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Jeschurun · 1886-11-18 · Heft 46 (18.11.1886) · p. 733

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 46 (18.11.1886)
Article
Österreich-Ungarn : Graz [Nachricht]
Date
1886-11-18
Page
733 (sequence 2)
Language
German
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73a 11. d. M. in der Ofner Königsburg von Sr. Majestät empfangen. Der König sprach, .es freue ihn, diese Herren alljährlich um diese Zeit bei sich zu sehen, erkündigte sich über die Verhältnisse der hiesigen, jüdischen Gemeinde und entließ sodann die Deputation aufs Huldvollste. — Anschließend an diesen Bericht kann ich nicht umhin, Ihnen über die seit sechs Monaten in hiesiger jüdischen Gemeinde bestehende neue דוברה ״Tifereth Schabboth" zu referiren. Dieselbe wurde von einem jungen, vor etwa einem Monate verstordenen, höchst religiösen Manne, Namens Naftali RatzerSdorfer, ins Leben gerufen. Dieselbe hat den Zweck, in den Kreisen der hiesigen Geschäftswelt מרביץ תורה zu sein. Deren Mitglieder versammeln sich allabendlich, nach Vollendung des Tagewerks, um 8 Uhr im Vereinslokalc, wo einer der hervorragendsten Bachurim der hiesigen Jeschiba, Herr Moses Weiß, in der laufenden בררה mit ד׳מופר רשי und היי אדם unterrichtet und am Samstage, 11—12 Uhr Vormittags, einen gediegenen Vortrag hält. Herr Weiß bekleidet dieses Amt kostenfrei. Die einsließenden Beiträge und Spenden werden zum Ankäufe von für diesen Verein nothwendigen בברים verwendet. Es ist sehr erfreulich, den Wissensdrang dieser tagsüber arbeitenden jungen Leute zu gewahren. Der Verein zählt trotz seines kurzen Bestandes bereits mehr als 40 ordentliche Mitglieder. אמתי Aus Westungarn, Kreis jenseits der Theiß. Als Ergänzung zu meinem jüngsten Berichte über ״die Wirren in S. A. Ujhely" kann ich Ihnen ans authentischer Quelle mitthcilen, daß der dortige Nabbincr jenen Gemeindemitgliedern, die sich mit ihm zu einer ׳מומר הרת orthodoxen Gemeinde unter den Auspizien der Durchführungskommission koustituirten, verbot, in der bisher von ihnen besuchten Synagoge zu beten; angeblich, weil die nicht mit ihm koustituirten Gemeindcmitglieder als ״Neologen" zu betrachten sind. Also alle diejenigen Gemeindcmitglieder, die auch ferner nach den Vorschriften des Schulchan-Aruch leben, werden nunmehr ״Neologen" genannt, weil sie nicht auch zugleich der Oberherrschaft der Duchführungskommission huldigen. Also ist es nunmehr ein Dogma der Schomcr-HadaS-Rabbiner, daß es nicht allein genügt, nach den Vorschriften der Bibel, des Talmud und des Schulchan-Aruch zu leben, sobald man nicht zugleich auch die Allweisheit und Allmacht der DurchführnngSkommission anerkennt. Wahrlich, ׳ die Proklamirnng eines solchen neuen Dogmas ist gewiß nicht geeignet, die Begeisterung für das väterliche Hciligth״m, für das orthodoxe Judenthum in den Gemeinden zu erwecken und zu fordern. Die in Pest erscheinende ״Neue jüd. Pester Zeitung" warnt unaufhörlich vor den Gefahren eines solchen GebahrenS. Aber offene Sprache ist leider nicht von gewünschtem Erfolge bis jetzt begleitet gewesen. Es verlautet indessen, daß von Seiten der Statu!;-,juo-Gemeinden beim Herrn Kultusminister Schritte unternommen werden sollen, um die gänzliche Auflösung eines Regiments zu erwirken, daS mit so geringer Einsicht und Umsicht geführt wird. Serbien. * Herr 1)1*. Nnbcn Vierer ans Belgrad schreibt der ״Hazcfirah", daß die Lage der Juden Serbiens eine vcrhältnißmäßig recht glückliche sei. Er meint, cS könnten sich in diesem Lande russische Juden ansiedeln, wenn sie nicht mit ganz leeren Händen kämen. Die Regierung würde sie mit Freuden aufnehmen. Handel, Industrie und Handwerk bedürfen in Serbien noch fleißiger und geschickter Hände, und man hegt hier den Glauben, daß die Inden wohl geeignet wären, hierfür einen erfrischenden Impuls zu gewähren. Auch daö serbische Volk werde die Juden wohlwollend empfangen. England. London, 10. November. Zur Ergänzung meiner Mittheilung vom 7. d. M. (in Nr. 45) über die vergeblichen Schritte, welche Herr Lionel Alexander in Deutschland gethan hat, um die Wiederrückkchr mittelloser, jüdischer Emigranten zu erwirken, füge ich heute die Vorschläge an, die von eben diesem Herrn zur Beseitigung der Kalamität des Andranges von armen, fremden Juden in der englischen- Hauptstadt gemacht sind. Diese gehen dahin, die deutschen Glaubensgenossen zu veranlassen, einen strengen Grenzkordon gegen die Einwanderung aus Rußland zu ziehen und zwar auf folgende Weise. Deutschland und England tragen zu« sammen dazu bei, um an der russischen Grenze auf deutschcm Gebiete Komitees mit den nöthlgen Geldmitteln zu versehen, welche jedem die Grenze beschreitenden Israeliten das nothwcndige Reisegeld geben, um sofort wieder umzukehren. — Das wäre allerdings ein sehr radikales Mittel zu Nutz und Frommen der deutschen und englischen Glaubensgenossen. Aber — ich habe das schon in meiner vorigen Korrespondenz hervorgehoben — besteht darin die jüdische Wohlthätigkeit, das ächte 1מי^ות הבר und die wahre צדקה, daß man zunächst an sich denkt? Haben wir nicht vielmehr ausschließlich die Förderung des Wohles des armen, unsere Hülfe anrnfcndcn unglücklichen Bruders ins?luge zu fassen? Haben wir nicht die Lage und die bedrängten Umstände des Armen zu bedenken? Heißt cS sich des VrnderS erbarmen, wenn wir ihm ein Almosen reichen und ihn zurückstoßcn in das Elend, dem er entrinnen will?? Nein und immer nein. Eine solche ״Wohlthat" wäre das gerade Gegcntheü einer LiebeSthat. Tretet zu-

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