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Jeschurun · 1886-11-11 · Heft 45 (11.11.1886) · p. 716

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 45 (11.11.1886)
Article
Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
Date
1886-11-11
Page
716 (sequence 1)
Language
German
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* Frankfurt a. M. Zu den ältesten wohlthätigen israelitischen Stiftungen hiesiger Stadt zählt der Verein zur Unterstützung unbemittelter israelitischer Wöchnerinnen und zur Uebernahme von Gevatterschäften ה׳ כורתי ברית. Nach einen: mehr als hundertjährigen Bestehen wurde derselbe im Jahre 1665 durch den scl. Herrn Israel Wallach reorganisirt, wobei zugleich die Statuten des Vereins entsprechend erneuert wurden. Seit jener Zeit leitete der sel. Herr Benjamin Niederhofheim denselben bis an sein Ende während fünfzigjähriger unermüdlichen Hingebung. Im Laufe der Zeit hat cs sich in mehrfacher Beziehung als unabweisbares Bedürfnis herausgcstellt, die seitherigen Statuten einer Revision zu unterziehen. Die noch unter Mitwirkung des sel. Herrn Benjamin Niederhofheim entworfcnen, sorgfältig berathencn revidierten Statuten wurden Seitens der Verwaltung in Gemäßheit des § 28 der seitherigen Statuten einem zu diesem Zwecke einberufenen Ausschüsse zur Prüfung vorgelcgt und von demselben genehnrigt. Der Verein gewährt bedürftigen israelitischen Wöchnerinnen Spenden an Geld und Kindergeräth, sowie bei männlichen Geburten die Sorge und die Kosten für die Vornahme der Bcschneidung. Die Wirksamkeit des Vereins erstreckt sich auf die hiesige Stadt ׳ und einen Umfang von etwa einer Stunde Eismbahn-Entsernung. Für die nächsten drei Jahre ist diese Geld- Unterstützung wie nachstehend bestimmt: a) für in hiesiger Stadt befindliche Wöchnerinnen, bei der Geburt eines Knaben 60 Mark, eines Mädchens 36 Mark, bei Zwillingsgeburtcn gleichen Geschlechts die entsprechende doppelte Summe; eines Knaben und eines Mädchens 96 Mark, b) für auswärts befindliche Wöchnerinnen, bei der Geburt eines Knaben 50 Mark, eines Mädchens 30 Mark, bei Zwillingsgeburten gleichen Geschlechts die entsprechende doppelte Summe; eines Knaben und eines Mädchens 80 Mark. Der Verein entfaltet eine sehr segensreiche Wirksamkeit und dürfte für viele Gemeinden als nachahmungswerthes Vorbild dienen. Oesterreich-U ngarn. L. Lemberg, 4. November. Die hier erscheinende Zeitung ״Der Israelit", das Organ des Schomer- Israel-Vereins, ist in ihrer jüngsten Nummer von einer Konfiskation betroffen worden. Der Aufsatz, welcher diese Maßregel veranlaßte. behandelte die Thatsache der Uebergehung jüdischer Anwärter oder Be- Werber auf erledigte Stellen in öffentlichen Aemtern. Dieses Faktum ist für Galizien nicht abzuläugnen. W. Pest, 5. November. Der Antisemitismus lebt und giebt täglich neue Zeichen einer recht'kräftigen Lebenslust. An: 29. v. M. fand eine Konferenz seiner Häuptlinge hier statt. Es galt, die etwas gelockerte Einigkeit im Lager wieder herzustellen. Die nächsten Wahlen sotten der antisemitischen Partei in: Reichstage eine größere Anzahl Mandate sichern. Das ist aber nur zu erlangen, wenn Alle einig sind. — Aus Keczkemet wird von einer großartigen Ovation gemeldet, welche dem wegen Aufreizung gegen die Juden mit achtzehn Monaten Haft und 90 Gulden Geldbuße bedachten Enunerich Nagy bereitet wurde, als derselbe auS dem Gefängnisse nach achtzehnmonatlicher Trennung von den guten Kcczkemctern zu ihnen zurückkchrte. Die ganze Bürgerschaft nahm an der Huldigung Theil. Die antisemitische Ncichstagspartei hatte Herrn Abgeordneten Raz deputirt, um den Märtyrer zu bewillkommnen. Ja, der AntiseinitiSmuS lebt. *;;* Pest, 5. November. Wenn auch Ihr Organ, geehrter Herr Redakteur, aus gewiß von jedem noch denkenden Menschen nur zu billigendem Grunde es unterläßt, von den Ehrenbezeichnungen, welche hochgestellten Glaubensgenossen zu Theil werden, Notiz zu nehmen, so dürften Sic doch für die Meldung, welche ich Ihnen heute zu machen habe, eine Ausnahme eintreten lassen. Die dieser Tage erfolgte Berufung eines Israeliten, des Dr. juris Sigismund Decsei, in den obersten Gerichtshof des Königreichs hat insofern ein allgemeines Interesse, als dieser Herr der erste jüdische Richter ist, welcher Mitglied dieses höchsten Landestribunals geworden. Durch diese Ernennung ist in eklatantester Weise kuudgethan worden, daß in dem Justiz- Ministerium nach dem Heimgang PaulerS mit der Hin- Neigung zur autiseiuitischen Doktrin gründlich gebrochen ist. Die Berufung eines Juden zum höchsten Richter׳ amte macht deshalb im ganzen Lag.de großes Aufsehen. Von den wahren Patrioten wird sie freudig begrüßt, während die Genossen der Istoczi, Verhovay u. s. w. ingrinnnig die Faust ballen. אמתי• Aus Ungarn, Kreis diesseits der Theiß. Der geistvolle Verfasser der hochbedeutsamen ״Kollektiv- Berichte aus Ungarn" scheint über die Gemeindewirren in S. A. Ujhcly nicht ganz genau unterrichtet gewesen zu sein. Die von ihn: in N. LI. der Kollektiv-Berichte (Nr. 39 des ״Jeschurun") über die Vorgänge in S. A. Ujhcly enthaltene Bemerkung antizipirt den Verlauf der Thatsachcn. Wie ich bestimmt weiß fand erst am 31. Oktober daselbst die Entscheidung darüber statt, ob die Gemeinde weiter 8tatu8 guo, nämlich auf Basis des durch Schulchan Aruch, weiter fortgeführt werden oder ob sie sich als Schomer Hadath, nämlich orihodoxe autonome Gemeinde unter den Auspizien der Durchführungskommission, organisiren soll. Glücklicher oder unglücklicher Weise, wie man es ausfassen will, siel die Wahl zu Gunsten der Ltatus guo-Partei, aus. Man will eben beim Alten bleiben, Diese Partei die bisher friedliche Versuche gemacht, um den von ihr übrigens

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