Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 41-42 (13.10.1886)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1886-10-13
- Page
- 657 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 41 «. E 65? Zeschrrmm, Korrchlllldenzen und Nachrichten. Deutschland. -K Hannover, 14. Oktober. Ja der heutigen Nummer des ״Hannoverschen Tageblatts״ befindet sich eine Notiz über die jüngste Sitzung des RepräsentantenkolleginmS, welche einer Richtigstellung bedürftig ist. Die Frage, ob die 4prozentige Synagogenbaujchnld (etwa 170 000 Jk) in eine 3'/2 prozentige zn verwandeln sei, ist noch gar nicht entschieden worden. Vielmehr wurde hierüber die Beschlußfassung ausdrücklich ausgesetzt. Hingegen wurde beschlossen, eine Herabminderung der Zinsenlast für die übrigen Gemeindeschulden ad p. m. 80000 Jtk dadurch anzubahnen, daß der Vorstand autorisirt wurde, die Annahme einer Anleihe mit einem Zinsfuß von höchstens 4 Prozent und '/2 Prozent Amortisation vorzubereiten. Da die Obligationen der Synagogenbauanleihe zum größten Theile (etwa 117 000 Jk) sich im Besitze von wohlthätigen Stiftungen und Vereinen befinden, deren Einnahme durch Herabmindernng des Zinsfußes von 4 Prozent geschmälert werden würden so dürste es allerdings noch sehr der Erwägung bedürfen, ob das Repräsentantenkollegium wohl thnn würde, eine Konvertirung dieser Schuld in eine 3'/2 prozentige zu beschließen. II. Hamburg, 10. Oktober. Obgleich Sie, geetjrtcr Herr Redakteur, nur selten von den Auslassungen der ״Israelitischen Wochenschrift" Notiz nehmen, so bitte ich dennoch, mit diesen Zeilen eine Ausnahme zu machen und sie der Oeffentlichkeit nicht vorzuenthalten. Wie nicht anders zu erwarten war, hat dieses von dem Rabbiner Dr. L. Nahm er zu Magdeburg herausgegebene Organ ״Des BreSlauerthumS", wie Sie es einmal richtig bezeichnetcn, es sich nicht nehmen lassen, die ״Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" in der der ״Wochenschrift" eigenthümlichen Weise zu begrüßen. Was nur an Hinterlist und Gemeinschädlichkeit ersonnen werden kann, bindet sie diesem kaum ins Leben getretenen Verein auf, so daß jeder anständige und wohlgesinnte Mensch sich von ihm mit Abscheu abwcnden müßte, wenn — es nicht die genugsam wegen ihrer ganz besonderen Nesvektabilität und Wahrheitsliebe geschätzte Rahmer'sche Zeitung wäre, welche diese Beschuldigungen erhebt. Man kann es wahrlich allen denen, die zu den Verehrern der Wochenjchrist sich zählen und in ihren Aussprüchen Wahrheit und jüdischen Geist zu erkennen gewohnt sind, keines- Wegs verübeln, wenn sie in der Freien Vereinigung für die Interessen des vrthtzdoxm Judenthums daö AuSbund alles BöseS erblicken und sich staunend fragen, wie es nur möglich sei, daß so viel Schlechtigkeit auf Erden existtrt, Gott aber dafür danken, daß er der Welt in der Rahmer'schen Wochenschrift einen so frommen und tapferen Wächter und Ritter der Tugend und Unschuld bestellt hat, um die harmlosen Menschen vor dieser Tücke und Bosheit zu warnen und zu schützen. Unter den vielen gr.'gett und fürchterlichen Verbrechen, welche der junge Verein aber trotz seiner Jugend bereits verübt hat und noch fernerhin begehen wird, zählte als eines der schrecklichsten, daß er von einem orthodoxen-gesetzestreuen Judenthum zu sprechen wagt. Die sonst so wortreiche Wochenschrift hat einer solchen furchtbaren Unthat gegenüber nicht Ausdrücke des Abscheus genug zur Disposition. Sie schlägt ob solcher Niedertracht die Hände zusammen und bricht in den Ausruf tugendhafter Entrüstung aus: ״Ein non plus ultra jesuitischer Taschcnspielerei!" Sie behauptet: ״gesetzestreu sind alle Rabbiner Deutschlands, ,orthodox^ nur die Jesuiten unter ihnen, die ad majorem dei glomm jedes Mittel für erlaubt halten." Demgemäß erklärt sie orthodox und gesetzeötreu als ״himmelweit von einander verschieden." Nach dieser sehr glänzenden Beweisführung würde also Folgendes feststehen: 1) GesetzcStreu sind alle Rabbiner Deutschlands — also auch die orthodoxen. 2) Die Jesuiten unter den Nabbinern Deutschlands sind auch gesctzcstreu, da sie doch auch zu den ״allen Rabbinern Deutschlands" zählen. 3) Diese Jesuiten-Nabbiner sind orthodox. ES ist nur nicht klar, ob diese letzteren orthodox sind, weil sie Jesuiten sind, oder Jesuiten, weil sie orthodox sind. Das aber hat die Weisheit der Wochenschrift jedenfalls erklärt: Alle Rabbiner Deutschlands sind gesetzestreu — natürlich vor allen Andern der Rabbiner-Redakteur der Wochenschrift. Nur wären wir begierig zu wissen, was sie unter gesetzestreu versteht. Ist man gesetzestreu, wo man das Gesetz mißachtet, wo man eS nicht beobachtet? Kennt die Wochenschrift keine Rabbiner in Deutschland, welche konstant במזיד Vorschriften des jüdischen Religionsgcsctzes mißachten und nicht beobachten? Dann wäre sie aber wahrlich sehr naiv und unschuldig. Und ferner, was ist jesuitisch? Vielleicht erhalten wir von der Weisheit der Wochensd)rift darüber eine besondere neue Erklärung. Wir meinen in unserer Beschränktheit, daß man darunter ein heuchlerisches Gebahren versteht, welches recht fromm und tugendhaft sich giebt, dabei aber den Schalk im Busen trägt; wenn z. B. Jemand sich als gesetzeStrcu ansgiebt, dabei aber dem Gesetze ein Schnippchen schlägt, lediglich um die Welt zu täuschen, wenn z. B. Jemand versichert, die reine lautere Wahrheit zn sagen, dabei aber in demselben Athem Behauptungen ausstellt und Dinge erzählt, die mit der Wirklichkeit im Widerspruch stehen. Nun, in diesem Sinne ist wohl Niemand von dem Jesuitismus entfernter als die freie Vereinigung, welche offen und unverhohlen mit ihrem ganzen PrLgarnm