Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 40 (7.10.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
- Date
- 1886-10-07
- Page
- 636 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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636 auch meine Aussage noch an demselben Nachmittag zu Protokoll gegeben. Dies ist eine objektive Darstellung jenes Vorfalles, der einerseits zu so unrichtigen Schilderungen und andererseits zu ganz falschen Folgerungen Anlaß geboten hat. Achtungsvoll Professor Joseph Fiegl, NeichrathSabgeordneter.*) Wien, 25. September. 06. W. Wien, September. Der Vorstand des israelitischen Bethaus-Vereincs im neunten Bezirk publizirt nachstehenden Aufruf: ״Wir können uns nicht verhehlen, daß die früher unter unfercn Glaubensgenossen allgemein verbreitete Kmntniß der hebräischen Sprache seit den letzten Jahrzehnten in sehr bedaucrlichem Maße abgenommen hat und wenn die bisherigen Verhältnisse fortwirken/gänzlich schwinden muß. Wir können jedoch die ganze Größe dessen, was wir in unserer Bibel besitzen, woraus die Welt sich aufgebaut, nur erfassen, würdigen und festhalteu, wenn wir daö göttliche Wort, so wie cS im Ursprünge gesprochen, in uns aufnehmen. Das seit mehr als einem Jahrtausend in unseren Gotteshäusern übliche hebräische Gebet, der Millionen Glaubensgenossen gemeinsame altehrwürdige Ausdruck unserer Herzensandacht, wird zum leeren Lippcndienst. Wollen wir also unsere Kinder lehren also das heilige Erbe unserer Väter, um welches wir Jahrtausende gekämpft und gelitten, in seiner ganzen einfachen, himmlischen Erhabenheit in sich aufzunehmen und zu erhalten, wollen wir ihnen das Gotteshaus als ein Haus der Weihe, der Andacht, des Trostes und der Herzenserbauung hinterlassen, wollen wir das Band einer gemeinsamen heiligen Sprache, das uns seit unserem Bestehen einigt, nicht zerreißen, so müssen wir der hebräischen Sprache größere Psiege angcdeihen lassen, als dies seit den letzten Jahrzehnten geschehen ist." Hieran schließt sich die Aufforderung, durch Gewährung von Mitteln zur Erreichung dieses Zieles beizutragen. *;j* Pest, 29. September. Wer da glauben sollte, daß unsere Feinde endlich in ihren Bestrebungen zu unserer Unterdrückung ermüden, der irrt sich. Sie ruhen und rasten nicht die sich Antisemiten nennenden Hasser und Neider der Juden. Man meint, wenn sie einmal ein Paar Wochen den Mund halten, dann wären sie eingeschlafen, aber nein, sie wirken im Stillen. Und diese stille Wirksamkeit ist die gefährliche. Von derselben treten nur hin und wieder einige Symvtone an das Licht der Oeffeutlichkeit. ES ist jetzt der fruchtbare Gedanke zur Reife gediehen, die gesammten Judenfeinde *) Da Herr Professor Fieg! sich gegen die Nolle verwahrt, die ihm in dem Berichte nnfereS Blattes;»geschrieben wurde, so geben wir seiner Zuschrift Raum, damit der Leser and dieser angeblich ״objektiven Darstellung" sich sein eigenes Urtheil über die Nolle bildet, die Herr Professor Fiegl sich bei der Skcndalszene im Schwurgerichtsgebäude selbst zutheilt. Die Redaktion. zu einer einheitlich geleiteten und gemeinsam wirkenden großen Antisemitenpartei zu vereinigen. Der Judenhaß soll der Kitt sein, welcher die Linken und die Gemäßigten u. s. w. verbindet. Solches wird schon in dem Schooße der Reichstagsmitglieder geplant und ins Werk gesetzt. Außerhalb des Reichstags aber wird noch viel intensiver gearbeitet. Man beabsichtigt nichts Geringeres, als eine systematische Organisation, um die Juden ihrer staatsbürgerlichen Rechten verlustig zu erklären und ihnen in ihrer ErwerbSthatigkeit möglichst erfolgreich Abbruch zu thnn. Nun, der Herr sei gepriesen, auch er ruhet nimmer, er, der Hüter Israels! Ihm haben unsere Väter vertraut und fanden Schutz und Errettung, auf Ihn setzen auch wir unsere Hoffnung. *j|* Pest, 26. September. Wegen der hier auftretenden Cholera ist auf Seitens der Medizinalbehörde gegebene Veranlassung eine möglichste Kürzung der Dauer des öffentlichen Gottesdienstes am ראש השנה angeordnet wurden. Am יום ההפורים wird eine zweimalige Unterbrechung des Gottesdienstes stattstnden, um die Räume gehörig lüften zu können. tt. S. A. Njhely, 29. Etul. Gestern Nachmittag fand hier das großartige Leichenbegängniß der alten, hochverehrten Wittwe des vor zwölf Jahren hier verstorbenen, unvergeßlichen Rabbiners R. Jeremias L ö w זצ׳ל, Verfasser be«דברי ירמיה פירוש על רמב־ם, unter dem Geleite der ganzen Gemeinde und vieler auswärtiger Glaubensgenossen Statt. In dem großen Synagogen-Hofraume wurden von ihrem würdigen, rühmlichst bekannten Sohne und Nachfolger seines Vaters, wie auch von dessen! Sohn und Neffen, ebenso von dm beiden hiesigen NabbinatS-Asscssoren wahrhaft rührende Gedächtnißreden gehalten. Wie sie Gattin eines. Großen in Israel gewesen, so entstammte sie auch erlauchten Ahnen. Sic erreichte das hohe Alter von über 80 Jahren. Unter ihren vielen herrlichen Charaktcrzügen wurde ihr auch nachgerühmt, daß sie einst ihren Perlenschmuck verkaufte, um ihrem Gatten die Mittel zur Erwerbung werthvoller Bücher zu gewähren. Sie unterzog sich überhaupt freudigen und frommen Sinnes vielen Mühseligkeiten, um ihrem Manne das ununterbrochene Thorastudium ungestört - zu ermöglichen. Ihr Andenken wird noch lange unter uns fortlebm als das glänzende Muster einer ächten .ת׳נ׳צ׳ב׳ה, — .אשת חיל Rumänien. ל Jassy. Zur Kennzeichnung der hiesigen Rechts- Verhältnisse der Juden kann der folgende Vorfall dienen. Der allgemein geachtete jüdische Kaufmann Löb Abramaskur kaufte von dem sich einer traurigen Berühmtheit erfreuenden Senator Gargel eine Partie Rübsamen zum Preise von sechstausend Franken. Der