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Jeschurun · 1886-11-11 · Heft 45 (11.11.1886) · p. 708

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 45 (11.11.1886)
Article
Pirqe avot
Date
1886-11-11
Page
708 (sequence 2)
Language
German
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708 sein gebracht sind. Des Menschen Vorzug ist es, daß er im Ebcubilde Gottes geschossen wurde. Es wäre dies schon ein Vorzug, wenn er sich dessen auch gar nicht bewußt wäre. Er würde schon vermöge der ihm anerschaffencn Gott ähnlichen Natur manches geistige und sittliche Gute verwirklichen, wenn er gleich nicht das Bewußtsein hätte, damit sich als Gott ebenbürtig zu zeigen. Allein erst dadurch, daß ihm seine Gottebenbildlichkeit als Grund seiner alle andern Geschöpfe überragenden Hoheit und Würde, sowie seiner ihn zu ewig fortschreitender Annäherung an Gott in geistiger und sittlicher Vollendung lenkenden Bestimmung gelehrct worden, hat dieser Vorzug erst seinen rechten Werth erhalten. Gott hat Israel damit bevorzugt, daß Er in eine noch besondere nähere Beziehung', zu ihm, wie ein Vater zu seinem Kinde, getreten ist. Dieser Vorzug wäre schon an sich kein geringer, wenn Gott Israel seine besondere väterlich erziehende und leitende Fürsorge angedcihcn ließ, ohne daß Israel sich dieser besonder׳.: Stellung und Beziehung zu Gott bewußt wäre. Allein erst dadurch, daß diese Gotteskiudschaft Israel als Mahnung zu steter sich heiligender Selbstachtung, kindlich liebendem Gehorsam und kindlich sich hing ebendem Bcrtrauen zum Bewußtsein gebracht ist, erst dadurch tritt auch dieser Vorzug in seinen wirklichen Werth. Diesem Vorzug der Gotteskiudschaft zur Seite, ja, ganz eigentlich als', Grund und Ziel, desselben, steht der andere Vorzug, daß Israel zum Träger der תורה erwählt worden. Dieser Vorzug wäre schon an sich ein unvergleichlich großer, wenn Israel den Inhalt der תורה als von Gott ihnen gegebener Wegweiser für ihre geistige und sittliche Vollendung und die Erfüllung der Pflichtaufgabe ihres Lebens in sich aufnehmen und der Ersüllung derselben mit auSnahmloser freudiger Hingebung all ihres Seins, Denkens und Wollens leben würde, selbst wenn ihnen nicht die einzig hohe universelle Weltbedeutung der תורה offenbart worden wäre. Gott hat ihnen aber zugleich zum Bewußtsein gebracht, daß die תורה ein כלי המרה, wörtlich: Werkzeug der Zielanstrebung sei, mit welchem und für welches die Welt geschaffen ist. Die Gesetze der תורה sind nichts als die für die Gestaltung eines Menschen- und VolkslebcnS verjüngten Gesetze, -auf welchen auch die Wesen, Erscheinungen und Entwickelungen der übrigen Gottesschöpfung beruhen, und sie ist zugleich das Werkzeug für die Vcrwi'-klichnng des Zieles, für welches Gott die ganze Welt geschaffen. Die ganze Physische Welt hat טוב die Verwirklichung des sittlich Guten als Zweck und Ziel, wie dieser Eharaklcr über jedes einzelne Tagewerk und über das Gejcnnmtwerk der Schöpfung ausgesprochen ist Dieses durch den Menschen zu vollbringende, das Strcbeziel des Weltganzen bildende Gute ist aber nur durch die תורה zu erreichen, sie ist לקח טוב, die Gewinnung des Guten, darum mahnt Gott: תורתי אל תעזבו! Dies Bewußtsein von der einzig hohen Bedeutung der תורה nicht nur für unsere, sondern für die HeileSznknnst der Gesammtheit, soll uns sie zu dem unveräußerlichen Gute gestalten, für dessen Erhaltung, Verwirklichung und immer allgemeinereu Anerkennung wir mit dem freudigsten Einsatz alles dessen, was wir sind und haben, leben und, wenn es sein muß, sterben sotten. (Fortsetzung folgt.) Ans dein f)d)fimar(!j!t1 der £Uf0n1t.*) Diskrete Mitthciluugku,^orrösfcntlicht von Zofnalh Paneach. II. (Ueberschrifl: Der Ibrahim'sche Plan in kritischer Beleuchtung.) Bei aller Anerkennung für die Kühnheit des Gcdankcnö der offenen Proklamirung der radikalen Umgestaltnng des rabvinischen JudcnthumS 1:11b der Beschränknng des MosaiSmuS auf dasjenige Gebiet, welches von dem Bewußtsein der Gegenwart noch als ein religiöses betrachtet wird, kann man sich den: Programm nicht anschließen. Ibrahim rechnet zu wenig mit den gegebenen Faktoren. Er steht dem Leben des Volkes überhaupt zu fremd und vornehm gegenüber, um es zu kennen. Er hat ׳sich seit seinen Studienjahren in einer kleinen Republik erleuchteter Geister cingcnistct, welche seine Welt bildet. Er erblickt in den Ideen, welche diesen kleinen Kreis bewegen, die gestaltenden Gedanken des..Universums׳ oder doch jedenfalls der jüdischen Welt. Und da befindet er sich in einem doppelten Jrrthnm und gelangt zu höchst unpraktischen Anschauungen. Der eine Jrrthnm ist, daß er seine und der Genassen Gedanken überhaupt, für religiöse Ideen in dem Sinne hält, daß inan unter ihrer Herrschaft noch das Bedürft!iß nach einem zu bethäligenden religiösen Kultus empfände. Täuschen wir uns doch nicht! Wir sind Alle Philosophen, keine Theologen. Könnten wir unserer eigensten Neigung Folge geben, 'cs würde Niemand von uns für die Satzungen der Bibel irgend ein anderes als wissenschaftliches Interesse hegen. Wir dürfen doch unter uns offen und ehrlich sein. Wenn Ibrahim als Jude mit seinem Wissen irgend eine andere gleich geachtete und materiell günstige Stellung eiuuchinen könnte, so legte er sehr gern Talar und Büfschen ab und würde nicmals wieder die Schwelle *) Siehe Nr. 41./42.

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