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Jeschurun · 1886-10-13 · Heft 41-42 (13.10.1886) · p. 656

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 41-42 (13.10.1886)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1886-10-13
Page
656 (sequence 2)
Language
German
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656 feit bestrebt ist, sich in ehrlicher Weise fortzubringen, seinen ehrlichen Namen zu erhalten und diesen seinen Kindern zu vererben. Allein er ist dies trotz allen Fleißes, aller Sparsamkeit und Entbehrungen auSzuführen nicht im Stande, und cs giebt kein Beispiel, daß in ganz Galizien sich auch nur ein jüdischer Händler durch Bankerotte bereichert oder Vermögen erworben hätte- 3m Gcgenthcil. Sobald er ein- oder zweimal abgehandelt hat, ist er ein armer Mann in des Wortes härtester Bedeutung und muß zum Bcttlerstade greisen. Man wird cinwenden, ja, warum werden denn dann so viele polnische Juden Handelsleute? Ja, welchem Berufe soll er sich denn eigentlich znwenden? Indische Handwerker und Professiouiften giebt es in Galizien ohnedies genug, ja diese MctierS sind in Galizien fast ausschließlich in Händen der Inden. Auch bem Studium widmet sich eine große Zahl polnischer Inden. Allein, da sie nnbcmittelt sind, können sie dem Studium nur unter größten Entbehrungen obliegen und haben sie endlich einmal den Doktorgrad erlangt, so werden sie, weit sie Juden sind, überall präterirt, oder es wird ihnen ein mit Jordanwasser gefüllter Flakon vor die Nase gehalten. Es ist ein trauriges Geschick, in Galizien Händler zu sein, und wir wünschen den Protektoren des Organs des ״Deutschen Klub", trotzdem sie, wie es den Anschein hat, die jüdisch-polnischen Händler beneiden, kein gleiches Loos. 6. Wien. Die Friedhofs-Kommission empfiehlt den! Gcmeinderathe, zur Erweiterung des israelitischen Friedhofes um 5000 Quadratmeter, unter den Vedingungen des Ankaufes der Friedhofsgrunde von Seiten der Kultusgemeinde, die Genehmigung zu ertheilcn. * Pest, 8. Oktober. Die ״N. j. P. Ztg." schreibt: Bekanntlich wurde die Stadt Prcßburg zur Zahlung von 5000 Gulden vcrnrtheiLt zur Deckung der Kosten für das zur Untcrdrücknng der Judenkrawalle verwandte Militär. In der gestrigen Sitzung des Reichstages meldete der Präsident an. eine Petition der Stadt welche um Nachlaß der erwähnten Summe bittet. * Aus Galizien wird der ״N. Fr. Pr." von vollkommen vertrauenswürdiger Seite die Abschrift eines Anfrnfeö mitgetheilt, der den -Zweck hatte, das Landvoll zu Gcwalrthätigkeiten gegen dieJuden aufznhetzen. Besonders bemcrkcuSwerth ist, daß dieser Ausruf znm Zwecke der Täuschung der Bauern im amtlichen Stile abgefaßt, und daß in demselben sogar der Name des Kaisers gemißbraucht worden war. Die uns über dieses verbrecherische Kvmplot zugekommene Mittheilnng lautet: Kurz vor dem jüdischen Neujahrsfeste wurde an mehrere OrtSgcmeinden des Bezirkes Cieszanow eine ״Aufforderung" (polnisch ״wczwaaie") versendet, ab gefaßt im üblichen Amtsstile und versehen mit der Unterschrift des SezirkShauptmanneS und dem Amtssiege!. Diese Aufforderung hatte nachstehenden Wortlaut: ״Im Namen .... wird die Gemeinde aufgefordert, Vorbereitungen für den 29. (September 1886, 9 Uhr Abends, zu treffen, damit dieselbe in den Stand gesetzt sein soll, wenigstens hundert junge und tüchtige Bauern, versehen mit Sensen und Hacken, zur anberaumten Zeit nach Cieszanow zu entsenden, um die Inden zu morden und zu plündern, da zu dieser Zeit anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes säntmtliche Juden beisammen sind. Dieses Massakre ist sowohl vom Landtage in Lemberg, sowie vom Reichstage in Wien angeordnet und beschlossen und von ..... sanktionirt worden!" Jedes Schriftstück trägt die genau nachgeahmte Unterschrift des BezirkshauptmanneS, Herrn Ciszka, und das Amtspetschaft in Siegellack. Obschon unser Landvolk keine konfessionelle Gehässigkeit kennt und noch nie eine Neigung zu GewalLthätigkeiten gegen dieJuden kundgab. hätte diese Aufhetzung ׳an einzelnen Orten doch von bedauerlichen Folgen begleitet sein können.. Glücklicherweise kam noch rechtzeitig der Ortsrichter von Lublieniec (nächst Cieszanow) mit dem Schriftstücke zum dortigen Pfarrer, der sogleich die gefährliche Tendenz dieses Aufrufes erkannte und in die Stadt eilte, um den Bezirkshauptmann hiervon in Kenntniß zu setzen. Dank der Energie des BezirkshauptmannS, Herrn Rudolph Ciszka, der sofort die umfassendsten Recherchen anstcllte,' gelang es noch am selben Abende, den Schreiber des Schriftstückes zu erniren. Cs war dies ein fünfzehnjähriger ganz ungebildeter Bursche, Sohn eines Fleisäsielchers und Restauratenrs in Cieszanow. Derselbe gestand zwar gleich ein, daß dies seine Handschrift sei, über den intellektuellen Urheber des Schriftstückes jedoch verweigerte er jede Aussage, indem er blos angab, daß ein ihm unbekanntet Herr, der in der Restauration seines Vaters dinirte, ihm Len Inhalt diktirt habe. DaS Amts- Petschaft wurde dadurch hergestellt, daß der Siegellack- Abdruck von alten, vom Amte als Makulatur verkauften Viehpässen abgenommcn worden war. Der Bursche wurde sofort in Haft genommen und die Gendarmerie beordert, sämmtliche Ortsgemeindcn über die Provenienz des Schriftstückes zu verständigen und ihnen die Abschriftcn abznverlangen, um so jeder Gefahr einer Ausschreitu'ng vorznbeugen. 31. Stanislaw (Galizien), 4. Tischri. In dem unfern von hier gelegenen Kalisch ist vor vierzehn Tagen ein furchtbar, verheerendes Feuer ausgebrochen, durch welches fast vierhundert von Juden bewohnte Häuser in Asche gelegt sind. Fast zweitausend Personen sich ob dach- und vermögenslos geworden. Ein Aufruf zur Unterstützung der unglücklichen Brüder ist! erlassen, hoffentlich mit günstigem Erfolg. ד, ירחם 1 ע?* עמר. f*

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