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Jeschurun · 1886-09-29 · Heft 39 (29.9.1886) · p. 621

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 39 (29.9.1886)
Article
Österreich-Ungarn : Lemberg [Nachricht]
Date
1886-09-29
Page
621 (sequence 2)
Language
German
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621 unserer Glaubensgenossen auSzuwandern. Der Zweck dieses Vereines ist, denjenigen russischen und rumänischen Juden, welche ihre Existenznnttcl verloren haben, aber noch Fähigkeit und guten Willen zur Arbeit besitzen, zu helfen, damit sie sich in Palästina ansicdeln. Schweiz. * Aus Zürich, 12. ds., wird der ,.Frankftr. Ztg." geschrieben: Ein ״Major Osman Bey". über dessen ״Stamm und Art" keine völlig beglaubigte Aufschlüssc vorliegcn, wollte letzte Woche in Bern große rothe Plakate anschlagen — einige Exemplare sandte er auch hierher — welche die Worte enthielten: ״Der Sieger von Slivnitza geknebelt. Der Sieger von Kars und der Juden in die Straße geworfen. Ave Czar moriturl tc salutant." Natürlich bewilligte die Polizei diese Dekoration der Bundcsstadt nicht. Der blinkte Herr .,Major", der, seit einiger Zeit in der Schweiz weilend, bald da bald dort Vorträge über den Orient hält, veröffentlichte kürzlich auch ״Euthüllungen über die Ermordung Alexanders II.", eine Schrift, die des Albernen und Verrückten eine solche Fülle bietet, daß man nur staunen muß, wie eine ehreuwcrthe Berner Firma den Verlag übernehmen mochte. Der Mann behauptet darin, er habe seinerzeit Kars erobert und später ״der russischen Revolution das Rückgrat gebrochen", so daß die Krönung Alexander III. ungestört erfolgen konnte; den ersten Erfolg habe ihm der elende Armenier Loris Mclikow unterschlagen und um die Ehre der zweiten sei er durch Herrn Giers gebracht worden. ׳ So hat man den ״Sieger von KarS und der Juden in die Straße geworfen", und cs wäre die Wicht der Antisemitcn, ihn aufzulcsen, damit er die Arbeit fortsetze. Der Herr ״Major" konstatirt nämlich, daß die Nevolution von 1769 daS Werk der Inden war; daß die Bewegung von 1848 wiederum von ihnen ausging und in Paris glückte (weil dort die Juden Thiers und Odilon Barot heimlich schürten!) in Berlin aber an den Massen des deutschen Heeres und an dem eisernen Willen des Königs Wilhelm scheiterte; nebenbei erfahren wir, daß auch Renan und Victor Noir (jener junge Journalist, den Prinz Peter Napoleon niederschoß) zu den jüdischen Blutsaugern zählen, unter denen Frankreich seufzte. Cavour war nicht gerade ein Jude, aber dermaßen von jüdischen Nathgebern beeinflußt, daß man sagen könne, er habe sich ״im Ghetto herumgetrieben." Doch der ״Major" weiß noch viel Schöneres. Als der russische Attentäter Hartinann unter jüdischem Beistand von Rußland nach Berlin geflohen war, empfing ihn dort Karl Marx mit offenen Armen und geleitete ihn nach Paris, ins Daheim der israelitischen Allianz, von welcher aus die ganze nihilistische Aktion inlzcnirt und geleitet wurde. Er, Osman-Vey, begab sich mit einer lächerlich geringen Unterstützung nach Paris, entdeckte daselbst, daß die israelitische Allianz, in deren Lokal er gedrungen war, das eigentliche Arsenal dcS Nihilismus sei; sie hat Dynamit und Waffen nach Rußland geschickt, die Attentate arrangirt, im Lande selbst Komitees und der Grenze entlang eine Kette revolutionärer Depots errichtet (sie sind alle aufgezählt), welche unter der Maske der Wohlthätigkeits-Bestrcbungm wühlen. Kaum hatte aber der Herr ״Major" den werthcn Auftraggebern von seinem wichtigen Funde Mittheilung gemacht, desavouirten sie ihn und überließen ihn der Noth. während sie selbst die durch ihn gewonnene Aufklärung in persönlichem Interesse ansbeuteten! Schließen wir die traurige Lese; nur wollten nur bei Zeiten auf ein Werk Hinweisen, das in jeder Hinsicht so toll ist, daß eS zweifelsohne gelegentlich von einem antisemitischen Historiker als ״Ouelle" verwendet werden wird. X. Baden (Schweiz), 24. September. Unser allverehrter Bezirksrabbiner Herr D1\ Ehrmann נ״י hat jüngsten Sonntag, anläßlich des eidgenössischen Getlages, in der hiesigen Synagoge wie auch in den Be-' zirksgemeillden einen besonderen Gottcsdicuft angeordnet und dadurch zum ersten Mal Stellung zu den politischen Institutionen des Landes genommen, dem er gegenwärtig als Beamter dient. Es ist erfreulich, koirstatiren zu können, daß Herr Dr. Ehrmann bei diesem Anlaß mit feinem Takt und warmer Ueberzeugimg das Verhältniß der schweizerischen Israeliten zum schweizerischen Vaterland gekennzeichnet hat. Ganz besonders im Kanton Aargau haben die Worte des trefflichen Redners, der persönlich lies ergriffen war von den saarganischen historischen Erinnerungen, Anklang gefunden. Die ״Schweizer Freie Presse" spricht sich in anerkennendster Weise über diese Feierlichkeit aus und bringt eine Skizze der Rede unseres Herrn Rabbiners. Holland. ש Amsterdam, 26. September. Laut der offiziellen Statistik über das Gesängnißwesen in unserem Lande pro 1885 waren von den Gefangenen: 6866 Protestanten, 5655 Katholiken und 160 Inden, d. h. auf je!000 der betreffenden Konscssion: 3,30 Protestantcn 3,60 Katholiken,!,80 Inden. Im Jahre 1864 war das Bcrhältniß: 3,54; 3,8!; 2,!6. Rußland. Petersburg, 25. September. Der..WoSchod" meldet, daß sänuntlicheu israelitischen Bewerberinnen um Zulassung zu der Hebamnicli-Lehranstalt, obwohl dirselben gehörig vorbereitet waren, die Aufnahme vrrl weigert worden ist. — Der ״Nijoblamin" berichtet! von einer Verordnung, nach welcher alle von einrm

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