Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 42-43 (28.10.1886)
- Article
- Koßmann Berend
- Date
- 1886-10-28
- Page
- 677 (sequence 2)
- Language
- German
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077 diese mächtige Stellung ausschließlich zum Wohle seiner Glaubensgenossen und zur Förderung der jüdischen Wissenschaft benutzte. Den Spuren dieser großen Ahnen folgte Koßmann Berend. Gleich ihnen weihte er sein ganzes Leben dem Wohle seiner Mitmenschen, dem Studium und der Pflege jüdischer Wissenschaft. Er war ein treuer Jünger derselben. Bon früher Jugend bis zu seinen letzten Lebenslagen war sie der Quell seines geistigen Lebens. In der steten Beschäftigung mit ihr suchte und fand er die höchste Befriedigung Sein herbster Schmerz in den allerletzten Wochen seines Erdenwallcns war, daß er sich von ihr trennen!nutzte, daß die plötzlich rasch abnehmenden Körpcrkrüfte ihm nicht mehr ״das Lernen" gestatteten. Mit vollen Händen spendete er in den Tagen seines bedeutenden Wohlstandes nach allen Seiten reichen Segen. Niemand wandte sich vergebens an sein edles Herz. Er suchte die Armuth auf, um deren Leid zu lindern. Er vermied ängstlich damit zu prunken. Als in den! letzten Lebensabschnitte eS ihm nicht mehr vcrgönnt war. in so unbeschränktem Maße wohlzuthnn, entzog er sich selbst mancher Annehmlichkeit, um-der Armuth zu helfen. Bor allem aber war es ihm ein Bedürfniß Talmide Chachamim zu unterstützen, denen er ein aufrichtiger, hingebender Freund stets gewesen. Die Freundlichkeit seines Wesens, die hcrzgcwinnende Liebenswürdigkeit, welche er gegen Jedermann bethätigte, war die vollendetste Benvirklichung der Mahnung Schammais והיה מקבל את כל האדם בסכר פנים יפות, wie sein ganzes Leben die buchstäbliche Bethätigung der Hillel'schen Lehre gewesen: הוה מתלמידיו של אהרון אוהב שלום ורודף שלום אוהב את הבריות ״ ומקרבן לתורהFrieden liebend, nach Frieden strebend, die Mitmenschen liebend sie zur Gottcslehrc führend." In der hiesigen Gemeinde bekeidete er während zweier längerer Perioden das Amt des Präses des Gemeindevorstaudes. Er war ehedem alleiniger Kurator des von seinen Ur-Urgroßvater Berend Lehmann gestifteten Halberstädter Bcth-Hamidrasch,!heilte sich aber später in der Verwaltung desselben mit Herrn Benjamin Hirsch in Halbersladi. Ebenso war er bis in die letzten Jahre Vorsteher für das heilige Land Namens der Amsterdamer Verwaltung. Er führte den Titel Hofagent. Wie sein wechsclvollcs Leben getragen war von inniger Gottesfurcht und aufrichtiger Frömmigkeit, so ist er auch von Humen geschieden, mit dem Bekenntnisse des קבלת עול מלבות שמים. Seine stammelnden Lippen flüsterstcn das שמק und sein letzter Athcmzug gab den Worten בבל לבבן״ vernehmbaren Ausdruck. Au seiner Bahre sprachen die Herren Landrabbiner Dr. Gronemann Hierselbst und Klausrabbiner Nobel ans Halbcrstadt in beredten Worten. Ein zahlreiches Gefolge bezeichnete die hohe Achtung und Verehrung, welcher der Er-, *afciic mit so vielen! Rechte sich zu erfreuen hatte. Sein Andenken wird in unserer Mitte unvergcßlich fortleben, als dasjenige eines der leider seltener gewordenen Männer, in welchem, wie Herr Dr. Gronemann treffend hcrvorhob, תורה und דולה) in harmonischcr Vereinigung in die Erscheinung trat. .ת״ג׳צ״ב״ה (!)iftfmil. Bon Nciphtali Simo n. " _ (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 3־ ״Laß nach," fuhr er fort, als sein Freund ihm entgegnen wollte. ״Möglich, daß Du Recht hast. Ich kann aber nur handeln, wie cs mir mein Herz und mein Gemüth eingiebt." Mansfeld hatte in höchster Erregung seinen Freund verlassen. Er wollte keine Minute unthätig bleiben. Als rin in der Bürgerschaft hoch angesehener Mann durste er sich allerdings einen nicht geringen Einfluß zuschreibcn. Er sowohl wie Friedlich und die anderen jüdischen Mitglieder des BürgcrvereinS, welcher aus der Elite der Einwohner Wclsingenö bestand, zählten zu dessen beliebtesten Vcrcinsgenosscn. Es hatte sich bis jetzt in den Kreisen dieser Vereinigung auch nicht die leiseste Spur einer jn-cnfciudlichcn Gesinnung gezeigt. Mansfeld glaubte, den intimen Verkehr, welchen er mit den ersten Bürgern der Stadt pflegte, als ein lmtrügliches Zeichen aufrichtiger Freundschaft und vorurthcilsloscr Gesinnung betrachten zu können. Zeugte doch auch außerdem die wiederholte Wahl FricdlichS in das Stadtoerordnetcn-Kollegium für diesen freien, gebildeten Sinn der überwiegenden Mehrheit der Wclsinger. Mansfeld suchte die ihm am meisten befreundeten Mitglieder dcS Bürgervcreins ans, umsie zu einem energischen Proteste gegen die judenseindliche Haltung des Vorstands zu veranlassen. Dein Bedenken seines Freundes Friedlich trug er nur insofern Rücksicht, als er zu einer solchen Verwahrung nicht die jüdischen Bereinsmitgliedcr, sondern ausschließlich christliche aufzufordern gedachte. Er fand sich aber bei diesen! Beginnen bitter enttäuscht. Ein Jeder sprach sich in hohen! Grade mißbilligend über die von dem Vorstände erlassene Einladnng an den Antiscmitenhäuptling aus. Ein Jeder aber erklärte auch, daß er eine Agitation gegen den