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Jeschurun · 1886-11-04 · Heft 44 (4.11.1886) · p. 692

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 44 (4.11.1886)
Article
Jüdische Briefe aus und über Rußland
Date
1886-11-04
Page
692 (sequence 2)
Language
German
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692 Geist und seine Lehre weilen unter uns״ werden konsequent ignorirt. Die Existenz und die Thaten des edlen und großen Begründers der nach Wolosin bcdeutendsten Hochschule zu Mir, der sein Vermögen für diese Schöpfung opferte, werden einfach verleugnet. Wolosin und Mir sind gar nicht vorhanden in dieser Maßkilim-Literatur. Wer und aber die Namen, die sie aus den Piedestal der Größe erheben, als die Beglücker ihrer Nation preisen? ES sind diejenigen Männer, welche die fälschlich also genannte Aufklärung mit Hülfe der Kosackenknute unter dem Volke verbreiten wollen! Vor diese haben sich die Literatorcn als Herolde aufgepflanzt, stoßen in die Trompete und lassen unaufhörlich den Ruf erschallen: Seht hier, Israeliten Rußlands, das sind Eure Lehrer und Beglücker! Neigt vor ihnen das Haupt und verehret sie in demüthigcr Dankbar« feit! — Wendet Euch aber hinweg von den finsteren Rabbinen, den unaufgeklärten Männern — das sind düstere Fanatiker, die Euch ins Elend stürzen! In dieser Weise wird unaufhörlich an dem Minirwerke der Zerstörung gearbeitet. Eine Verwirrung und Unklarheit in den Anschauungen hat dadurch Platz gegriffen. Die Wahrheit wird nicht erkannt. DaS Vcrstündniß und die Empfänglichkeit für dieselbe entschwindet immer weiteren Kreisen. Die Einsichtigen schauen das Unheil, härmen sich darob und ein jeder von ihnen sitzt einsam in seinem Kämmerlein und weint ob der Verheerung und des immer mehr über- Hand nehmenden Abfalls - fürchten sich aber, ihren Schmerz kund zu geben und für die Wahrheit einzustehen, weil dieses mit zu großer Gefahr verbunden ist, wie später näher angedeutet werden soll. ES sei hier nur kurz das Folgende bemerkt. Bei uns zu Laude giebt es sehr Wenige, welche eine solche äußere Stellung einnehmen, daß sie mit Erfolg das Wort zur Vertretung der Wahrheit nehmen könnten. Der größte Thcil Derjenigen, welche sich ein klares Urtheil über die religiöse Lage zu bilden vermögen, befindet sich thcilS in gedrückten, theils in geradezu ärmlichen Verhältnissen. Der Armen Wort hat aber einen schwachen Klang. — ES giebt auch Dinge, die oberflächlich betrachtet, günstig und heilsam erscheinen, deren inneres Wesen aber bei genauer Kcnntniß dem rechten Bersläudniß sich als schädlich und gefährlich darstellt. Man muß aber den verborgenen inner!! Zusammenhang derselben und deren Wechselwirkung mit änderen Verhältnissen kennen, muß die Motive zu manchen an die Oberfläche tretenden Erscheinungen zu beurtheilen wissen, erst dann wird man im Stande sein, zu einer richtigen Kcnntniß der Verhältnisse zu gelangen. Manches kann auch unter gewissen gegedenen Verhältnissen gut und nützlich sein, aber unter anderen Umständen höchst verderblich wirken. Zeit, örtliche und staatliche Verhältnisse sind zu berücksichtigen. Es ist hier nicht der Ort, um über alles Dieses sich in eingehender Weise unverholen anSznsprechen. So viel dürfte aber klar sein, daß man im Auslände recht vorsichtig sein muß mit der Ertheilnng von Rathschlagen für unsere heimischen eigenthümlichen Verhältnisse. Mau kann dabei oft in bester Absicht viel mehr Unheil stiften als Nutzen schassen. Darum hüte man sich vor dem übereifrigen Nathe und halte mit seinem Urtheile vorsichtig zurück. (Fortsetzung folgt.) Jer intcriiattonßle AutisMen-Kongreß zu Märest. Obgleich wir über diese Versammlung der Indenfeinde wiederholt berichtet haben, so erscheint doch die MittHeilung des Berichtes, welchen die Alliance Jsravlite Universelle darüber veröffentlicht, von Interesse. In Bukarest hat ein antisemitischer Kongreß stattgefunden; er hat drei Tage hindurch, den 7., 8. und 9. September seine Sitzungen abgchalten. Er nennt sich der ״antisemitische, rumä!!isch«curopäische und internationale Kongreß", weil außer Rumänen ein Franzose, Herr JacqueS de Biez, und vier Ungarn, die Herren Komlossy, Deputirter, Graf LebelSberg, PetrovicS und Rudolph Scala demselben beiwohnten. Die vorzüglichsten Leiter des Kongresses waren: der Senator Ghcrghel, bekannt durch seine Interpellation an den Senat über die zu treffenden Maßregeln, um die zu große Zahl von Geburten bei den Juden zu verhindern; der Hauptmann Moro'iu, welcher nur noch dem Namen nach Hauptmann ist, indem er durch den Erlaß von Karl!, vom 25. Juni!871 aus der Armee entlassen wurde, infolge der Aussagen des KriegSministcrs, General FloreScu, welcher seine Führuug als ״i!rr Widerspruch mit den militärischen Vorschrifteu und eines Offiziers unwürdig" bezeichncte*) und endlich Herr Polichroniade, der Redakteur der Zeitung ״Des-septarea". Die Herren Drumont, Jstoczy und Stöcker, die eingeladen waren, dem Kongreß beizuwohnen,׳ sind nicht erschienen. Der Kongreß hat folgende Beschlüsse gefaßt, denen wir aber durchaus keine weitere Wichtigkeit beilegen. *) Die offiziellen Schriftstücke hierüber sind in der Ne« Vista Jsraölita zu Bukarest, vom 15. Anglist 1886 nach dem Moniteur Ossiciel vom 29. Mai (11. Juni) 1871 publizirt worden.

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