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Jeschurun · 1886-10-28 · Heft 42-43 (28.10.1886) · p. 685

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 42-43 (28.10.1886)
Article
Amerika : New York [Nachricht]
Date
1886-10-28
Page
685 (sequence 2)
Language
German
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685 weder in schwarzen Lettern auf weißem oder weißen Lettern auf schwarzem Gründe. Zuwiderhandlung gegen diese Anordnung soll mit Geldstrafe von mindestens!000 Dollar bis zu 5000 Dollar und mit Gefängnißstrafe von sechs Monat bis zu zwei Jahr belegt werden. Ein entsprechend ähnliches Schild muß in einem Laden, in welchem außer anderen Gegenständen auch Kunstbutter oder Kunstbuitcrprodukte feilgehalten werden, an den für diese bestimmten Räumen, Plätzen re. äugebracht werden. Zuwiderhandlungen werden mit Geld- und Gefängnißstrascn wie oben belegt. ES folgt nun die Normirung der Steuersätze, welche für die Kon- Zession des Handels mit Kunstbutler erhoben werden sollen. — Am 29. März dieses Jahres ging ferner dem Repräsentantenhause ein ähnlicher Gesetzesentwurf Seitens Mr. Milo White zu. Derselbe ist — was die Kunstbutler betrifft — in den Strafvorschriften noch schärfer. Außer den genannten Entwürfen hatte noch Mr. Archibald I. Wenver am 8. März dieses Jahres einen solchen bei der Volksvertretung eingebracht. Die an erster Stelle mitgetheilte Bill Mr. ScottS wurde Seitens des Repräsentantenhauses dem Komitee 0n Agriculture zur Berichterstattung überwiesen. Dieser Ausschuß schlug vor, die Scott'sche Bill durch eine von Mr. Hatch eingcbrachte Bill zu ersetzen, welche eine hohe Steuer ans die Fabrikation und den Verkauf von Kunstbutler legen will unb strenge Vorschriften über die Stempelung derselben enthält, um das Publikum vor Täuschung zu be-!vahrcn. Diese letztere Bill ist mit einigen Aendcrungcn vom Senate und Repräsentantenhause angenommen und am 2. August!886 vom Präsidenten sauktionirt worden. Das Gesetz tritt in 90 Tagen nach der Sanktion in Kraft. It. Newyork. lieber die Sonnenschein' sche Affäre läßt sich Rabbi Isaak Wise in seiner ״Dcborah" folgendermaßen aus: ״Die Sonnenschein'sche Affäre in St. Louis ist in ein neues, nicht ganz unerwartetes Stadimn getreten. Nachdem die Gemeindeversammlung — wie früher gemeldet wurde — Alles zur Zufriedenheit Aller geschlichtet und beigelegt zu haben schien und Herr Dr. Sonnenschein seine Resignation cingereicht, stellte sich heraus, daß sofort eine neue Sonnenschein'sche Gemeinde von hundcrtundfünf Mitgliedern, die indeß auf hundertundfünfundzwanzig angewachsen ist, gegründet wurde, welche bereits unter Sonnenschein's Leitung am Neujahrstage und am darauffolgenden Sabbath in der Memorialhatte Gottesdienst abgehalten hat und einen solchen auch heute Abend und morgen abhalten wird. Die Vertreter der neuen Gemeinde nehmen an, daß dieselbe cS in Kurzem aus zweihundert Mitglieder bringen wird. Dieses neue Stadium läßt Manches zu bedenken übrig und mag denn doch, wenn der Donner verhallt und das düstere Gewölk verschwunden, zu einer dem Judenthnm günstiger« Lösung deS verwickelten Problems führen. Gott gebe es! Uebrigens können wir Herrn Dr. Sonnenschein mit unserem eigenen Geschicke trösten. In!850, am Neujahrstage, sind wir in Albany saus eoromom'6 zum Tempel hinanSgeworfen worden und waren der verrufenste Jude in Amerika. Mit uns gingen nur der Tempelchor und 26 Mitglieder, die sofort den Gottesdienst fortsetztcn und die herrliche Tcmpelgemeiude gründeten. . Eö hat den verstorbenen Herren Isaaks in Newyork und Lccser in Philadelphia ihrer Zeit auch nicht viel besser gegangen. Die Welt ist ein Kuriosum, das verschiedene Ausge« bürten erzeugt; jedes Publikum ist ein Unikum, das oft gestern noch nicht gewußt, was es heute vollbringt. Es ist gut, daß der Mensch denkt und Gott lenkt, denn wir gerathen gar zu oft auf Abwege בי לכל העם בשגגה. Da dieses ונסלה heute Abend in allen jüdischen Gemeinden so laut und fromm dem lieben Gott zugernfen wird, möge eS auch in St. Louis die Geinüther versöhnen und die Herzen liebevoll einigen." Herr Wise, der Anwalt des von ihm so benamsten ״Amerikanischen JudenthnmS", stellt sich hiermit ein sehr gutes Zeugniß aus. Er sympathisirt mit einem Menschen, der es fertig bringt, entweder als christlicher Pastor oder als israelitischer Rabbi anttiren zu wollen, je nachdem die Synagoge oder die Kirche ihm mehr zahlt. Und er hoffte noch von einem solchen Manne, eine glückliche Aera für das Judenthnm. Herr Wise hat Recht. Für sein Judenthnm kann es zum Heile sein. Vielleicht überrascht Herr Wise selbst noch einmal Amerika mit einer neuen Metamorphose, als Pastor an einer der evangelischen christlichen Kirchen! Warum auch nicht! Wise war auch einmal, bevor er,, wie er erzählt; in Albany zum Tempel HinanSgeworfen wurde, ein orthodoxer Jude. Mit der Reform behagte es ihn! besser. Vielleicht behagt eS ihm mit der Kirche auch einmal besser als mit der Reform. Also immer nur so weiter, ihr Herren Reformer! Wollte Gott, daß das Volk endlich einmal Einsicht gewönne in das Wesen Eures Treibens und Euch allesammt ״zum Tempel hinauswürfe!" — Das wäre der erste Schritt zur Besserung. Glaube und Versöhnung, zwei religiöse Reden von Dr. Immanuel Heinrich Ritter, Predigcr der jüdischen Resvrmgemeinde zu Berlin. Berlin 1867. Stuhr'sche Buchhandlung.

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