Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 42-43 (28.10.1886)
- Article
- Jüdische Briefe aus und über Rußland
- Date
- 1886-10-28
- Page
- 671 (sequence 2)
- Language
- German
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Schüler und Genossen. Sie bauten eine Literatur an im Geiste und in der Weise Isaak Ber Lew'msohns. ES entstanden Bücher und Zeitschriften, welche seine Knust pflegten. Trenbrnch und Abfall vom Judenthum im Innern und Frömmigkeit von Außen, intensivster Haß gegen die väterliche Religion unter dem Deckmantel der begeisterten Liebe für Israel; Blendwerk, Täuschung, Heuchelei — sind die charakteristischen Kennzeichen dieser Literatur. Sie verfolgt in itjren zahlreichen Bestandtheilen mit Beharrlichkeit das doppelte Ziel: Vernichtung des Judenthnrnö einerseits, die Gewinnung der ausschließlichen Herrschaft über die russische Juomheit andererseits. Es liegt Methode in dem ganzen Gebühren dieser Literatur. So gingen sie darauf aus, die Großen in den Staub zu ziehen und die Kleinen auf das hohe Piedestal zu setzen. Da ist z. B. Herr Samson Bloch, Verfasser von geographischen Werken in hebräischer Sprache u. A. m. Er hat auch eine Lebensgeschichte RaschiS verfaßt. Nun weiß jeder nur einigermaßen Kundige, welchen hohen wissenschaftlichen Rang Rasch! mit vollem Rechte einnimmt. Bloch aber stellt ihn mit unter die zeitgcnössischen Gelehrten. Aus welchem Grunde ist klar. Wenn der gefeierte Name Rasch! herabgewürdigt, und gezeigt wird, wie die ihm bislang zugewendete Verehrung auf irriger Erkenutniß seines Werthes beruht, so würde man im Volke auch leicht geneigt sein, die ererbte Hochachtung von der Größe unserer Talmud- Heroen, und dann auch unserer Propheten, abzulcgen, und dadurch wird natürlich dem Werke der Zerstörung wesentlich Vorschub geleistet. Diese Herabwürdigung der wirklich großen und bedeutenden Männer unseres Volkes steht m inniger Wechselbeziehung zu der Verhimmlung ephemärer Geister. Mau sehe doch nur, wie z. B. Männer, wie der Arzt Markus Herz, oder Josef Perle oder gar David Friedtäuder u. Ä. von dieser Literatur in den Himmel gehoben werden. Was kümmert es sie, daß z. B. dieser Letztgenante geradezu ein Verächter des JndenthumS war? Man übertreibt ihre Leistungen bis ins Unendliche, man trägt die allerstärksten Farben auf, um darzuthnn, daß gerade sie die eigentlichen Säulen dcS Judenthums sind, daß sie die rechte Erkcnniniß verbreitet, daß sie die wahren Lehrer und Wohlthäter des jüdischen Volks sind, daß man ihrem Gedächtniß in dankbarer Verehrung Monnmente errichten und zu Ehren ihres NanienS dauernde Gedenktage im jüdischen FestMus stiften sollte. Solche und ähnliche Teudeuzschriften brachten diese Literatoren in Menge hervor zur Verbreitung der Lüge und des Abfalls. Wenn es heißt: Das Ende der Früheren, deren Verschuldung offenbar, ist bekannt, der Späteren Ende aber, deren Schuld nicht mitgetheilt worden, ist nicht enthüllt, so läßt sich dieser Satz auch auf die Reform anwenden. In Deutschland ist der Jrrthnm und Frevel offenkundig, darum läßt sich auch deren Ende absehen. Die Vertreter der Reform in Deutschland treten mit ihren destruktiven Bestrebungen offen auf. Sie bekannten sich zum Abfall vom alten Judcnthum und sprachen unverhohlen die Absicht aus, die Reform a!S ein neues Judenthum zu begründen. Der weitere Verlauf dieser Bestrebungen in Deutschland läßt sich erkennen. Unsere treugebtiebenen Brüder dieses Landewußten sich zu ermannen und vor der ihnen und ihren Kindern von diesen Reformern drohenden Gefahr zu warnen und zu schützen. Sie vermochten das Getriebe der Reformen zu durchschauen. Sie konnten erwägen, ob von Seiten derselben vielleicht auch etwa gewisse Bestrebungen gefördert werden, welche für die Bessergestaltung der politischen und bürgerlichen Verhältnisse der Juden von Nutzen wären, die darum auch seitens der^Gcsetzeötreuen zu begünstigen sein möchten, oder ob mau nicht besser handeln würde, sich mit ihnen gar nicht einznlassen wegen der Gefahr, die aus einem Anschtusse an dieselben für das religiöse Wohl entstände,׳ so daß cs gerathener wäre, auch für die Erreichnung der gleichen Ziele gesondert zu wirken. Anders aber bei uns. Unsere Reformer wandelten auf geheimen Wegen und verhüllten ihre wahre Absichten, darum lassen sich der weitere Verlauf und die Folgen ihrer Bestrebungen nicht klar bestimmen und das von ihnen angcrichtete Unheil ist ungleich größer und verderbenbringender. Unsere Reformer treten mit geschloffenem Bisir ans dem Kampfplatz und entsalten eine fatsche Fahne. Sie geben sich nicht offen als Feinde des traditionellen Judcnthnms, sondern geriren sich als Freunde und Förderer einer mit Gottesfurcht und Begeisterung für das Judenthum verbundenen Bildung und Aufklärung. Der neologische Gedanke ihres Herzens und das Ziel der Zertrümmerung des erhabenen Gebäudes unserer göttlichen Religion ist der großen Menge verborgen und liegt in ihren Schriften nur für die Kundigen und Einsichtigen klar vor Augen. Sic nennen sich allesammt Talmudisten, Orthodoxe — selbst die offenbaren Sabbathschänder unseres Landes neunen sich nicht Reformer. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. H. HlmrdLSNI, 25. Okt. In gewissen hiesigen Kreisen ist man von einer Kundgebung höchst unangenehm