Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1886)
- Article
- Pirqe avot
- Date
- 1886-11-18
- Page
- 723 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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723 Uebcrsetzt und erläutert von Samson Nophael Hirsch. (Fortsetzung.) *)! 9. AtlcS ist vorausgeschaut und die Freiheit ist gegeben, und nach dem Guten wird die Welt gerichtet, und das Ganze nach der Mehrheit des Geschehenen. Als Gott die Welt schuf und in die Welt den Menschen setzte, schaute er im Voraus, daß auch dem Menschen Gutes und Böses geschehen könne und schuf eine solche Weltordnung, daß durch das von dem Menschen verübte Böse das Ziel seiner Wcltleitung nicht vereitelt, ja, daß das Böse selbst vom Menschen unbewußt und unbeabsichtigt ein Werkzeug zum Guten werde. Der freie Wille ist dem Menschen gegeben. Ohne die Möglichkeit, Böses zu thun, ja, hätte daö Böse keinen Reiz für den Menschen, cs wäre der Mensch nicht Mensch, seine Tugend wäre keine Tugend und all sein Thun erhöbe sich nicht über das thierische Triebleben. Und die Welt wird nach dem Guten, das in ihr geschieht, gerichtet. Gottes Wcltleitung hat das Augenmerk, daß das Gute, zu welchem bereits ein Anfang im Menschcukrcisc hervorgetreten, nicht unterdrückt, nicht von den! Schlechten überwuchert werde, und der von Gott geleitete Gang der Zeiten geht dahin, daß das vorhandene Gute nicht verloren gehe, vielmehr immer mehr Boden gewinne, sich immer mehr aus breite und zuletzt zu einem Reiche des Guten auf Erden erblühe. Für den allgemeinen Charakter einer Zeit und für den allgemeinen Charakter der ihr werdenden Verhängnisse ist aber der Charakter der Mehrzahl dessen, was durch Menschen geschehen und geschieht, bestimmender Maßstab. **)20. Er Pflegte zu sagen: Alles ist gegen Bürgschaft gegeben und ein ׳Netz ist ausgebreitet über alle Lebende. Der Laden ist geöffnet, der Kaufmann borgt, das Buch liegt offen und die Hand schreibt ein. Wer borgen will/ komme und borge. Die Schuldcinsorderer machen immerfort jeden Tag die Runde und nehmen Bczahlung von dem Menschen mit seinem Wissen und ohne sein Wissen. Es ist vorhanden, worauf sie sich verlassen können, das Nechtsverfahreu ist richtig. Alles aber wird fürs Mahl bereitet. Alles, was uns von Gott gegeben ist, verpflichtet uns zu einer Leistung, und Alles, was wir sind und •> הבל* צפוי והרשות נהוגה• ובטוב העול*ם נדון• והבל1 לפי רב המעשה■ "1 הוא היה אומר• הכד גחון כעדכון• ומצודה פרושה על^־כל*־־החיים' החנוה פתוחה וההנוני מקיף• והטנק ם פתוח והיד כותבה• ובל*-הדוצה ללווה יבא וילוה- והנכאים מחזירים תדיר כבל־יוב■ וגפרעין מן־האדם מרעהו ושיא מרעהו• ויש להם על־מה־שיפמבו• והדין דין אמת• והבר כתקן ליפעודה• haben, bürgt als Unterpfand für die Leistung. Dieser Leistung oder der für sie eintretenden Pfändung kann Niemand entgehen. Es kann ein Jeder seine Schuld- Verpflichtungen durch Genügsamkeit beschränken oder ungenügsam ausdehnen. Es wird aber keine ungelöste Schuld vergessen, und wenn auch der Mensch sie dergißt, Gottes Schickungen bewirken bald dem Menschen bewußt oder unbewußt ihre Berichtigung. Mit der Tilgung dieser Schulden wird nicht gedrängt, die dafür Sicherheit gewährenden Unterpfänder sind, wie liegende Hypotheken, zuverlässig und das Verfahren ist strenge- Recht und Wahrheit. Wie aber alle Pflichtvernach, lässigung gebüßt wird, so wartet für jede Pflichttreue lohnender Genuß. (Fortsetzung folgt.) Das (Orpi des DttslliiikchMS.*) Die von D1\ Rahm er, Rabbiner zu Magdeburg, hcrauSgegcbene ״Jsr. Wochenschrift" beschäftigt sich seit einiger Zeit mit großer Vorliebe mit der ״Freien Vereinigung", die Rabbiner Hirsch ins Leben gerufen hat, und kann ihre Leser nicht genug vor dieser Ausgeburt der Hölle warnen. Sie nennt dieselbe eine Gefahr für das jüdische Gemeindeleben, ja, sogar eine Gefahr für daö ganze Iudcnthum Deutschlands! Doch wohl nur für das Judeuthmn ü la Nahm er und Konsorten! Denn so unklug wird doch Herr Nahmcr nicht sein, Dasjenige, was er soeben als etwas Unerhörtes seinem Gegner vorgeworfen, hat, selbst zu thun! Er führt einen Satz, sogar mit der Bemerkung ״wörtlich entnommen", au: ״die Orthodoxie betrachtet sich als die einzige Vertreterin des wahren Judeuthums, einzig und ausschließlich zur Führung dieses Nauieus berechtigt." Er bestreitet derselben dies Recht, um eS gleich darauf für sein Judenthum in Anspruch zu nehmen! Wir unterschreiben den von ihm im Namen Hirsch's angeführten Satz vollständig, ja, nach unserem Dafürhalten giebr es gar kein orthodoxes Judeuthum, sondern eben nur ein Judenthum. Der Name orthodoxes Judenthum ist den Strcngläubigcn erst von ihren Gegnern, der Partei des Herrn Nahmcr, als diese noch als ucugeborne Mißgeburt schüchtern aus den Windeln hervorblickte, gegeben worden. Nun aber möchten wir Herrn Nahmcr fragen, was will er denn eigentlich? woher dieser Helle Zorn? Sollte er etwa *) Von hochachtbarer Seite geht uns dieser Aussatz ans Hamburg zu. Obgleich nur bereits denselben Gegenstand theilweise in der jüngsten Nummer behandelt haben, so wollen wir dennoch diese anSsnhrlichere Darstellung unser» Lesern nicht vorenthalten. Red.