Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 40 (7.10.1886)
- Article
- Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
- Date
- 1886-10-07
- Page
- 635 (sequence 2)
- Language
- German
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635 In den weiten lustigen Speiscsälen werden — getrennt von einander — eine große Anzahl brustleidender Männer und Frauen mit kräftiger kurgemäßer Kost gespeist. Außerdem haben eine größere Zahl Kranker Wohnung im Hause. Bei dem stattlichen Hause befindet sich ein schöner Garten. — Das Hanptver'dienst um die Leitung der Anstalt hat seit mehreren Jahren Herr Michael Mainz in Frankfurt a. M., vor Allem gebührt seiner Gattin, welche den ganzen Sommer in unermüdlich hiiigcbensler Weise für die Verpflegung der armen Kranken sorgte, die höchste Anerkennung. Mögen nach dem Muster der Sodener Anstalt, bald in andern Badeorten ähnliche Institute entstehen zur Heilung unserer bedürstigm Glaubensgenossen. k. Aus OstpreNston, Ende September. Wenn wir Israeliten zu allen Zeilen dankbare Anerkennung den Mitgcnossen des Staates, welche nicht unseres Glaubens find, und den städtischen und königlichen Behörden schulden für jegliches Entgegenkommen, das sie uns bezeigen, für welche jegliche Förderung unserer speziellen Angelegenheiten, die sic unS bcthätigcn, um wie viel niehr gerade in unseren Tagen, in der Acra des Antisemitismus. Deshalb verdient auch sicherlich die in der Kreisstadt OrtelSburg kürzlich in hervorragender Weise für das Judeuthum manifcstirte vorurtheilSfreie und wohlwollende Gesinnung der Bevölkeruug und der Behörden in der Tagesgeschichte bewahrt zu werden. In Ortelsburg wurde nämlich am 7. d. M. die Generalversammlung des ostpreußischeu Synagogengemeiudcn-Vereins, welchem 43 Gemeinden angehörcn, abgehalten. Bevor die Verhandlungen ihren Anfang nahmen, begrüßte der Bürgermeister von Ortelsbürg, Herr von Conradi, die Versammlung in der allcrherzlichstcn Weise, und zwar nicht nur Ln seinem eigenen Namen, sondern im Namen der Stadt, welche dem Vereine Las lebhafteste Interesse zuwende und ihren Bestrebungen den besten Erfolg wünsche. Als am Nachmittage desselben TageS die neugcbaute Synagoge cingeweiht wurde, nahmen an dem feierlichen Zuge unter Andern auch der königliche Herr Landrach, der wackere Bürgermeister, sowie mehrere Kreisdeputirle Theil. Ebenso auch an dem 2nr Feier des Tages veranstalteten Mahle. Oesterreich-Ungarn. G. Wien, 26. September. Die ״N. Fr. Pr." veröffentlicht die folgende Zuschrift, mit der sich daran anschließenden redaktionellen Bemerkung: ״Löbliche Schristteitungl Da ich im Laufe der letzten Tage von verschiedenen Seiten Anfragen über den Vorfall im SchwurgerichtSgebäude erhielt, die mir beweisen, daß noch immer falsche Ansichten hierüber' verbreitet sind, so fühle ich mich, obwohl ich mich anfangs in Berichtigungen nicht einlaffen wollte, dennoch veranlaßt, im Interesse der Wahrheit Sie um Aufnahme dieser Zeilen in die nächste Nummer Ihres Blattes zu ersuchen. Die Darstellung, welche jener Vorfall in Ihrem Blatte gefunden hat, ist zum großen Theile unrichtig, wie auch aus anderweitigen Berichtigungen hervorgchtt Insbesondere aber muß ich mich gegen jene Rolle vcrwahren, die mir in Ihren! Blatte zugeschrieben wurde. Der wahre Sachverhalt ist folgender: Nach Unterbrcchrmg der Sitzung im Prozesse Heller Grünbergcr sagte in der Garderobe ein unbekannt gebliebener Herr gesprächsweise zu einem andern. Namens Dr. Kart Hugo Pettcrsch: ״Es ist doch sonderbar, daß in diesem Prozesse die Betrüger Juden, die Betrogenen Christen sind." Diese in ihrem letzten Theile allerdings nicht ganz richtige Acutzernng scheint eine jüdische Frau, welche in der Nähe stand, niißverstanden zu haben, denn sie theilie dieselbe ihrer Umgebung in der Form mit, als ob gesagt worden wäre, alle Inden seien Betrüger und gehören ins Landgericht. Nun entstand ein großer Tumult und cs drangen viele Herren, die sich durch diese entstellt wiedcrgcgcbene Aenßerung beleidigt fühlten, aus Dr. Pettcrsch ein, da sie ihn offenbar für den Urheber derselben hielten. Der Genannte ries nun den ungestüm und unter Schmähungen Andriugenden zu, er werde dem ihm bekannten Präsidenten D1-. v. Holzinger schreiben, damit solche Leute nicht mehr hereingclassen werden. Der Lärm wurde immer ärger, und ich sagte, als ich eben zur Gardcrdbe ging, um uieiucn Stock zu holen, zu einem Herrn in meiner Nähe, es sei doch empörend, wie dieses Iudenvolk sich benehme; nicht einmal in den Hallen der Th cm iS könne es den Anstand wahren. Nun wurde mein Name ge^ rufen, was zu der unrichtigen Annahme geführt zu haben scheint, als handle es sich um eine Demonstration gegen die in großer Mehrzahl auwesenden Juden. Da in Folge dessen die Aufregung noch mehr stieg und fortwährend Schmähworte ficleu, die leicht zu Thätlichkeiten hätten führen können, bemühten sich mehrere Herren, darunter auch der mir früher unbekannte Dr. Heinrich v. Oberlcithncr, der eben von der Straße ciugetrelen war, die aufgeregten Gcmüthcr zu beschwich- Ligen, in welchem Sinne auch die Iustizwache einznwirken suchte. Inzwischen war die Menge zum Ausgangst hör gelangt, wo Dr. Pettcrsch einen SichcrheitS- Wachmann aufforderte, einen Herrn zu verhaften, der sich besonders ungestüm benommen und eben Schimpf- Worte ausgestoßen hatte. Der Wachmann kam dieser Aufforderung nach, und Dr. Pettcrsch begab sich mit demselben und dem Verhafteten zum Polizeikommissariate, wo deren Aussagen ausgenommen wurden. Ich hatte dem Wachmannc meine LcgitimationSkarte vorgewiesen und mich zur Zeugcnschast bereit erklärt. Ich habe