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Jeschurun · 1886-10-28 · Heft 42-43 (28.10.1886) · p. 683

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 42-43 (28.10.1886)
Article
Rußland : Odessa [Nachricht]
Date
1886-10-28
Page
683 (sequence 2)
Language
German
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wohrier, man faßte denselben und schleppte ihn in dessen Wohnung, wo man auch die gestohlenen Gegenstände fand. Darauf fiel man über ihn her und verprügelte ihn gehörig. Sein Schreien, daß ein Jude, auf den er deutete, den Mord an dem Mädchen vollfuhrt, während er selbst nur den Diebstahl vollbracht habe, wurde überhört. Nachdem so Lynchjustiz an ihm geübt, wurde er ins Bczirksgefängniß verbracht. Die Untersuchung ist im Gange. R 1t m änie n. M. 8. Aus Nmuänien, Mitte Oktober. Wenn die äußere Erscheinung über die Bedeutung einer Angclcgcnhcit entscheidend gehalten werden könnten, dann durften die rumänischen Inden anfathmen und sich in den, süßen Gedanken wiegen, daß der Antisemitismus abgewirthschaftet hätte. Ein kläglicheres Schauspiel nämlich hat sich der Welt gewiß noch nicht dargeboten, als der pomphaft angckündigte internationale Antisemitcnkongreß in Bukarest. Hier an der GeburtSstätte des ausschweifendsten Judenhasses, sollte eine imposante Kundgebung der vereinigten europäischen Indenfeindschaft veranstaltet werden. Ganz Europa sollte seine vornehmsten antisemitischen Größen hierher entsenden, so war es verkündet. Aber wenn jemals das Horazischc parturiunt inontes nascelur rklicnlus mus zur Wahrheit geworden, so ist cs hier geschehen. Die Kongrcß-MauS war in der That so lächerlich, daß die kreißenden Berge ob des Produktes ihrer eigensten Zeugung sich entsetzten unb sich nicht rasch genug verbergen konnten. Man hatte von der Negierungs: behörde das große Athcueum zur Abhaltung des KongresseS erbeten und bereitwilligst eingcräumt erhalten. Ein Empfangskomitee für die hier zusammcnströmcnden großen ausländischen Antisemiten war ernannt worden. Aber ach, cs kamen nur ihrer 13, sage und schreibe Dreizehn! Höchst ominöse Zahl! Doch nein, diese dreizehn kamen nicht, sondern sie waren schon hier, lauter längere Zeit bereits in Stadl und Land ansässige Antisemiten, vielleicht mit alleiniger Ausnahme eines ungarischen Herrn. Auch der sich als Lcrtreter Frankreichs ausspielende Herr wohnt schon längere Zeit bei nnS. Nun, die dreizehn hatten in dem ungeheuren Sitzungssaale genügend Platz. Es war schauderhaft lächerlich. Doch wenn man glauben wollte, der Judenhaß habe keinen Boden mehr im Land, so irrte man sehr. Derselbe ist so tief eingewurzelt und zur zweiten Natur geworden, daß eö einer besonder!: Kundgebung gar nicht bedarf. Die Luft, die man einathmet, ist von Judenhaß durchschwängert; nach Bukarest einen Antisemitcnkongreß zu berufen ist gleichbedeutend mit dem Ausschütten eines Eimers voll Wasser in die Donau. Man ward des begangenen Fehlers bald inne und um die Schande zu verdecken, faßte man den genialen Entschluß, nach der Kleinen Walachei, und zwar nach Krajowa, zu wandern und daselbst eine gewaltige Macht zu entfalten. Wenn denn nicht international universill, so doch national rumänisch - walachisch! Krajowa hat doch vor vierhundert Jahren (1397) den Sieg des WalachenthumS über die Türken gesehen, — der Ort bedeutet Glück! — warum sollte es nicht heute den Sieg des seit vier Jahrhunderten wahrlich nicht zivilisirter gewordenen NnmäncnthumS über die Inden schauen? Nun, in dieser ansehnlichen walachischen Provinzialstadt fanden die Herren ein noch für dergleichen Schaustellungen empfängliches Publikum. Ganz rohes Gesindel, nicht minder rohe Bürger- und Bauersleute, halbwüchsige Burschen n. dcrgl. bildeten hier das hochansehnliche antisemitische Korps, zu welchem am IS. September die Generalität aus der Bundes- Hauptstadt sich einfand. Hei, daS war eine Lust! DaS ehrcnwerthe Mitglied des rumänischen Parlaments, Herr VutcnlcScu, war der Held des Tages. Wollen Sie einmal eine Rede im ächtesten Rumänischen hören? Herr Vntcnlcscu, als edelster und wnrdigstcr Vertreter Rumäniens, hat sie in Krajowa an jenem ewig denkwürdigen zwölstcn September gehalten: ״Was thnt rnan wilden Wölfen? Man erlegt sie. ׳Was thnt man giftigen Schlangen? Man zerschmettert ihr Haupt. Was thnt man ekelhaftem Gewürm? Man zerstampft es mit dem Fuße. Nun wohlan: die Juden sind wilde Wölfe, die Inden sind giftige Schlangen, die Juden sind ekles Gewürm! Erlegt die Inden! Zerschmettert der Juden Schädel! Zerstampft die Inden unter euren Füßen!" Nun, solche Reden waren ganz nach dem Gcschmacke des anscrwählten Anditorinms. Da strömten sie hinaus ans der Versammlung und dcmolirten die Jndenhäuser, die jüdischen Schulen und Synagogen. Hei, das war eine Lust! Nur Schade, daß der rothe Hahn, den die Wackern aus der Juden Häuser jagen wollte, nicht recht zum Fluge kam; das angelegte Feuer gelangte nicht zum rechten Ausbruch. — Die Polizeiorgane schauten diesen Exzessen ruhig zu. Am andern Tage wurden auf höhere Veranlassung allerdings einige Verhaftungen vorgenommen, aber was von einer sogenannten Untersuchung hier zu Lande wird, wenn die Geschädigten Juden sind, das weiß man nachgerade. Eö ist viel jüdisches Eigenthnm vernichtet worden. Wiederum sind jüdische Familien, die sich eines bescheidenen Auskommens durch redliche Arbeit ersrcnicn, an den Bettelstab gebracht worden und schließen sich dem großen Zuge Derer an, die von Ort zu Ort pilgern und elendiglich zu Grunde gehen. — Wann wird uns der Erlöser kommen? Wir hoffen nicht ans Menschen, sondern einzig und allein auf den .רב להושיע

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