Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 40 (7.10.1886)
- Article
- Amerika : New York [Nachricht]
- Date
- 1886-10-07
- Page
- 639 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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689 unterstützen in der Erreichung seiner menschenfreundlichen Ziele, welche im Folgenden bestehen: 1) Den Ein- Wanderern Lei ihrer Ankunft hier behilflich zu sein, daß sie die Orte ihrer Bestimmung erreichen, so daß sie sich nicht alle in dieser Stadt zusammendrängen. 2) Ihnen in dem Lufsuchen ihrer Verwandten und Freunde Leizustehen und mit diesen sich in Verbindung zu setzen, damit sie bald unter deren Schutz und Sorge gelangen. 3) Mißverständnisse zwischen den Einwanderern und den Behörden von Castle Garden vorzubeugen, so daß kein würdiger Einwanderer uunöthiger Weise in Ward's Island zurückgehalten oder nach Europa zurückgeschickt wird. 4) Die Einwanderer gegen Betrüger zu schützen, welche ihre Unerfahrenheit sich zu Nutzen machen möchten. Und endlich 5) Für die Ankommenden geeignete Arbeit und Stellung zu besorgen. Unser Aufruf ist vornehmlich an die Gemeinde von Newyork gerichtet, da gerade hier die Meisten unserer Ein- Wanderer anlangen und sich von hier auß über die Vereinigten Staaten verbreiten, da ferner auch gerade hier es ist, wo die Verführung, welche der Unerfahrenen sich bemächtigen möchte, ihrer. Hauptsitz aufgeschlagen hat. Zahlreiche Einwanderer, welche sich in Europa mit EisenbahnbilletS versehen haben (gleichzeitig mit ihren Schiffskarten), um von hier in das Innere der Vereinigten Staaten zu reisen, werden durch das Treiben dieser Spitzbuben um den Besitz der BilletS gebracht. Und da sie nicht wissen, wie sie sich Recht schaffen können, fallen sie der hiesigen Gemeinde zur Last. Hunderte von Fällen ereignen sich allwöchentlich, in welchen Einwanderer um ihr Gepäck kommen, sei es durch unachtsame Behandlung der Dampfschiff- Agenturen oder durch Versehen der Gepäckbeamten an den verschiedenen Lagerplätzen. Da ereignet sich häufig, daß ein Vertreter unseres Vereins ihnen durch sorgfaltige Nachforschung nach den abhanden gekommenen Gepäckstücken wieder zu ihrem Cigenthum verhilft, Noch häufiger kommt es vor, daß unredliche Logir- Hausbesitzer und Andere sich der Neuankömmlinge bemächtige« und sie der letzten Geldmittel und Habseligkeiten berauben, die sie mitgcbracht haben. Um solchem und ähnlichem Mißgeschick entgegenzuwirken, den unsere Einwanderer bei ihrer hiosiZen Ankunft ausgesetzt sind, gebraucht der jüdische Einwanderer-Hilfsverein eines oder mehrerer Agenten für den Empfang der Ankömmlinge in Castle Garden und zur Vertretung ihrer Anliegen vor den Behörden, so daß auf beiden Seiten Srrthum oder Mißverstand^ ausgeschlossen ist, — sowie ferner um ihre Bedürfnisse und die besondere Art und Weise kennen zu lernen, in welchen ihnen Beistand und Schutz zu gewähren ist, und endlich um die Freunde und VerwEdten der Ankömmlinge sofort von ihrer Ankunft Ln Kenntrüß zu scheu, damit sie sie erwarten oder abholen lassen können. Wir bedürfen ferner eines Agenten um Stellung für solche Ein- Wanderer zu suchen, die in der hiesigen Stadt verbleiben. Alles dieses erheischt Ausgaben, und wenden wir uns deshalb an die Theilnahme unserer Brüder, uns in nuferen Bestrebungen zu unterstützen. Ferdinand Levy, Präsident, Henry Gersoni, Sekretär." — Welchen Erfolg dieser Aufruf haben wird, bleibt abzuwarten. Ebenso, in welchem Geiste dieser Hülssverein seine höchst lobcnSwerthen Ziele anSzuführen gedenkt. Die wahre ächte Menschen- und Bruderliebe richtet nicht und mäkelt nicht au dem bedürftigen Mitmenschen und Mitbruder. Ihr genügt es, daß ein Mensch, ein. Bruder in Noth und Elend ist, um zu helfen, soweit sie vermag. Hoffentlich denkt die Jmmigrants Protective Society ebenso und handelt darnach. Marokko. * DaS Zentral׳Komitee der ״All. Israel. Univ." hat folgende Nachrichten erhalten: Infolge der Ruhestörungcn, welche, am 23. Mai in Fez gegen die Israeliten dieser Stadt in Szene gesetzt wurden (Ruhestörungcn, über welche der Iunibericht zahlreiche Einzelheilen gebracht), wurden drei Jsraetiteu verhaftet und nach Marokko gesandt, wo sich Sr. Majestät der Sultan befand. Es waren dies der Israelit, dessen Streit mit einem Araber den Vorwand zu dem Aufstand vom 23. Mai lieferte; die beiden anderen wurden nur deshalb festgcnommen, weil sie sich zur Zeit des Streites am Orte der That befanden. — In Mcquinez wurde neuerdings ein Attentat verübt an einen; Israelit, namens Abraham Benaroj. Am 4. August trat ein Araber an denselben heran und ersuchte ihn, ihm französischeS Geld gegen spanische Münze cinzuwcchseln. Nachdem Benaroj das erforderliche Geld zusammengezählt hatte, folgte er dem Araber, welcher ihn nach einem Stalle führte, der dem Hause des Paschas gegenüber lag. Dort augckoinmen, warf sich der Araber auf Benaroj und ermordete ihn durch Säbelhiebe. Eine alte maurische Frau, die zugegen war, rief um Hülfe: der Mörder wurde festgenommen, aber das Geld war bereits verschwunden. Benaroj hintcrläßt eine Frau mit fünf kleinen Kindern. — Noch ein zweiter bemerkenswerther Fall hat sich in Mequinez zngctragen. Ein israelitischer Schneider wurde aus höheren Befehl mit Ruthen gepeitscht, weil er einen Nock, den ihm ein marokkanischer Beamter bestellt hatte, nicht zur Zeit liefern konnte; umsonst führte der arme Arbeiter zu seiner Vertheidigung an, daß ihm die nöthigen Mittel gefehlt hätten zum Ankauf des nöthigen Stoffes.