Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 40 (7.10.1886)
- Article
- Aus dem Treiben der "Mission"
- Date
- 1886-10-07
- Page
- 631 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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631 fett. Einen Ausgcwiesenen sandte Skolkowski nach Danzig, wo er unter Assistenz des Missionärs Urbschat getauft worden ist. Hamburg. S. T. Bachert ist der richtige Missionär, wie er leibt und lebt. Er berichtet selbst, daß er bereits zwei Mal aus einer Synagoge hinausgeschmissen worden ist, aber er versucht es immer wieder aufs Neue. Er hat ein Missionsheim für Juden gegründet, aber ״nicht Taufe, sondern Uebcrzeuguug; nicht Worte, sondern Thatcn; nicht daS Rufen: Herr, Herr! sondern das Vollbringen des Willens des Vaters" sei dort die Losung; so sagt er, und — dann muß es doch sicher wahr sein. Posen. I. V01fa arbeitet in Stadt und Provinz. Die 7000 Inden der Stadt Posen seien in Orthodoxe und Reformer gctheilt; erstere seien fanatisch und wollen seine Verkündigung des Evangeliums nicht anhören, letztere bereiten ihm einen freundlichen Empfang und unterhalten sich gern mit ihm über religiöse Fragen, seien aber ״fürchterlich ungläubig in Gott und Seine Verheißungen." Er besuchte Gnesen mit l800 jüdischeu Seelen, Jnowrazlaw mit 1500, Bromberg mit 2000, Nogasen mit 1200; in Bromberg habe er außerhalb und innerhalb (??) der Synagoge den wahren Messias verkündet. Frankfurt am Main. D. A. Hefter berichtet, daßer Mitglied des Mendelssohn-Vereins geworden sei und dadurch Zutritt in die ״besseren Kreise" der dortigen Juden erlangt habe. Der Rabbi und sein Brnder, an der Spitze des Vereins, kämen oft hin, und beide seien zu weilen Willens, sich mit ihm über religiöse Fragen zu unterhalten. Letzterer habe ihm erzählt, daß er mit dem Studium des Neuen Testaments sich beschäftige und hinzugesügt, daß, wenn Jesus nicht für sich die Göttlichkeit in Anspruch genommen hätte, er ihn freudig für den größten Propheten, selbst größer als Moses, akzeptiren würde. Hefter erzählt auch, daß er das Beth-Hamidrasch in Würzburg besucht habe, und als er dort gefragt habe, warum sie nicht das Wort Gottes, welches besser sei als der Talmud, studirten, habe man ihm geantwortet, ״er solle seine Visage hier nicht weiter sehen lassen, sonst könnte er sein Leben lang an Würzburg zu denken haben." Kornthal (Baden). Der Missionär Flad hat sein Domizil eigentlich in Abyssinien und ist nur zeitweilig in Kornthal. Da er mit der Revision der Amharischen Bibelübersetzung beschäftigt ist, Konnte er sich nur wenig der Scclenfangerei widmen. Sein Kol- Porteur hat zwei Mal von ״fanatischen" Juden Keile bekommen und ist ein Mal mit einem Hunde zum Hause hinaus gehetzt morden. Ein Handelsmann zerriß vor seinen Augen die erhaltenen Traktätchen und wickelte seine Maaren hinein; ein anderer warf ihn zum Hause hinaus und das empfangene ״Chomesch" ihm au den Kopf. Straß bürg. I. Pick schreibt resignirt: ״Die Missionsthätigkeit unter den Juden in Elsaß-Lothringen war stets eine schwierige, und wenn ich die Berichte meiner Vorgänger mit Klagen über die Schwierigkeit von Erfolgen lese, so muß ich mit schwerem Herzen bekennen, daß die Zeiten sich darin nur wenig geändert haben." Er hofft aber. (Hoffen und Harren u. s. w.) Konstant in opel. Aus dem Berichte deS Missionärs M ühlenbruch: ״Die Abendschule, um junge Juden in der englischen Sprache zu unterrichten, ist eine gute Gelegenheit für die Verbreitung der christlichcn Lehre. Das Neue Testatnent wird dabei als Lesebuch benutzt und auch iuS Spanische übersetzt. Ueber schwierige Stellen werden Fragen gestellt und Erläuternngen gegeben, so daß die englische Stunde gar oft als eine NcligionSstunde erschien. Auch der Arzneikästen erwies sich von großem Nutzen und brachte mich oft in Verbindung mit Inden und Jüdinnen, was sonst nicht der Fall gewesen wäre. Ich besuchte sie dann in ihren Wohnungen, und sie kamen zu mir, um Arznei zu holen, so bot sich mir manche Gelegenheit, zu ihnen von dem Evangelium zu sprechen und geeignete Traktätchen zu vertheilen."- Ich meine, diese Proben dürsten genügen. Mit dem Stoff, den die Berichte bieten, sowohl für Auszüge als ihre Besprechung, könnte man ein ganzes Buch füllen. Namentlich im Orient bilden die Medizinal-Abtheiluugen die Hauptwaffe zum Angriff, und die Missionsärzte beschränken sich nicht auf die Plätze, wo sie domizilirt sind, sondern besuchen regelmäßig die ganzen Distrikte. Mit einem Eifer, einer besseren Sache würdig, wird vorzüglich das Heilige Land von der Mission bearbeitet, und so lange nicht von jüdischer Seite für eine genügende Anzahl von Aerztcn und Apotheken im Heiligen Lande gesorgt wird, ist eine energische Bekämpfung der Missionäre daselbst unmöglich. Gift saut. Bon Naphtali S i m o n. (Nachdruck verboten.) Herr Abraham Friedlich galt nicht nur in Welsingen, sondern auch im ganzen Kreise, als ein sehr vermögender Mann. Es würde meines Erachtens allerdings gar nicht der Mühe werth sein, von einem reichen Mann zu erzählen, wenn man von ihm eben weiter nichts zu berichten wüßte, als daß er ein reicher Mann wäre. Mir und allen Anderen, außer dem Besitzer, seiner Frau und seinen Kindern, kann es doch