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Jeschurun · 1886-10-28 · Heft 42-43 (28.10.1886) · p. 684

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 42-43 (28.10.1886)
Article
Rumänien : Jassy [Nachricht]
Date
1886-10-28
Page
684 (sequence 1)
Language
German
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684 * Jassy. Ein in Konstantinope! wohnender rumänischer Edelmann spricht sich in einem Briefe über die rumänische Iudensrage, welcher dem ״Hamagid" von hier mitgctheilt wird, folgendermaßen ans: Unsere Regierung verfährt in der Indenfrage sehr ungeschickt. Hätte sie zur Zeit des Berliner Kongresses etwa dreißig Paar Original-Inden aus der Moldau in verständiger Answahl ans ihre Kosten nach Berlin reisen lassen und sie dort ״Unter den Linden" spazieren geführt, sie in Theatern und andern öffentlichen Orten zur Schau, namentlich auch d׳n Herren Kongreßmitgliedern, gestellt, dann wäre ganz bestimmt cS Waddington nicht eingefallen, für diese Sorte Inden die Gleichberechtignng zu verlangen. Jetzt aber die Juden auf legislatorischcm Wege zu maßregeln, hat gar keinen Zweck. ES giebt ein einsachcs Mittel, um die Iudcnfragc sicher zu lösen. Man nehme die angesehenen Juden unseres Landes, welche mit der Pariser Alliance ISraölitc in Verbindung stehen, und hänge sie vor allem Volke an den Galgen. Das scheint ihm das Probateste. Da man aber vielleicht zu einem so drastischen Mittel nicht greisen will, so empfiehlt er auch ein anderes. Wenn wir die Inden in nnserm Lande unterdrücken und ihnen die ihnen gebührenden Rechte vorenthalten, so mag das gnt sein, um nuS gegen sie zu schützen. Sobald sic aber sich anschicken, das Land zu verlassen, sollte man in ganz ariderer Weise verfahren. In einem solchen Falle, da der Jude zur Ucberzengnng gelangt, daß ihm die Quellen der Existenz verstopft sind und die früher gehegte Hoffnung, für sich oder seine Kinder das Indigenat zu erlangen, ihm in ihrer Nichtigkeit vor Auges tritt und er sich zur Auswanderung entschließt, La könnte Rumänien von solchen Inden noch Nutzen ziehen. Die auSwandernden, sich anderwärts niederlassendcn Juden Rumäniens könnten z. B. die Märkte dcS Ostens mit rumänischen Weinen u. s. w. versorgen und dadurch dem Lande Geld zusühren u. dcrgl. m. In Betreff der Pässe, welche den Juden auSgchäudigt werden, spricht sich dieser edle Rumäne also aus: Auf diesen Pässen findet sich der Vermerk ״zur Reise ins Ausland". Meldet sich aber ein Jude mit diesem Passe bei einem unserer auswärtigen Residenten, dann wird ihm derselbe häufig abgenoinmcn und der Inhaber einfach zur Thür hinausgeworfen. Er hatte selbst Gelegenheit, dieses zu scheu bei drei rumänischen Schächtern, welche nach Jerusalem reisen wollten. Er frug den rumänischen Residenten, mit welchem "Rechte man ihnen die LcgitimationSpapiere abnchmen könne, für welche sic doch zehn Franken baar erlegen mußten? Daraus die Antwort: er habe hierzu von ' der heimathlichen Negierung den Befehl erhalten. Dadurch befreien wir nuS am leichicsten von der Last, welche uns der § 7 der Konstitution aufzwingt. Begreifen Sie denn nicht, wenn wir jährlich 10000 solcher Pässe anSstcllen und also verfahren, daß innerhalb fünfzig Jahren kein Jude mehr im Lande ist, denn sie können ohne Pässe nicht wieder zurnckkommen. Der Briesschreibcr spottet dieser kniffigen Politik und bcnterkt, daß er nach sechs Wochen dieselben drei Schächter mit denselben Ringlocken wiederum begegnet sei, als sic nach Rumänien zurückkehrten und zwar mit guten — englischen Pässen versehen, die sic dem Residenten zur Vidirung vorlegten! — Das Schreiben dieses wirklich judenseindlichen rumänischen EdelmanneS itlnstrirt in trefflicher Weise das Verfahren der rumänischen Negierung gegen die Inden und kann eines Kommentars entbehren. Amerika. R. Ncwyork, Oktober. Die Farce der Entlassnng und Wiederwahl des Rabbiners(?) 1)r. Sonnenschein in St. Louis, welcher seine seclsorgerischen Dienste der Kirche angcbolen hatte, ist durch ein interessanteS ״.Aachspiel ergänzt worden. Herr Sonnenschein hat die ihn getroffene Wiederwahl zum Rabbiner der Schaarc-Emeth-Gemeinde abgclehnt, das einjährige Gehalt von 5000 Dollar aber angenommen. Daneben sollen seine Verehrer und Freunde sich von der Muttergcincindc Schaare-Emcth abgetrennt und eine besondere Gemeinde gebildet haben, zu deren Rabbiner oder Pastor Dr. Sonnenschein designirt ist. K. Newyork, im September. Ebenso wie in Deutschland, so ist man auch in Amerika nunmehr eisrig beschäftigt, den Verkehr mit künstlicher Butter zu regeln. Non welcher Wichtigkeit dies speziell für das jüdische Publikum ist, wurde ja bereits von anderer Seite in diesen Blättern betont. Ich will mich im Folgenden nur daraus beschränken, in möglichster Kürze die diesbezüglichen Daten zu rcgistrircn. Am 8. März dicscS Jahres wurde von Mr. Scott beim Repräsentanten- Hans, beim Senat zwei Tage später von Mr. Miller, eine Dill cingebracht zur Verhütung des nngcsctzmäßigeu Verkaufs von künstlichen Milchprodukten rc. ImSpezicllen wird in dieser Bill verlangt, daß durch Verfügung des Senats und Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten jede buttcrähnliche Substanz oder jedes Gemisch, welches bestimnit ist, an Stelle von Milch oder Nahmbutter als Nahrungsmittel zu dienen, welches jedoch kein wirkliches Milch׳- oder Rahmprodnkt ist, sondern ganz oder theilwcisc andere Fette oder sonstige Substanzen enthält, ausdrücklich als ״Knnstbntter" bezeichnet werde. Ferner soll jede Handlung mit obenbezeichnetcn Artikeln an der Straßenseite ein Schild mit der Be- Zeichnung: ״Knnstbnttcr-Handlnng" enthalten, mit dem vollem Namen und Adresse der Eigenthnmer mit minbestens sechs Zoll langen Buchstaben, und zwar ent-

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