Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1886)
- Article
- Das Organ des Breslauerthums
- Date
- 1886-11-11
- Page
- 710 (sequence 2)
- Language
- German
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710 Wahrheit, Recht und Friede" ״möge sich um Subvcntion an — Stöcker und Genossen wenden, welche den Ruin des JudenthumS erstreben. Für den gcsinnungstüchtigen Juden gilt hier das Wort, welches MoseS einst zur Warnung einer ebenfalls auf die Lockrufe einer auf Lostrennung ausgehenden Partei zngerufen: '121 ״ 1112 נאHaltet euch fern von dem Gebäude, welches jetzt diese vor nichts zurnckschreckende Orthodoxie für ihre Angelegenheiten errichtet", sonst seid ihr Helfershelfer am Ruin des JudenthumS und des jüdischen GcmeindclebenS in Deutschland;" und sie warnt eindringlich vor der Gefahr, ״die auS der organisatorischen Gestaltung der Orthodoxie unter der Acgidc Hirsch re. für die jüdischen Gemeinden und für den Bestand des deutschen Indent h 11 ni s überhaupt erwächst." Wir wollten diese von dem Organ des BreslauerthumS kundgcgebene liebevolle und gerechte Gesinnung der von ihr vertretenen Richtung an diesen wenigen Auszügen uns klar machen, um die Frage in die Oeffentlichkeit zu senden: kann die Orthodoxie mit diesem Brcölauerthum gemeinsam die Interessen des JudenthumS in Bezug auf Lehre und Lebensgestaltung wahrnehmcn, und giebt cs eine größere innere Unwahrheit als die durch die in der Gegenwart von dem Breslauerthume so häufig unter Flagge ״Ausschluß der religiösen Frage" proklamirtc angebliche Einheit der religiösen Uebcrzeugung der verschiedenen ״Richtungen"?? Das Organ deS BrcSlaucrthums erklärt die jüdische Orthodoxie als das ״Gcgcuthcil des JudenthumS" und vcrweist cS an Herrn Stöcker um Unterstützung für die Förderung jüdisch-orthodoxer Interessen. Welcher Jude, der dem BreSlaucrthnm nicht huldigt, kann sich noch ferner von dem Lockruf: ״Einheit deS deutschen Judenthums unter Ausschluß der religiösen Frage" düpircn lassen? Wenn aber ein orthodoxer Jude in dem von dem BreSlaucrthnm ä la Rahincr gelehrten Judenthum sein ״religiöses Bckcnutniß" nicht erblickt und sich der ״Seelsorge" eines Nahmer und seiner Genossen cutziehen will, dann nehme er die-״Israelitische Wochenschrist" zur Hand und entkräfte die frevelhafte Verleumdung, welche ohne Zweifel gegen ihn ins Werkgesetzt werden wird, daß er aus srivolcn Gründen aus der Gemeinde auSlrete, daß eS innerhalb der deutschen Judenheit keine Schisma gebe. Das Brcölauerthum hat hier durch den Mund seines Organes die Orthodoxie als ein solches Schisma erklären lassen! Und zum Schlüsse nur noch eine Bemerkung. Die Freie Bereinigung kann bis zu dieser Stunde absolut noch kein anderes Verbrechen begangen haben, als überhaupt zu existiren. — Von ihrer Thätigkeit läßt sich im Grunde zur Zeit noch gar nichts answeisen. Und diese ihre nackte Existenz ist eine solche unermeßliche Gefahr in den Augen des Breslauerthums, — welche segensvolle, reiche Wirksamkeit muß sie entfalten, wenn sie den in ihren Statuten bezeichnctcii Aufgaben einigermaßen gerecht geworden sein wird! Bon Naphtali S i 111 0 ». (Nachdruck ücrl’Otci'.j (ffonsetzuug.) Die Dame hatte sich auf eineu Sessel niedergelassen und setzte endlich ihre Rede fort. ״Der Name meines verstorbenen Gatten ist Ihnen wohl nicht ganz unbekannt, da er, in hiesiger Stadt geboren, fast seine ganze Lebenszeit hier zugebracht hat." ״Wir waren Schulkameraden," warf Friedlich ein. ״Wenn ich Ihnen erzähle, daß er sechs Kinder, deren Aeltcstes fünfzehn Jahre zählt, hinterlassen hat, so werden Sic begreifen, daß sein müßiges Gehalt nicht auSreichcn konnte, die Kosten langwieriger Krankheilen, welche zuerst mich und später ihn heimgcsucht, neben dein unentbehrlichen Lebensunterhalt und dem Unterricht der Kinder zu decken. Er besaß kein cltertiches Vermögen, ich hatte keine Mitgift. Wir mußten Schulden machen, sielen iu Wuchcrhäudc. — Ich habe in meinem Wittwenstandc angestrengt gearbeitet, mich auS meiner traurigen Lage zu befreien. Meine Kraft erwies sich als unziiläuglich, und die Zinsenlast vermehrte sich von Monat zu Monat. Sie hat mich erdrückt. Alle meine Havscligkeitcu sind gepsändet. Arm und nackt und obdachlos stehe ich mit meinen Kindern — — " Ein Bild der Sorge und des Grames bot der Anblick der beklagenSwcrtheu Frau dar, welcher von Kummer überwältigt die Rede versagte. Giebt cs doch kein innigeres Gefühl, als die Liebe der Mutter zu ihren Kindern und darum auch keinen größeren Gram als den das Mntterhcrz erfüllt od der vergeblichen Sorge um die Ihren. ' Diese Sorge verleiht dem schwachen Weibe Nicsenstärkc, macht-die.schwächste Frau zum Helden. Ist aber alles Mühen vergebens gewesen, vermochte die zarte Frauenhand die Niesen Noth und Elend nicht zu überwältigen und steht das brechende Auge der tapfer kämpfendcu Mutter die Lieblinge ihrer Seele diesen Unholden rettungslos preisgcgcbcn, ach, dann ist der Held wiederum zum ohnmächtigen Weib geworden, dessen hoffnungslose Verzweiflung auch in den kältesten Heizen Mitgefühl erwecken muß. ״Haben Sie keine Verwandte, keine Freunde, welche im Stande wären, Ihnen zu helfen?" srng Friedlich theilnehmend. 7655