Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1886)
- Article
- Rußland : Petersburg [Nachricht]
- Date
- 1886-09-29
- Page
- 622 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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62Z jüdischen Anwalt aufgcnommenen Men ungültig sein sollen, wenn dieselben mit russischen Namen zeichnen. * Warschau, 22. September. Das Städtchen Chislawicze, Gouvernement Mohilew, ist vollständig abgebrannt. Mehr als 400 Hauser und viel beweg« liche Habe sind ein Raub der Flammen geworden. Der Verlust trisst hauptsächlich die Juden. Ifj Galta. Die Zeitschrift ״Jusschcmiii" bcrichtct, daß sich unter den zahlreichen hiesigen jüdischen Handwerkern Vereinigungen gebildet haben, um gemcinsam nach Amerika auSzuwaudern. Amerika. * Newyork, 2l. September. Wie die ״Frks. Ztg." berichtet, haben die Einwanderungskommissare beschlossen, 70 mittellose rumänische Inden, welche mit dem Dampfschiffe ״Egypt" von Liverpool angekommen waren, znrückzuschicken. * Charlefrorr, September. Bon dem großen Erdbeben, daö im Staate Südkarolina stattfand, sind auch die beiden jüdischen Gemeinden in Charlcston betroffen. Die Synagoge der einen wohlhabenderen Gemeiude ist zerstört, während sonst in dieser Gemeinde der Schaden nicht so beträchtlich war. Jedoch in der anderen jüdischen Gemeinde, zu welcher mehr die ärmere jüdische Bevölkerung Charlcstons gehört, ist bedeutender Schaden duech daö Erdbeben ungerichtet, besonders da fast sämmtliche Läden und Magazine mit ihrem Maareninhalt zerstört wurden. Doch ist glücklicherweise ein Menschenleben in der jüdischen Bevölkerung nicht vcrlorcn worden. 1׳i Kollcktiu-Vcrichte aus Ungarn. LI. Schon vor vielen Monden haben Sic, geehrter Herr Redakteur, um die Fortsetzung der Kollektiv׳ Berichte mich ersucht. Die Tageschronik hat allerdings reiches Material geboten, allein Gutes wußte ich leider nicht mitzutheilen, und das Schlechte kommt immer früh genug. Jetzt, wo das Jahr zur Neige geht, wäre c§ wohl nicht uninteressant, einen kleinen Nückblick zu halten und so acht kaufmännisch unter Rubrik ״Soll und Haben" zu notiren, was das Jahr uns gegeben und was es uns genommen. Doch das Fazit wäre gar zu traurig, besonders, in Rücksicht auf das ungarische Israel. Männer, auf die wir mit Stolz und Hochgefühl geblickt, welche wichtige Stützen, strahlende Leuchten der ungarisch-jüdischen Orthodoxie waren, sind im Lause des heimgchenden JahreS in kurzen Intervallen aus dem Leben geschieden. Für die herben Verluste haben wir leider keinen Ersatz, haben wir nichts als Seufzer und Thrancn. — Damit noch nicht genug, hat das Jahr ferner ein kostbares Kleinod uns geraubt, den süßen Glauben an die Existenz einer konsequenten, zielbewußten ungarisch jüdischen Orthodoxie, und das ist ein Verlust, für den es keinen Trost, ein Schmerz, für den eS keinen Balsam giebt! Sie fragen, womit ich dieses herbe Urtheil wohl begründen kann? Nun hören Sie erst, was das Jahr uns gegeben. — Sic denken vielleicht an die seit Jahren von mir gehegte und energisch urgirte Reorganisation der Jeschiboth, der DurchführuugSkommission; Kneinmg einer orthodoxen Lehrerpräparandie, jüdischer Mittelschulen; Sistirnng der קבלות* und ^"^N-Fabriken; Beschränkung der wie Pilze aufschießcnden א'סורמ והרמים, Suspendirung unqnalifizirtcr ReligionSlchrer; Konsolidirnng der konservativen Rabbiner und Gemeinden 2c. :e. Nichts, nichts von alledem. — Das Jahr 5646 zieht hin und brachte uns nichts mehr und nichts weniger als ein mangelhaftes Matrikenftatut mit 500 krcirtcn Matrikenbczirken. — Von dieser Vcscheernng habe ich in meinem letzten Kollektiv-Berichte bereits geschrieben; doch was diese im Gefolge hatte, das spottet jeder Beschreibung. — Einige Momente der neuesten traurigen Erfahrungen will ich Ihnen kurz skizziren. ES gab hier zu Lande nie eine so rege Nachfrage auf Rabbiner und Rabbinatsverweser als in dem ablaufenden Schaltjahre. Gut und schlecht dotirte Stellen wurden massenhaft ausgeschrieben, und ״was der Verstand der Verständigen nicht sieht, daS sieht in Einfalt ein . Gcmüth!" — Bei Ausschreibung der vakanten Posten haben die betreffenden Gemeinden mit pedantischer Genauigkeit ihren Parteicharakter angegeben, beim ״ כל ערב למינוjeder Nabe strebt nach seiner Art", doch nicht so jeder ״Rabbi"! Die betreffenden Herren Bewerber haben den Herren vom ״grünen (Gemeinde-) Tische" die Narrethei der Parteigrillen aus dem Kopse gejagt. Die so arg -zerklüftete ungarische Judcnheit" repräsentirte Plötzlich ein ״einiges Israel", Männer, die noch gestern von der Hochwarte der ״ausschließlich zivilisirten, von der allein selig machenden Durchsührungskommission patcntirten Orthodoxie" über 8tatu8-guo und Kongreß das Vcrdammnngsurthcil gesprochen, haben über Nacht dem st-errotypen X0N possunms eine rührende, unvergleichliche Toleranz entgegengesetzt, die jede Kluft überbrückt, alle Scheidewände uiedergerissen, alle Hindernisse beseitigt,