Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 41-42 (13.10.1886)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1886-10-13
- Page
- 655 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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655 dem Handel zu" — hat nicht Herr Stöcker so und so oft das gleiche gepredigt? — So könnte man noch eine große Anzahl Vergleichspunkte aufsuchen, die schließlich uns das Fazit ziehen lassen: Das Ziel der antijüdischen Bewegung — mag sie mm in Gestalt der christlich-sozialen Partei, der Bekämpfcrin der jüd. Religion austreten, mag sie als D. A. B — ober wie er sich mit Emphase nennt: ״der unverfälschte und krasse Antisenntimns" — als Bekämpfcrin der Nasse gegen uns heranziehcn, — das Ziel ist das Gleiche: Möglichste Unterdrückung der Juden auf allen Gebieten des politischen und sozialen Lebens. Daß übrigens der Antisemitismus in mancherlei Gestalt gegen uns zu Felde zieht, ist uns nichts Neues — unsere ganze Vergangenheit ist Zeuge von der ProtenSgestalt dieses unseres Gegners! — Im Einzelnen auf die beiden obengenannten Versammlungen einzugehen, halten wir für überflüssig; sie brachten außer der Erörterung des angeblich prinzipiellen Unterschiedes der beiden antisemitischen Vereine nichts besonders Neues aufs Tapet. * Berlin, 1l. Oktober. Das ״Berl. Tgbl." schreibt: In einer Privatsynagoge, bei Sccfcld in der Grenadierstraße, sank am Sonnabend Vormittag während des Gottesdienstes, wie der B.-C. mittheilt, der nennundsiebenzigjährige Vorbctcr Benjamin plötzlich;11 sammen und hauchte seinen Geist aus. Ein Herbergerufcner SanitätSrath konstatirte Entkräftung als die Ursache des plötzlichen Todes des Greises. Oesterreich-Ungarn. G. Wien, 10. Oktober. Es ist wahrhaft betrübend, daß unter Denjenigen, welche als die Vertreter des Deutschthumö in Oesterreich gelten, es auch eine ganze Partei grebt, die in dem Punkte des Judenhasses auf dem gleichen Niveau der Bildung sich bewegen, wie die stupidesten Steppensöhne an der Theiß und Wolga. Da existirt ein ״Deutscher Klub", dessen Organ im Antisemitismus ganz Hervorragendes leistet. Kürzlich brachte es unter dem Titel ״Tarnopoler Moral" eine Expektoration, nach welcher die jüdischen Kauflcute in Galizien geradezu als eine Rotte Betrüger und böswilliger Bankerotteure gekennzeichnet werden, die in den den armen Wiener Großhändlern adgeschunndeltcn Reichthümern schwelgen. Die ״Ocsterr. Wochenschrift" erwidert auf diese Verdächtigungen in ihrer Nr. 40 in treffender Weise, eS sei allerdings leider richtig, daß die galizischen Händler cS wirklich auf keinen grünen Zweig bringen können. Wenn der polnische Jude nach Wien die paar hundert Gulden, die er Lm Schweiße seines Angesichtes mit seiner Hände Arbeit,.als Tagelöhner oder Pferdeknecht erspart hat, bringt, um hier Waaren zu kaufen, so büße er nach kurzer Zeit nicht nur sein eigenes Vermögen ein, sondern sei gezwungen, sich mit seinen Gläubigern zu cwrangiren. Allein wir müssen den Spieß nmdrehen. Der polnische Jude ist dabei der Geschädigte. Man betrachte sich nur die großen HaiidlnngShäuser, die Jahrzehnte lang mit polnischen Juden in Handelsverbindung stehen, und welche angcblich von den polnischen Juden durch Zahlungseinstcllnngcn und Kridas betrogen werden. Alle diese großen Handlungshcrren haben sich dabei wohlbefnnden und sind vielfachc Millronäre geworden, während das Ende eines jeden polnischen Händlers der Bettelstab ist. Die von den polnischen JZeden angeblich so arg geschädigten Kanfhcrrm: Lieb kg,' Schmidt, S chr oll. Hei «sch cl, Gau ahl, Ge tzn er, Leitenbergcr und tutti quanti haben sich, dies ist eine unwiderlegbare Thatsache, die vielen Millionen VermögenS znm nicht kleinsten Thcile von dem Handel mit polnischen Inden erworben, wahrend es in ganz Galizien keinen polnischen Händler giebt, der in Wohlstand gestorben wäre. Thatsache ist, daß diese großen Handelsfirmen sich polnische Inden als Abnehmer ihrer Waaren schaffen müßten, wenn sie sie nicht besäßen. Dem polnischen Juden, der ans Kredit angewiesen ist mid der sich daher Alles gefallen lassen muß, wird allerhand Povelwaare angehängt, mit deren Verschleiß er sich zn Hanse vergebens und erfolglos abmüht. Während die großen Kansherrcn hiebei altcrum tantum gewinnen, müht sich der polnische Händler vergebens ab, die ihm kreditirte Waare, welche in der Regel rlmanenz und in anderen Grönländern unverkäuflich ist, auch nur mit dem kleinsten Nutzen an den Mann zu bringen. Es ist weiter eine mWrderlegbare Thatsache, daß die milliouenreichen, mit polnischen Händlern in Verbindung stehenden Fabrikherren in fürstlichem Ueberflnsse leben, in Palästen wohnen, kurz, sich keinen Luxus versagen. Mari betrachte sich dagegen das kümmerliche Dasein, welches der polnische Händler führt. Die FabriksmillionSre kennen doch die Anstände in Galizien aus eigener Anschauung, und sie müssen es selbst zngestehen, daß -er polnische Handelsjnde hungert und darbt, die ganze Woche sich von trockenem Brot und etwas Branntwein nährt, daß er armselig wohnt, wie ein Bettler gekleidet geht, und daß überhaupt von Luxus bei ihm keine Rede sein kann. Wo waren dann die Neichthnmcr, die sich die polnischen Händler durch die vielfachen Bankerotte erwerben? Die Ursachen der Verarnnmg und. des Niederganges der polnisch-jüdischen Handelsleute, respektive der öfteren Zahlungseinstellungen, sind daher anderswo zu suchen, und nicht die polnischen Händler sind die Betrüger, sondern in' vielen Fallen sind diese selbst die Betrogenen. Wer mit den einschlägigen VerlMmssen in Galizien vertrant ist, der wird -es bestätigen muffen, daß der polnisch-jüdische Händler -mit aller ihm von Natur.angeborenen.Findig?.