Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 41-42 (13.10.1886)
- Article
- Australien : Neu-Seeland [Nachricht]
- Date
- 1886-10-13
- Page
- 661 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2932754-2933154-2933195--23252-2967429- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
661 siedelung resp. Anlegung von Kolonien cupfohlen werden. Die an der Plentybay (Bucht derFruchrdirkcit) gelegenen Landstriche sollen ganz besonders wegen ihrer Ergiebigfeit an Bodcnprodukten, Metallreichchum, Kohlenlagern rc. sich zu solchem Zwecke eignen. * Melbourne, 20. - August. Hier ist die Gründung einer Iewish Literary SoMty. in Aussicht gcnonuncn. Die Gesellschaft soll den Zweck haben, das Studium der jüdischen Geschichte und Literatur in jeder Beziehung zu fördern und zu unterstützen. Asien. * Einer der bedeutendsten Orient Listen, der Asien aus eigener Anschauung genau kennt, HcnrA. Sprenger, welcher lange Jahre als Professor in Kalkutta lebte, hat ein höchst bcachtcnSwertheS Werk ״Babylonien, das reichste Land in der Vorzeit und das lchnendstc KolonisationSfeld für die Gegenwart" kürzlich wschcinen lassen. Babylonien ist das Land, mit welchedie Geschichte des jüdischen Stamms in inniger Beziehung steht. Es dürften deshalb die folgenden Notizen mit ohne Interesse für ein spezifisch jüdisches Organ sein. Zur Zeit des Kalifen Manum (819 der gew. Zcitrichnung) brachte die vom Staate in natura als eing^gene Getreideliefcrung nach heutigem Gelde etwa 65 Millionen Mark ein. Aus den 24 Millionen Hektaren ließe sich heute bei rationeller Behandlung des seit JLrhunderten arg verwalteten, verödeten Bodens ein;ehrlicher Ertrag von 1320 Millionen Mark erzielen. Man kann dort im Frühling und Herbst crndten. Wcstn, Baumwolle, Taback, Mais, Indigo und Dattelpalmm gedeihen dort üppig. Die Naphtaquellen sind unerscherstich. —Sollte nicht für die jüdischen Emigranten hier ein Gebiet der Ansiedelung geschaffen werden könnend Man müßte natürlich mit der türkischen Regierung in Verhandlung treten und deren besonderen Schutz und Förderung des Kolonisationswerks sich garantircn lasier Wie unser Ahn hierher Kalk. Einer spcmischeil Familienchronik nacherzähU von Leander. ״Kinder, seid ruhig, Großvater will schlafen, stört ihn nicht." ״Ach, Mütterchen, Großvater schlä'r ja gar nicht, er Lhut nur inlmer so," erwiderte mein altkluges geschwätziges Töchterlein. ״Kürzlich har cs Großvater ganz gut gehört, als Paul Löwenthal sarre: Das Essen in der Sukkoh und der Lulow imb *er ganze Kram wäre alles dummes Zeug; wir wären -.mch ungebildet, daß wir so etwas noch hielten — und ich gehe doch iit die höhere Töchterschule und bin gewiß gebildet. Da hat sich denn Joseph so geärgert, daß er Paul schlagen wollte und da — ״Ach was, Paul ist ein dummer Junge" — ״Ja, das sagte Großvater auch. Sich, er saß da in seinem Lehnstuhl und hatte die Augen geschlossen, und wir meinten Alle, er schliefe, aber nun hat er cs doch gehört, was Paul sagte — und siehst du, Mütterchen, jetzt hat Großvater auch gehört, was wir eben sagten." Mein Töchterchcn lief hurtig aus meinen Schwiegervater zu, der lächelnd zu uns hcrübcrsah: ״Nicht wahr, Großvater, Paul ist ein dununer Junge, und Sukkoh und Lulow sind kein dummes Zeug." ״Nein! liebe Esther, denn der liebe Gott hat es befohlen, daß wir in der Sukkoh wohnen sollen; dadurch sollen wir eben zeigen, daß wir uns auch in der Hütte, ohne schützendes Dach in Gottes Schutze sicher fühlen. — Und unsere Familie hat cs gerade diesem Gottvertrauen, das besonders an einem Sukkothfeste belohnt wurde, zu danken, daß sie überhaupt hier exlstirt." ״Wieso denn, lieber Vater", warf ich ein, ״ich denke doch, daß unsere Familie schon niedrere Jahr- Hunderte hier ansässig ist." ״Das ist auch wahr, aber trotzdem haben wir unsere Hcimath einem Sukkothfeste, ja sogar direkt einem Lulow und Eßrog zu verdanken. Es ist dieses durch Familientradition überliefert worden, und wenn ihr wollt, erzähle ich es Euch." ״Ja, bitte, bitte," tönte es von den Lippen meiner hoffnungsvollen Sprößlingc im Chorus. Nun sing das Krabbeln und Lausen an; die kleine 4jährige Sarah kletterte ans des Großvaters Kiiiee, weil sie aus dem allgemeinen Aufstaude entnehmend, daß der Großpapa etwas erzählen wollte, wahrscheinlich das schöne Märchen, wie sie meinte, aus nächster Nähe hören wollte. Mein Mann, meine Mutter und ich nahmen ebenfalls Platz, um zuzuhören. Als allgemeine Stille cmgctreten war, begann mein Schwieger- Vater, nachdem er noch ein paar Züge aus seiner Pfeife gethan hatte: ״Ihr werdet, ein Theil von Euch wenigstens, wissen, daß unsere Glaubensgenossen in Spanien einst glücklich und angesehen lebten, hohe Ehrenämter beim Könige bekleidete!l, kurz, völlige Gleichstellung mit ihren nichtjüdischen Mitbürgern genossen. Da begann die furchtbare Inquisition ihre Blntgerichte abzuhalten, die Autodafes, die Scheiterhaufen der verurthcilten Inden brannten im gesegneten schönen Spanien. Man hatte es zuerst auf die sogenannten Maranncn, dicjenigcrr Juden, welche aus Angst zum Christenthnm übergetreten, heimlich doch noch den jüdischen Gebräuchen und Gesetzen folgten, abgesehen. Aber bald ging es jedoch