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Jeschurun · 1886-11-11 · Heft 45 (11.11.1886) · p. 717

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 45 (11.11.1886)
Article
Österreich-Ungarn : aus Ungarn [Nachricht]
Date
1886-11-11
Page
717 (sequence 2)
Language
German
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717 sehr geachteten und geschätzten Rabbiner von seinem Konstituirungö-Vorhabcn abzuhaltcn, glaubte nun. daß mir dieser Wahlentschcidung der Streit beigctegt sein würde, nämlich die Gemeinde würde auch Status ^uo bleiben, wie sie seit mehr als 16 Jahren tatsächlich ist und noch von dem rühmlichst bekannten Rabbi Jermijah Löw נ׳ע, Vater des jetzigen Rabbiner, organisirt wurde. Der Rabbiner jedoch konstituirte sich mit einem Theile der Gemeinde-Mitglieder als autonamorlhodoxe Gemeinde, so daß die bisherige allenfalls Höchstnöthige Einheit der Gemeinde aufgehoben ist. Man weiß doch auch außerhalb Ungarns, daß das hierlandifche Judenthum aus dreierlei Gemeindearten besteht: Status quo, autonom-orthodoxe und Kongreßgemcinden. Wann wird der glückliche Tag hercinbrechen, an welchem das ungarische Israel wiederum als eine einheitliche Gemeinde um das Banner des alten glorreichen Judenthums sich schaart, wo der Irrwahn gewichen und keine Zwietracht die Brüder trennt?? Fr ankreich. *** Paris, 3. Marchcschwan. Unter dem Vorsitze des Herrn Rabbiner Weis köpf hat vorgestern in der großen polnischen Synagoge eine Versammlung zur Gründung einer Gesellschaft zur Ausstattung armer Bräute stattgcsunden. ES wird dieser Verein zahlreiche Mitglieder gewinnen, um so mehr, als der Minimalbeitrag nur die Summe von 50 Centimen monatlich betragt. *** Paris, 10. Marchcschwau. Der Talmudverein hicrselbst, als dessen Rabbiner Herr Weiskops fungirt und der von Herrn D1\ Klein prasidirt wird, hat auf die an alle hiesigen jüdischen Vereine ergangcne Aufforderung, sich an der Errichtung einer Büste der jüngst verstorbenen Frau Baronin James v. Rothschild zu betheiligen, in einer Vorstandssitzung die Ablehnung aus jüdisch-religiösen Gründen beschlossen, sich hingegen bereit erklärt, bei einer etwa zur Verewigung des Andenkens dieser wohlthätigen Dame zu errichtenden Stiftung mit einer jährlichen Subskription von 500 Franken sich zu betheiligen. Eine vom Präsidenten Herrn Henri Wart einbcrnfene außerordentliche General- Versammlung des Vereins ״Le Patriarchc Abraham", dessen Hauptgründer vor über 50 Jahren Herr Jakob TcdeSco s. A. war, hat einen Beschluß in demselben Sinne gefaßt. Auf den Einwand des Präsidenten, daß d'w Rabbiner von Paris die religiöse Frage bcjahend beantwortet, haben mehrere Redner, auch Ihr Korrespondent, mit Zustimmung der Versammlung erklärt, daß wir das Konsistorium, respektive dessen Rabbiner, nur als die Chefs der hiesigen Administration kennen, unserseits aber ihre Autorität in Bezug auf Entscheidungen in jüdisch-religiösen Fragen nicht als maßgebend anerkennen. England. V London, 7. November. Die Einwanderung russischer GlaubcSgenossen, welche durch traurige Verhältnisse gezwungen sind, ihre Heimath zu verlassen und hier eine neue glückliche zu finden hoffen, hat solche Dimensionen angenommen, daß die für derrn Unterstützung flüssigen Mittel sich als durchaus unzubringlich erweisen. Mau denkt deshalb daran, neu ankommende mittellose Einwanderer wieder nach dem Kontinent zu senden. Es wäre dieses allerdings eine ebenso bequemes AuSkunstSmittel, wie die auf dem Festlaude geübte Praxis, den Zug der Flüchtigen so rasch wie thunlichst über den Ozean zu lenken. Herr Lioncl Alexander hat sich sehr bemüht, um aus diese Weise Abhülfe zu schaffen. Nachdem er sich vergewissert hatte, daß die Mittel für die Rückbeförderung wohl zu beschaffen sein dürften, begab er sich nach dem Kontiment, um die nothwendigen Verbindungen anzuknüpscn. In Hamburg wurde ihm aber schon eröffnet, daß der dortige Hafen den Wiederznrückkehrenden streng verschlossen sei und daß auch die Preußischen Behörden in den Hasenstätten gemesseue Weisung hätten, keinen Nückkehrenden das Landen zu gestatten. — Sie haben, geehrter Redaktion, schon oft hervorgehoben, daß es des einmüthigen Zusammen- Wirkens aller Israeliten bedarf, um dieser allgeineinsten jüdischen Angelegenheit gerecht zu werden, und zwar gerecht zu werden im Sinne wahrhafter Bruderliebe. Es haben die Juden in den verschiedenen Ländern nicht in Erwägung zu ziehen, wie sie sich am leichtesten und billigsten der Last der Mithülfe zur Begründung eines neuen Heims für die expatriirten Glaubensbrüder entledigen, sondern wie sie am besten und zweckmäßigsten für die Wohlfahrt der Armen sorgen können. Rumänien. . .z. Bukarest. Die Auswanderung der rmnä« nischcn Israeliten nach Amerika nimmt immer größere Dimensionen an. Täglich mehren sich die Emigranten. Man schätzt die in diesem Jahre Ausgewanderten auf 3 bis 4 Tausend. Aus allen Städten und Dörfern deö Landes drängen sich die Leute zum Auswandern. So namentlich in Jassy, Boluschau, den Städten der Wallachei und der Moldau. Diese Entvölkerung Runiänienö macht sich in dem Darniederliegen dcS Handcls und Gewerbes sehr bcmerklich. In den kleinen Städten und auf dem platten Lande wird man bald keinen einzigen Juden mehr antrcsfen. Und was wird die Folge sein, wenn das Ziel des maßlosen Juden- Hasses und einer barbarischen NegierungSmaxime erreicht ist? — Rumänien wird keine Juden mehr haben,

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