausgesetzt gewesen. Gleich bei seiner Ankunft im Hotel rieth ihm der Wirth, sein Neligionsbekenntniß in dem polizeilichen Meldezettel nichL anzugeben. Der Amerikaner aber wies diese Znmnthung zurück. Wenn er nach seinem Glauben gefragt werde, so verleugne er seine Religion nicht. Die Folge war der unmittelbare polizeiliche Befehl, binnen 24 Stunden bei Vermeidung zwangsweiser Entfernung die russische Hauptstadt zn verlassen. Dcr energische Protest des amerikanischen Gesandten im Ministerium des AnSwürtigen gegen diese unfreundliche Behandlung amerikanischer Bürger bewirkte, daß ihm der Potizeimeister schriftlich mittheilte, seinem Aufenthalte würden keine Schwierigkeiten bereitet werden. — Wenn alle Vertreter fremder Negierungen in Petersburg in gleicher Energie die Rechte ihrer jüdischen Bürger wahren würden, so .mochte die Petersburger Polizei wohl andere Saiten aufspanncn gegen die Fremden jüdischer Konfession. * Chicago, Oktober. Am dritten Cholhamoedrage feierte die hiesige polnisch-jüdische Gelneinde אוהבי שלום das 15jährige Jubiläum ihres Bestehens. Es ist dies um so erfreulicher, als die Gemeinde in den Jahren nach ihrer Gründung für ihre Existenz schwer zn kämpfen hatte. Man war genöthkgt, behufs Bäu einer Synagoge eine Anleihe aufznnehmcn, deren letzte Tausend Dollar, dank der unermüdlichen Thütigkeit der Verwaltung und der Opfcrfrcudigkeit der Gemeinde- Mitglieder, gerade am Tage des 15jährigen Bestehens abgezahlt worden sind, so daß die Gemeinde an diesem Tage gleichsam ein doppeltes Jubelfest beging. * Wnerros-Ayrcs. Dem ״Jewisch World" wird berichtet, daß die in der Argentinischen Repnbück lebenden Israeliten die Neligionssatzungen des Judenthums gewissenhaft beobachten. Sie haben einen ständigen Knltnsbeamten und Schochet.