Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1886)
- Article
- Deutschland : Köln [Nachricht]
- Date
- 1886-11-11
- Page
- 715 (sequence 1)
- Language
- German
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B. Köln, November. Die ״Deutsche Reichs- Zeitung", das größte zu Bonn erscheinende Organ, welches dem traurigen Irrwahne Vorschub leistet, als ob eine acht deutsche Gesinnung sich am besten in der Abneigung gegen Juden bethütigcn müsse, läßt keinen Tag vergehen, ohne in dieser Richtung zu wirken. Es scheint, als ob sie den Tag für einen verlorenen in ihrem Dasein betrachtet, an welchem sie etwa aus Bersehen oder Lässigkeit — wir sind ja Alle schwache Menschen! — diese fromme und patriotische Uebung aussetzt. Die große Stöckcr'schc Antisemitcnvcrsammlung, in welcher Herr von Oertzen alle die Gehässigkeilen und Unwahrheiten des Drumont'schen — in rührender Einfalt hat er den läppischen Lügen des Franzosen sicherlich vollen Glauben geschenkt und sprach im heiligen Eifer bona üäo — seinem frenetischen Beifall zollenden Auditorium als jeststeheudc Thatsachen mit-!heilte, war natürlich der ״Deutschen Reichs-Zeitung" so bedeutend, daß sie diese und die Stöcker'schen Expektorationen als ersten Leitartikel ihrer Nr. 299 einverleibte. Ihre Nummern 301 und 302 zierten ״Wiener Briefe, die den Lesern der ״Deutschen Reichs-Zeitung" die Juden als die lcibhastigcn Teufel erscheinen lassen. Alles Unglück, alles Böse kommt von den Juden. Der schlichte deutsche Neichßbürgcr, melche aus der ״Deutschen Neichs-Zcitnng" Belehrung und Anregung zu acht patriotischer Gesinnung schöpfen will, muß erstaunt die Hände zusammcnschlagen und sich fragen: wie ist eS nur möglich, daß so viel Bosheit in Menschengestalt auf Erden wandeln kann? Verwundern muß er sich auch über die Macht, welche diese schrecklichen Geschöpfe, Juden genannt, besitzen müssen. Ja, es ist offenbar, sie sind entweder selbst leibhaftige Teufel oder stehen mit den höllischen Mächten im intimen Verkehr. Man höre nur, was nur der einzige Wiener Briefschrcibcr Alles von ihnen zu erzählen weiß! Ihr habt doch schon gehört, daß in der ungarischen Hauptstadt -Budapest die Cholera ansgcbrochen ist, — wißt ihr, wer an dieser furchtbaren Heimsuchung die Schuld trägt? Die Inden. Ihr staunt, ihr könnt euch das gar nicht denken, die Behörden müßten doch das auch schon konstatirt haben!! Laßt euch bedeuten; — das hat seinen besonderen Grund. In der Epidemiekommission sind auch jüdische Aerzte, die leiden nicht, daß dieses Gehemmiß an den Tag kommt. — O, die Juden, die Inden! die halten zusammen wie Pech und Schwesel und wissen ihre Schlechtigkeit schon zu vcrbergen. Kommen solche aber einmal heraus, dann zetern und wettern sie allesammt. Wißt ihr auch die Geschichte von dm Vorgängen in Tiöza-Eszlar, ״bei denen die Juden der ganzen Welt für die Angeklagten ihrer Nasse Himmel und Erde in Bewegung setzten, um aus den schmutzigen Gestalten angebliche Märtyrer zu machen?" — Und da muß ich euch noch erzählen, was die Juden BöscS thun; die Sache ist allerdings noch nicht ganz heraus, weil der Jude leugnet, natürlich! JnTolna, das liegt in Ungarn, da wohnt ein Jude, Kohn mit Namen. Mehr brauche ich auch eigentlich gar nicht zu sagen! — Aber hört nur, was dieser Kohn für Schändlikeitcn verübt. Ec ist Vorstand der jüdischen Gemeinde und Branntweinbrenner. . Dieser Kohn benutzt die zum Vranntweiubrenncn hergerichteten Trebern, ״um in denselben mit Krätze behaftete Juden zu baden und auf diese Weise zu kurircn; und der erzeugte, auf solche Weise verunreinigteTrcbcrn-Branntwein sott dem Publikum zum Ausschank gebracht worden. Ist das nicht entsetzlich. — Ja, ihr werdet sagen, solches kann nur in Ungarn geschehen, wo die Menschen noch nicht so klug sind. Da seid ihr in! Jrrthnm; in Wien treiben die Juden es eben so arg. Ihr wollet cS nicht glauben? Nun, ich will es euch beweisen. Am 30. September hatten die Juden ihr Neujahr, und gerade am 30. Septeinber sollte Schaf- und Nindermarkt abgehatten werden. Nun, was meint ihr wohl — wurde dieser Markt abgehalten? Gott bewahre! Der Markt auf den 29. verlegt. Ihr schüttelt noch zweifelnd den Kopf? Na, da habt ihr den Erlaß der k. k. Statthalterei, j die solches verheißt! — Ja, diese hohe Behörde sei doch keine jüdische, wollt ihr sagen? Dummer Schnack, — meint ihr, daß ich das. nicht weiß? Aber die Juden haben doch Schuld, wenn sie nicht wärm, dann hätte die hohe Statthaltcrei doch nicht diesen Befehl erlassen können! Na, begreift ihr jetzt? Ist das nicht unerhört und schändlich von den Juden? ״Die Juden dürfen also in ihren Festen nicht gestört werden?" Ja noch mehr! Da wohnen in Wien Juden, die heißen Gebrüder A. H. EliaS. Denkt euch nur die Schändlichkeit dieser Leute — wenn ich daran denke, so gerathe ich in Wuih, so schändlich können nur Inden sein! Also — ״am Sonntag den 19. September standen und fuhren bei der Votivkirche, Vormittag um lO UHr, also während der Gottesdienstzeit, an 30 Ziegelwagcn, gehörig zum Baue der Gebrüder A. H. Eliaö!" Ist das nicht himmelschreiend von diesen Juden! Freilich tlnur das Christen auch, denn leider wird ״an allen Sonntagen und an den höchsten Festtagen in Wien gearbeitet und zwar nicht bloS bei Privatgcbäuden, sondern auch bei StaatSgebänden!" — Das sind doch wenigstens Christen, da ist es allerdings halt sehr traurig — aber es sind doch immerhin christkatholischeMenschen. — Diese Juden hingegen sind Inden, und wenn die den christlichen Ruhetag entheiligen, dann ist cs fürchterlich! Das seht ihr doch ein! ׳Ja, die Inden, die Juden! Nun, die ״Deutsche Neichszeitnng" steht nicht allein, sie hat viele Genossen im deutschen Reich und Oesterreich, auch in Rumänien und sonst wo.