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Jeschurun · 1886-10-13 · Heft 41-42 (13.10.1886) · p. 654

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 41-42 (13.10.1886)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1886-10-13
Page
654 (sequence 2)
Language
German
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654 exemplar, nicht dem Sultan, sondern dem Rabbin er von Marokko bestimmt ist. Dieser nämlich hat sich in seiner Eigenschaft eines österreichischen KonsulS auch öfters für deutsche Interessen thätig gezeigt und sollte .durch das kaiserliche Geschenk ausgezeichnet! werden: * Berlin, 10. Oktober. Gegen den Redakteur deL ״NeichSfrennd", Emil Barth, gelangte gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts L eine Anklage wegen Beleidigung durch die Presse zur Vcr- Handlung, welcher eine Bricskastennotiz zu Grunde lag, die in der Nummer vom 26. Juni׳ d. I. in dem gcnannten Blatte erschienen war. ES wurde in demselben einem Anfchrcibenden aus Neichenbach!. Schl, die Antwort ertheilt, daß das antisemitische Gebühren des dortigen NealgymnasialLehrcrs Hoffman«, der seine politische Gesinnung den Schülern von Eltern gegenüber, welche der liberalen Partei angehörten, in mißbränchlicher Weise zur Geltung bringe, bereits durch mehrere Briese aus Ncichcnbach genügend iltuftrirt worden wäre, jedoch sei die Ansicht der Betreffenden, daß eine Beschwerde bei dem Vorsteher des Gymnasiums, Profcssor Dr. Beck, erfolglos sein würde, weil derselbe gleichzeitig Vorstand LcS konservativen Vereins sei, eine irrige, Hierdurch fühlte sich der Lehrer Hoffmann beleidigt und stellte den Strafantrag. Ter Angeklagte räumte seine Verantwortlichkeit ein, wollte eine Beleidigung in der Notiz aber nicht erblicken können. Die Person des Klägers sei ihm nebensächlich, und eS ihm nur darum zu thnn gewesen, die irrige Meinung der Betreffenden, daß eine Beschwerde erfolglos sein würde, zu widerlegen. Der Verthcidiger, R.-A. Kaufniaun, erbot sich, den Beweis der Wahrheit anzutreten und überreichte dem Gerichtshof vier Briefe von Reichenbacher Bürgern, in welchen dieselben, sich auf Mittheiiungcn ihrer Söhne stützend, über das oben bezeichnete Gebühren des Lehrers Hossmann Beschwerde führten. Der Gerichtshof gab dem Anträge statt und vertagte die Verhandlung. ES sollen die erwähnten Briefschreiber, deren Knaben und der Lehrer Hoffmann kommissarisch vernommen werden. (Berl. Tgbl.) -a- Berlin, 10. Oktober. Nassensrage oder RekigionSfrage — das ist die Losung, welche die antijüdischen Kämpfer in zwei Lager theilt. Für uns kann eS allerdings im Großen und Ganzen egal sein, auf welchem Wege uns zu Leibe gerückt wird, da wir in Bezug aus nnö keinen Unterschied von Nasse und Neligion kennen. Denn nichts Anderes unterscheidet uns von unseren übrigen Mitnlcnschen. als eben unsere Religion.' Sie drückt uns unseren eigenartigen Stempel auf, ohne sie sind wir eben keine Juden — nur mit ihr läßt sich von einer Judensrage reden. Anders stehts indeß mit unserern Gegnern׳; bekämpfen diese uns als Nasie — nun, so ist dies gleichbedeutend mit einer Hin׳- mctzclung, so hört der Kainpf erst dann auf, bis selbst der letzte Menschcnsproß, in deren Adern auch nur ein einzig Tröpfchen jüdischen Blutes fließet, dahingemordct ist. Der Kampf gegen die Religion ist allerdings nicht so mörderisch; hier kommts nicht auf ein einziges Blutströpfchen heraus — mit wenigen Wassertropfen ist die Sache abgcthan. So sch'emts allerdings, wenn wir die letzten Vorgänge im antijudischen Lager betrachten. Hat doch am 7. Oktober in der ״Antisemitischen Bezirks- Versaminlmig" im ersten Berliner Wahlkreise Dr. B öckel muer großem Beifall wiederholt erklärt, die Judenfrage., habe mit der religiösen Frage nichts zu thnn, sie sei und bleibe eine Nassensrage! Und Hai doch ferner bald darauf Hospredigcr Stöcker in der Versammlung der christlich-sozialen Partei demgegenüber betont, daß der einzig richtige Standpunkt, von welchem aus die antijüdische Bewegung behandelt werden könnender christliche sei. Wir hätten aber damit einen Kampf gegen zwei Heere zu führen — doch nur den: Namen nach; denn, betrachten wir unsere Gegner etwas näher, ist's int Grunde nicht das gleiche, was beide erstreben? Ist's Herrn Stöcker wirtlich lediglich darum zu Lhuu, daß alle Juden sich zur christlichen Religion bekehren? Hat er jemals versprochen, im Falle alle deutschen Inden die Taufe empfangen haben, seinen Kamps als beendigt atlzusehen? Und selbst zugegeben, Herr Stöcker habe ebenso wie sein Vorredner an jenem Abend, Herr Divisions- Pfarrer Köhler ans Danzig, Mitleid mit den Inden, weil sie keinen Heiland hätten, ist denn der von Herrn Stöcker eingcschlagcnc Weg, in seinem Sinne die Judenfrage zu lösen, der richtige? Herr Stöcker glaubt doch gewiß ebenso wenig wie wir, daß auf diese Weise es ihm gelingen, wird, auch nur einen Juden von der Priorität der von Herrn Stöcker und Genossen geübten christlichen Wahrheit und Liebe, gegenüber der jüdischen, zu überzeugen. Wir glauben deshalb berechtigt zu sein, die Bestrebungen des Deutschen Antisemiten-Bundes und der christlich-sozialen Partei in einen Topf zu werfen. Eine Gegenüberstellung einzelner von Rednern in beiden obenerwähnten Versammlungen, welche gerade den Gegensatz beider Lager zum Ausdruck bringen sollten, gellend gemachter Hanptargumente, rechtfertigt unsere Behauptung. So sagte Herr Stöcker: ״So lange sich die Sozialdemokratie von jüdischen Großkapitalisten beherrschen und als Puppe gebrauchen läßt, existirt sic für uns gar nicht." Und was sagt darauf der I). A. B.: ״Die Sozialdemokraten stehen unter den Juden, sie sind für diese der Sturmbock wider die Deutschen, sie sollen die Vorarbeit thnn für die goldene J Internationale." Oder wenn Hm Dr. Vöckel sagt: ״Die Juden wollen nicht mit der Hand arbeiten, sie > (mb Feinde der ehrlichen Arbeit und wenden sich lediglich

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